Headless-Commerce-Architektur 16.06.2019, 13:20 Uhr

Trend bei Shopsystemen: Mehr "kopflose" Commerce-Software

Die Entwicklung hin zu einer "Headless"-Commerce-Architektur wird immer deutlicher. Jüngste Beispiele sind das Flamingo-Framework und das Shopware-Release 6.
(Quelle: shutterstock.com/SWKStock)
Der Markt für Shopsoftware ist in Bewegung. Zwei Entwicklungen zeichnen sich ab: Die Anbindung von weiteren Verkaufskanälen verlagert sich ­direkt in das Shop-Backend und der Headless-Ansatz setzt sich durch.

"Kopfloser" Ansatz

Headless bedeutet, dass das Frontend ­eines Shops vom Backend abgekoppelt wird. Der Grund: Neue Geräte wie interaktive Lautsprecher oder andere Eingabesysteme schaffen künftig zusätzliche Möglichkeiten für digitale Transaktionen. ­Damit sich Commerce-Software schnell an solche neuen Anforderungen anpassen lässt, haben Lösungsanbieter vor einigen Jahren begonnen, auf eine Microservice-orientierte Architektur zu setzen. Das ­bedeutet, dass das große Gebilde einer Commerce-Lösung in einzelne kleine Bausteine aufgeteilt wird. Sie werden über Schnittstellen miteinander verknüpft.
Wenn das Frontend vom Backend losgelöst ist, kann es unterschiedliche "Gesichter" für den Kunden haben, je nachdem wo und wie eine Transaktion ausgelöst werden soll. Das Backend sorgt für die ­Abwicklung des Kaufvorgangs.

Shopsoftware-Anbieter setzen zunehmend auf headless

Auf diesen Trend setzen viele Shop-Software-Anbieter, vor allem im Enterprise-Bereich. Als Vorteile nennen die Anbieter, dass damit Commerce-Projekte schneller umgesetzt werden können, sie besser skalieren und insgesamt flexibler werden. Da Schnittstellen zwischen den verschiedenen Bausteinen so wichtig sind, wird dieser Ansatz auch als "API-first" bezeichnet.
Spryker und Commercetools, aber auch About You mit seinem Backend-System "Backbone" positionieren sich als solche sogenannten API-first-Systeme. Auf diesen Architekturansatz bauen nun auch das neue Release 6 von Shopware und das Frontend-Framework von AOE.

Mit Flamingo Commerce den Shop modernisieren

AOE entwickelt digitale Lösungen im Enterprise-Segment. Das Unternehmen aus Wiesbaden nennt als Referenzkunden unter anderem Flughäfen wie Frankfurt oder Heathrow. Für deren Duty-free-­Geschäfte hat AOE digitale Shopping-Malls mit seiner Marktplatzlösung OM3 umgesetzt. Das neue Frontend-Framework "Flamingo" ist auch Teil der OM3-Plattform. "Wir haben Flamingo entwickelt, weil wir den dringenden Bedarf für Headless Commerce in unseren eigenen Projekten gesehen haben", sagt Kian Gould, CEO und Gründer der AOE GmbH.

Mit Flamingo können Unternehmen ihre bestehenden Shopsysteme modernisieren, indem sie ein neues Frontend daran andocken. Es sei für Unternehmen geeignet, die umfangreiche, auf Microservices basierende E-Commerce-Architekturen aufbauen wollen, ordnet Gould ein.

Flamingo besteht aus zwei Teilen

Flamingo besteht aus zwei Teilen: "Flamingo Core" und "Flamingo Commerce". Mit Flamingo Core werden Webanwendungen und Frontends gebaut. Flamingo Commerce steuert vorgefertigte und ­anpassbare Commerce-Funktionen bei. Das Framework ist in der Programmiersprache "Go" geschrieben. Von der Veröffentlichung des Frameworks als Open-Source-Software auf der Entwicklerplattform Github erhofft sich Gould, dass eine Entwickler-Community entsteht, die mit Flamingo arbeitet.
Ein weiterer Anbieter eines Shop-Front­ends mit API-first-Ansatz ist Frontastic. Der gleichnamige Frontend-as-a-Service ist in einer "Accelerate"- und einer "Enterprise"-Edition erhältlich.



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