Adobe kauft Shopsystem 09.06.2018, 12:11 Uhr

Was der Magento-Kauf für Shop-Betreiber bedeutet

Der Software-Konzern Adobe übernimmt den Shopsoftware-Hersteller Magento für 1,68 Milliarden US-Dollar. Was bedeutet das für Betreiber von Shops auf Magento-Basis, für den Markt und die Magento-Community?
(Quelle: shutterstock.com/Kritchanut)
Die Meldung hat für Aufsehen gesorgt: Der Software-Konzern Adobe schluckt Magento Commerce, den Hersteller der gleichnamigen Open-Source-basierten ­E-Commerce-Software. Es ist die dritt­größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte von Adobe. Damit folgt Adobe dem Beispiel von SAP und Salesforce. SAP, Anbieter von Enterprise-Software, hat 2013 den Shopsoftware-Hersteller Hybris gekauft. 2016 sicherte sich Salesforce, Anbieter von Customer-Relationship-Management- und Online-Marketing-Lösungen, den Shopsoftware-Hersteller Demandware.
Das Ziel ist immer das gleiche: Es geht darum, Software-Pakete anzubieten, die den gesamten digitalen Kontakt eines Kunden mit einem Unternehmen über alle ­Kanäle und alle Geräte hinweg analysier- und steuerbar machen. Je enger die einzelnen Software-Bausteine wie beispielsweise Analyse- und Kampagnenplanungs-Tools, Kundendaten- und Inhalte-Management, Personalisierungs- und Verkaufslösungen dabei miteinander verzahnt sind, desto ­lückenloser und besser lässt sich der ­Kunde beobachten und ansprechen - und letztlich zum Kauf bewegen.

Fehlendes Puzzleteil bei Adobe

Das Portfolio von Adobe reichte bislang von der kreativen Gestaltung und der ­Verwaltung von Inhalten über Analyse­lösungen bis hin zu einer breiten Sammlung von Online-Marketing-Lösungen wie einer Demand-Side-Plattform und Retargeting-Lösungen. Durch die Übernahme von Magento kommt nun der komplette Bereich Commerce dazu. "Magento ist - das vergisst man gern - mehr als nur eine reine Shopsoftware. Es bietet die Möglichkeit für B2B-Online-Handel, ­Omnichannel, Cloud Business, komplexe Digitalisierungsplattformen und für vieles mehr. Dieses Puzzleteil hat im Sortiment von Adobe noch gefehlt", erklärt Tim Hahn, Geschäftsführer der Magento-Partneragentur Netz98.
Nach Angaben von Adobe soll Magento in die "Adobe Experience Cloud" integriert  werden. Dennoch sind noch etliche Fragen offen - etwa die, was die Übernahme für deutsche Online-Händler bedeutet, die einen Shop auf ­Magento-Basis betreiben. Magento hat auf eine entsprechende Anfrage nicht reagiert. Und Adobe erklärt lediglich, dass man sich bis zum für das dritte Quartal 2018 ­geplanten Abschluss der Übernahme nicht äußern wolle. 

Shop-Betreiber können gelassen bleiben

Nach Einschätzung von Magento-Partneragenturen wird sich für die Shop-Betreiber erst einmal nichts ändern. "Aktuell sind keine geplanten Änderungen bekannt, die Kunden oder Partner betreffen", sagte etwa Markus Neumann, Geschäftsführer der Agentur Mediawave. Adobe selbst hatte verkündet, dass der Magento-CEO Mark Lavelle das Magento-Team als Teil des Digital-Experience-Geschäfts von Adobe weiterführen werde. So ist in der Branche zu beobachten, dass die meisten Shop-Betreiber zwar überrascht, aber eher gelassen auf den Schritt reagieren.
Wahrscheinlich ist nach Einschätzung von Tim Hahn jedoch, dass Adobe versuchen wird, die kostenpflichtige Enterprise-Version von Magento weiter zu pushen und sich noch stärker auf das B2B-Segment zu konzentrieren.

Open-Source-Version wird wohl bleiben, die Community auch

Gleichzeitig sind sich die Agenturchefs einig, dass Adobe die Open-Source-Version beibehalten und auch die Magento-Community weiter pflegen wird. "Wir glauben, dass Adobe den Wert der gigantischen Magento-Community zu schätzen weiß und Magento die Möglichkeit gibt, den Open-Source-Gedanken weiter voranzutreiben", ­betont Frederic Gaus, Geschäftsführer der E-Commerce-Agentur Flagbit. Unklar ist, wie es mit Magento 1 weitergeht. Ob und wann der Support eingestellt wird, ist derzeit überhaupt nicht absehbar.

Konkurrenz für SAP/Hybris und Salesforce/Demandware

Nach Meinung von Gaus werden Anbieter wie SAP/Hybris und Salesforce/­Demandware mit Magento nach der Übernahme einen ernst zu nehmenden Konkurrenten im Enterprise-Segment ­bekommen.
Shopware - bislang größter Wettbewerber von Magento - könnte hingegen profitieren, wenn Magento sich künftig noch mehr auf größere Kunden konzentriert. Netz98-Geschäftsführer Hahn hingegen glaubt, dass die Schere zwischen umfassenden Enterprise-Systemen und kleineren, reinen Shopsystemen immer stärker auseinandergehen wird. Anbieter wie Oxid und Shopware würden ohne starke Partner singuläre Shop-Systeme bleiben, die keine ganzheitlichen Digitalisierungsthemen abdecken könnten.
Letztlich teilt er aber auch die Ansicht von ­Mediawave-Chef Neumann, der sagt: "Der deutsche Markt an Shopsoftware-Herstellern wird auch weiterhin durch eine Vielzahl an Anbietern geprägt sein."



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