Anwendervereinigung 12.09.2019, 08:07 Uhr

Magento Association: Eine Stimme für Magento-Fans

Seit Februar 2019 wirbt die neue Magento Association um Mitglieder. Stefan Willkommer, Gründer und Chef der Commerce-Agentur Techdivision, erklärt, welchen Zweck die Nutzervereinigung verfolgt.
Stefan Willkommer, Gründer und Chef der Commerce-Agentur Techdivision
(Quelle: Techdivision )
Nach der Ankündigung im Herbst 2018 dauerte es noch einige Monate, bis die "Magento Association" im Februar 2019 endlich starten konnte. Die Anwendervereinigung soll der Entwickler-Community von Magento eine Stimme geben. Die Shopsoftware Magento, die derzeit weltweit einen Marktanteil von rund 30 Prozent hat, wurde 2018 vom Software-Konzern Adobe übernommen.
Die Magento Association wendet sich an Entwickler, Lösungsanbieter und Anwender, also Shop-Betreiber, die Magento als Shopsoftware einsetzen. Die Mitgliedschaft sei bis Ende des Jahres kostenfrei, heißt es auf der Website Magento­association.org.

Neun Vertreter der Magento-Community

Neun Vertreter der Magento-Community und zwei Magento-Angestellte bilden die Verwaltung. Während der Gründungsphase im vergangenen Jahr half die US-amerikanische Rechtsanwaltskanzlei Smith Bucklin mit, den Rechtsrahmen als Non-Profit-Organisation abzustecken. Bezahlt wurde sie von Magento, wie in ­einem Blog-Eintrag vom 27. Februar 2019 auf Magentoassociation.org erwähnt wird.
Es sei nicht ideal, wenn der Großteil der ­finanziellen Unterstützung nur von einem Unternehmen stamme. Deshalb sei es ein Ziel der Association, die Aktivitäten über verschiedene Unternehmen zu finanzieren, nicht nur über ein oder zwei Partner, so die Vertreter der Vereinigung.
Ben Marks, Marken-Evangelist von ­Magento und Sprecher bei der Meet-­Magento-Konferenz im Juni 2019 in Leipzig, forderte die Teilnehmer auf, sich in der Magento Association zu engagieren. ­INTERNET WORLD BUSINESS hat mit Stefan Willkommer, Gründer der Agentur Techdivision und Veranstalter der "Meet Magento", über die neue Magento Association gesprochen.

Warum gibt es die Magento Association?
Stefan Willkommer: Die Magento Association bietet einen Zugang zur Community von Magento, der unabhängig vom Hersteller ist. Sie soll die Stimmen aus der Community und deren Feedback zur Entwicklung von ­Magento aufnehmen. Die bisherige Meet Magento Associa­tion wurde inzwischen in die Magento Association überführt.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie das Feedback der Community von Magento verwertet wird?

Willkommer: Grundsätzlich soll durch die Integration von Community-Mitgliedern in das Board der Association eine Rückkopplung zum Hersteller entstehen. Unabhängig von der Association gibt es aber schon seit längerer Zeit andere Initiativen, wie die Community eingebunden werden kann.

Zum Beispiel?
Willkommer: Es gibt ein eigenes Community Engineering Team, das gemeinsam mit der Entwickler-Community an Neuerungen für Magento arbeitet. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist beispielsweise die Funktion 'Multi-Source Inventory", die mit dem Magento Release 2.3 eingeführt wurde. Das ist ein Beispiel dafür, wie Magento das Feedback von den Entwicklern nutzen kann. Das Multi-Source-Inventory-Projekt beziehungsweise -Feature ist so konzipiert, dass die Lagerverwaltung innerhalb von Magento mehrere Standorte unterstützt. Händler können so ihren tatsächlichen Bestand in Magento auch bei komplexeren Szenarien korrekt abbilden, ohne Erweiterungen oder Anpassungen an der Software vornehmen zu müssen.
Ist Techdivision ebenfalls Mitglied in der Magento Association?
Willkommer: Wir haben uns natürlich auch als Mitglied angemeldet.

Flagge zeigen gegenüber Konzernmutter Adobe

Wie ist sie organisiert?
Willkommer: Die Magento Association hat ihren Sitz in den USA. Über 100 Leute haben sich um eine Position im Board ­beworben. Aus ihnen wurden neun  Board-Mitglieder gewählt, die jetzt für zwei Jahre im Amt sind. Die Community kann die Mitglieder des Boards ansprechen. Das Board hat ­einen direkten Draht zum ­Management von Magento. Die Satzung der Magento Associa­tion ist öffentlich und steht ­online. Interessierte können die organisatorischen Einzelheiten dort jederzeit einsehen.

Ben Marks hat bei der deutschen Meet-Magento-Konferenz dafür plädiert, dass sich Entwickler oder Anwender in der Magento Association engagieren, auch, um gegenüber Adobe, dem ­Eigentümer von Magento, Flagge zu zeigen. Gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen der Open-Source-Entwickler-Community für Magento und dem Großkonzern Adobe?
Willkommer: Nein, ein Spannungsverhältnis nehme ich nicht wahr. Es ist eher so, dass die Magento-Community noch nicht genau einschätzen kann, wie Adobe in Bezug auf Open-Source tickt. Im umgekehrten Fall nehmen wir aber schon ein äußerst großes Interesse von Adobe an der Open Source Community wahr. Dies zeigt sich an der Teilnahme von ­Adobe-Mitarbeitern an Magento-Formaten wie Stammtischen, Hackathons und anderem.

Befürchtet die Entwickler-Community, dass Adobe sie künftig bei der Weiterentwicklung von Magento außen vor lässt?

Willkommer: Nein, die Community ist für Magento von großem Wert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Adobe das über Bord werfen will. Und sie ist auch von strategischer Bedeutung, denn die Community hat einen guten Draht zu mittelständischen Unternehmen. Magento ist ja im Mittelstand zu Hause, Adobe aber nicht. Adobe will den Mittelstand ­adressieren. Das gelingt insbesondere auch über die Magento-Community, über die man einen zusätzlichen und direkten Zugang hat. Darüber ­hinaus ist es mittlerweile auch so, dass Kundenanforderungen durch den Software-Hersteller alleine häufig nicht mehr abgebildet werden können. Insofern ­machen wir uns hier überhaupt keine Gedanken, eher im ­Gegenteil.



Das könnte Sie auch interessieren