Service Provider werden zu Technologie-Lieferanten

Verknüpfung mit Offline-Kundendaten ist das Thema der Zukunft

Ein Beispiel: der "Connected POS", eine Erweiterung für bestehende Kassensys­teme. Das Gerät wird an zentraler Stelle an das Kassensystem eines Einzelhändlers angeschlossen und ermöglicht beispielsweise die Annahme mobiler Zahlungen oder die Ausgabe von QR-Code-basierten Coupons, die auf dem Kassenzettel auf­gedruckt sind. Über diese Lösung hat ­Wirecard auch Einzelhändler wie etwa Rossmann an die chinesische Mobile-Payment-Lösung Alipay angebunden. Touristen aus China können damit in der Drogeriemarktkette bezahlen.
Das zeigt, wohin die Reise geht: Da ­Alipay über eine große Menge von Kundendaten verfügt, können die Käufer sehr gezielt angesprochen werden. So weist die Alipay-App ihnen auch in Deutschland den Weg zum Lieblingsprodukt, gewährt Kaufanreize oder übersetzt bei Bedarf auch die Speisekarte. Mit seiner Mobile Wallet "Boon" will Wirecard Händlern Ähnliches ermöglichen.

"Einkaufsprozesse werden neu definiert"

Die Verknüpfung von Kundendaten und deren Analyse ist für Wirecard das Thema der Zukunft: "Die Einkaufsprozesse werden neu definiert und kontrolliert", ist sich Eichinger sicher. Daher hat Wirecard ­ergänzend seine "ePos Suite" auf den Markt gebracht, ein Analysetool für Payment-Daten aus der Online-und Offline-Welt. Die Einbindung von künstlicher ­Intelligenz, wie sie heute - auch von Wirecard - schon vielfach im Risikomanagement genutzt wird, steht dabei ganz oben auf der Agenda. "Payment-Daten sagen viel über den Verbraucher aus. Wir können unseren Kunden damit konkrete Empfehlungen zur Optimierung ihrer ­Geschäftsprozesse liefern", so Eichinger.

Hinter solchen Angeboten steht jahrelange Entwicklung. Wirecard versteht sich schon lange nicht mehr als reiner Payment Service Provider, sondern vielmehr als global agierender Technologie-Konzern. Mehr als die Hälfte der rund 4.000 Mitarbeiter ­arbeitet im Bereich Research & Development. "Unsere DNA ist die technologische Entwicklung, nicht das Bankwesen. Wir experimentieren viel, sei es in Richtung Internet of Things oder auch Wearables", betont Eichinger. Dabei ist im Anfangsstadium meist offen, was aus einem interaktiven Verkaufsregal mit Self-Checkout oder einem smarten Armband mit Ticket- und Bezahlfunktion tatsächlich wird. 

Bezahlen rückt immer mehr in den Hintergrund

Klar ist für Eichinger, dass Bezahlen in der Zukunft für den Käufer immer mehr in den Hintergrund rücken wird. Gleichzeitig wird die Technologie dahinter immer mehr programmier- und schnittstellenbezogen sein, sodass es egal sein wird, ob die Abwicklung über einen Chatbot, einen smarten Lautsprecher oder den Bordcomputer im Auto läuft. Hauptsache, sie läuft.
Wie spannend das Bezahlen mit Chatbots sein könnte, zeigt ein Zukunftsszenario: Drei Freunde verabreden sich über einen Messenger zu einem gemeinsamen Konzertbesuch, suchen mithilfe eines Chatbots eine Band aus, die allen gefällt, checken über einen weiteren Chatbot die Location, Auftrittstermine und verfügbare Karten, bestellen und bezahlen die Tickets dann auch gleich über einen Chatbot im Messenger.



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