Mobile Performance 19.05.2016, 08:05 Uhr

Tempo, Tempo: Auch Mobile zählt die Ladezeit

Wer mit dem Smartphone shoppt, will genauso wenig warten wie zu Hause am PC. Ist der Shop lahm, ist der Kunde schnell weg. Deswegen lohnt ein Blick auf die Mobile Performance des Shops.
(Quelle: Shutterstock.com / style-photography)
Der Bus hat mal wieder Verspätung, Langeweile macht sich breit. Also schnell das Handy gezückt und noch eben das Geburtstagsgeschenk für die Freundin bestellt. Doch schon macht sich die nächste Enttäuschung breit: Schier endlos rotiert die Ladesonne auf dem Bildschirm, es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Mobile Shop lädt. Frustriert steckt der potenzielle Käufer sein Gerät wieder ein und wartet weiter - aber nur noch auf den Bus.

Denn: Warten auf die Shop-Seite kommt für die meisten Nutzer nicht infrage. Dauert es länger als fünf Sekunden, bis sich auf dem Bildschirm etwas tut, ist ein Fünftel der potenziellen Kunden schon weg, wie eine Erhebung von Kissmetrics ergeben hat. Braucht die Seite zehn Sekunden, ist ein weiteres Drittel der Kunden verloren, insgesamt also die Hälfte der Nutzer. Mit ihnen schwindet auch Umsatz. Eine um eine Sekunde längere Ladezeit kann die Conversion Rate um sieben Prozent nach unten drücken, so die Studie.

Surfer warten kaum länger als drei Sekunden

Doch es gibt noch weitere negative Auswirkungen: "Da Google im Ranking der Suchergebnisse die Seitenladezeiten mit einbezieht, haben lange Ladezeiten auch Einfluss auf das Google Page Ranking und führen dazu, dass der Shop an Sichtbarkeit verliert", betont Sebastian Wernhöfer, Managing Director der Agentur Mzentrale. Außerdem wirkt sich das Shop-Tempo auf das gesamte Einkaufs­erlebnis aus sowie auf die Einstellung, die der Nutzer gegenüber dem Shop hat: "Die Lade­geschwindigkeit ist elementar für das Vertrauen in den Shop. Eine vernünftige Performance sorgt für dieses Vertrauen", ist sich Christian Grötsch, Geschäftsführer der Agentur Dotsource, sicher.
Seiner Erfahrung nach tolerieren die Kunden eine Ladezeit von rund drei ­Sekunden. Danach brechen 65 Prozent den Einkauf ab. Mehr als fünf Sekunden sollte auch ein mobiler Nutzer nicht auf den Shop warten müssen. "Zumindest sollte er dann das Gefühl haben, die Seite sei geladen", konkretisiert Markus ­Klöschen, Head of SEO bei der Agentur Diva-e Digital Value Enterprise. Das heißt, die Elemente in Sichtfeld sollten geladen und auch bedienbar sein.

Selbsttest verrät lahme Mobile Shops

Doch wie lässt sich die Performance des Mobile Shops erfassen? Klöschen rät, den eigenen Shop selbst regelmäßig mobil zu nutzen, und zwar so, wie es ein Kunde tun würde. Dadurch bekomme man schon ein recht gutes Gefühl dafür, wie sich der Shop dem Kunden gegenüber darstelle. "Fangen Sie an, sich ernsthaft mit Ihrem mobilen Shop zu befassen. Denn Ihre Nutzer tun dies bereits", mahnt er an.
Zusätzlich gibt es Tools zur Messung der mobilen Performance. Neben Google Analytics - dort können mobile Nutzer als zusätzliches Segment hinzugefügt werden, sodass die mobile Ladezeit angezeigt wird - empfiehlt sich der Einsatz des Google-Tools Pagespeed Insights. Es enthält einen Katalog von Kriterien, deren Einhaltung für die Geschwindigkeit wichtig ist, und zeigt an, in welchen Bereichen optimiert werden sollte. "Page­speed Insights ist ein gutes Tool zum Einstieg. Es zeigt Flaschenhälse wie mangelnde Komprimierung und liefert gleich Verbesserungsvorschläge", sagt Wernhöfer. Auch Oliver Elbert, geschäftsführender Gesellschafter der Agentur Kundenbürohh, hält das Tool für eine gute Lösung für den Start in die Mobile-Optimierung. Er führt als positiven Nebeneffekt an, dass das kostenlose Tool auch erste Hinweise für eine Verbesserung der User Experience bietet. So liefere es beispielsweise Informationen über mobil gut lesbare Schriften oder die optimale Größe von Links und Buttons.

Tools helfen bei der Ladezeit-Optimierung

Ein Allheilmittel ist das Google-Tool aber nicht: "Die eigentliche Performance der Seite kann Pagespeed Insights aber nicht messen", betont Michael Märtin, Geschäftsführer der Agentur Atlantis Media. So könne eine Seite nahezu alle Prüfkriterien erfüllen, wenn dahinter jedoch ein langsamer Server stehe, sei die Performance der Seite im Aufbau und der Reaktionszeit schlecht - trotz guter Wertung.
Auch Markus Klöschen hat die Erfahrung gemacht, dass das Tool "bei der maximalen Optimierung nicht zwingend die besten Empfehlungen gibt". Deswegen empfiehlt er das ebenfalls kostenlose Werkzeug "Webpagetest". Es gebe Aufschluss über die Ladezeit und das Ladeverhalten einer Seite im mobilen Netz und liefere Hinweise zur Verbesserung.
Märtin setzt auf das kostenlose Tool "Openspeed Monitor" und die kostenpflichtige Lösung "Dareboost" des gleichnamigen französischen Start-ups. Diese sei nicht nur speziell für die Performance-Messung ausgelegt, sondern analysiere auch Sicherheitseinstellungen und SEO-Anforderungen. Sie kostet 99 Euro im Monat.
Für Christian Grötsch sind die Lösungen "Pingdom" und "GT Metrix" interessant: Pingdom messe die Ladezeit der Seite direkt und könne auch die Up- und Downtimes einer Seite tracken. Der Einstiegspreis liegt bei 11,95 Euro im Monat. An GT Metrix schätzt Grötsch die konkreten Handlungsempfehlungen. Die Lösung gibt es kostenlos im Test und in einer ­Basic-Version, die Pro-Versionen sind ab 14,99 US-Dollar im Monat erhältlich.




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