Die dunkle Seite des Webs 17.05.2017, 15:45 Uhr

Das müsst ihr über das Darknet wissen

Wie sieht der kriminelle Untergrund des Internet aus? Der Sicherheitsforscher Marc Ruef ist dem Phänomen Darknet auf der IT-Security Inside #17 in Zürich auf den Grund gegangen.
(Quelle: shutterstock.com/guteksk7)
Im Zusammenhang mit Hackern und Cyberkriminellen ist immer wieder vom Darknet die Rede, doch worum handelt es sich dabei und was passiert auf der dunklen Seite des Internets? Dieser Frage ist Marc Ruef, Leiter von Titanium Research, der Forschungsabteilung des Züricher Scip, und Penetration-Testing-Experte an der Fachveranstaltung Inside #17 der Sicherheitsfirma Avantec nachgegangen.
Zumeist werden Drogen über das Darknet gehandelt.
Quelle: Avantec
Doch wo beginnt eigentlich das Darknet? Laut Ruef zählen sogenannte "Friend-to-friend"-Netze zum Darknet. Denn in diese gelange man nur, wenn man den entsprechenden Personenkreis kenne. "Zudem müssen hier Einbußen an Ergonomie in Kauf genommen werden", erläutert er. Hier sei nämlich niemand unterwegs, der keine kriminellen Intentionen habe. "Denn solche Netze sind langsam, instabil und ganz generell kein Vergnügen", so Ruef.
Des Weiteren gehörten exklusive Foren zum Darknet, in die man nur durch Einladung gelange. Gleiches gelte für temporäre Chat-Server. Auch hierhin kommt man nur durch persönliche Vertrauensbeziehungen.

Hauptsächlich Drogenhandel

Besonders rege wird das Darknet laut Ruef für den Drogenhandel genutzt. Gut 15 Prozent der Aktivitäten werden hier verzeichnet. Dabei sind wohl alle bekannten Drogen und Medikamente auf entsprechenden Marktplätzen im Darknet erhältlich. Daneben dient das dunkle Netz dem Waffenhandel und als spezielle "Dienstleistungszentrale", in der unter anderem auch Auftragsmorde erhältlich seien. Weitere Bereiche des Darknets "beschäftigen" sich mit Pornografie jedweder Ausprägung, illegal kopierter oder veränderter Software sowie raubkopierter Filme und Musik.

iOS-Exploits werden am teuersten gehandelt

Interessant für IT-Security-Spezialisten ist allerdings, was im Darknet in Sachen Daten- und Exploit-Handel abgeht. Hier sei ein ausgeklügelter Markt entstanden, so Ruef, in dem auch Online-Identitäten gehandelt würden. So koste der Scan eines Passes 38 US-Dollar. Eine gestohlene, physische Kreditkarte samt PIN gehe hingegen für 80 US-Dollar über den Darknet-Tresen, nur für die Kreditkartennummer ohne Details werden lediglich 60 Cent geboten.
Das Geschäft mit Sicherheitslücken boomt im Darknet.
Quelle: Avantec
Richtig teuer wird es beim Handel von Exploits, also noch unbekannten Sicherheitslücken, deren automatische Funktionsweise aber unter Beweis gestellt wurde. Auch hier würden marktwirtschaftliche Prinzipien herrschen, so Ruef. So gibt es Lücken in Programmen, die tendenziell billiger werden. Zu diesen zählen etwa Exploits für Adobe Acrobat und Flash, aber auch Java-Lücken werden in Zukunft günstiger zu haben sein. Billig sind aber auch diese Löcher nicht: Zwischen 40.000 und 100.000 US-Dollar wird für eine Java-Lücke bezahlt. Richtig ins Geld können Windows-Exploits gehen. Hier werden bis zu einer Viertel Million US-Dollar fällig, Tendenz steigend.
Immer populärer werden laut Ruef zudem Sicherheitslücken für Browser. Doch die Trophäe holt sich das Smartphone-Betriebssystem Apple iOS. Unter 100.000 US-Dollar sei hier kein Exploit zu haben, berichtet Ruef. Und es werden mittlerweile Höchstpreise von einer Million US-Dollar geboten, Tendenz auch hier steigend. "Wir wissen nicht, wann das aufhört, schätzen aber, dass bis im nächsten Jahr zwei Millionen US-Dollar für einen iOS-Exploit bezahlt werden könnten", schätzt Ruef. Für ihn ist deshalb auch klar, wer die Kunden derart teurer Exploits sind: "Meist kaufen Nachrichtendienste diese."



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