Transparency & Consent Framework
11.06.2018, 11:28 Uhr

Was sind Consent Management Provider und wer braucht sie?

Die an Abkürzungen reiche Welt des digitalen Marketings hat seit Kurzem ein Kürzel mehr - CMP. Was versteht man unter Consent Management Provider und wer benötigt sie?
(Quelle: Shutterstock.com / Lightspring )
Der Branchenverband IAB Europe hat mit seinem Transparency & Consent Framework eine neue Lösungskategorie eingeführt: Consent Management Provider. Wozu dienen die Tools und welche Unterschiede gibt es?

Was ist ein Consent Management Provider?

Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und künftig auch mit der E-Privacy-Verordnung werden neue Vorgaben für das Setzen von Cookies und für andere Tracking-Technologien wirksam. Nutzer müssen darüber informiert werden, für welche Zwecke ihre Daten erhoben und von wem sie verarbeitet werden. Zudem muss ihnen die Möglichkeit gegeben werden, die Einwilligung zu verweigern ("Opt-out"). Consent-Management-Lösungen sollen genau das leisten: die Zustimmung für die Nutzung von Cookies abzufragen, zu dokumentieren und zu verwalten.
Der Branchenverband IAB Europe hatte im April 2018 das Transparency & Consent Framework veröffentlicht. Es soll das Einholen der Einwilligung branchenweit standardisieren und die Information, ob ein Nutzer eingewilligt hat oder nicht, entlang der Auslieferungskette von digitaler Werbung mitliefern. Schließlich sind inzwischen viele Werbetechnologie-Dienstleister an der Ausspielung eines Werbemittels beteiligt und sie alle benötigen die Information, ob eine Einwilligung vorliegt oder nicht.
Ein Consent Management Provider (CMP) bietet eine Lösung, mit der Werbungtreibende und Webseitenbetreiber, also auch Online-Händler, die Zustimmung der Nutzer einholen können, ob ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden dürfen. Dazu erscheint auf der Webseite ein Pop-up-Fenster mit dem Hinweis, dass Daten erhoben werden. Es bietet die Möglichkeit, die Zustimmung für verschiedene Verarbeitungszwecke und Werbetechnologie-Firmen zu erteilen oder nicht. "Ein CMP sorgt unter anderem für ein rechtskonformes Management dieses Einverständnisses sowie den Abgleich mit anderen Partnern innerhalb der digitalen Wertschöpfungskette", erklärt Peter Potthast, Country Manager DACH bei Conversant Media.
CMP, die auf dem Framework des IAB Europe basieren, ermitteln, ob ein Nutzer zugestimmt hat sowie für welche Zwecke und welche Anbieter (Vendoren). Daraus wird ein "Consent-String" generiert und in ein Cookie gepackt. Andere CMP können dann auslesen, ob bereits eine Einwilligung dieses Users vorliegt.
Jedes Unternehmen, das mit seinem Webauftritt europäische Nutzer erreicht und darüber Nutzerdaten erhebt – zum Beispiel über ein Analytics-Tool, für Retargeting-Zwecke oder mit einem Social-Media-Widget –, benötigt ein Consent-Management-Tool. Die Notwendigkeit für ein aktives Opt-in der Nutzer wird in Deutschland zwar von Publishern noch etwas anders interpretiert als in anderen europäischen Ländern. Doch Experten gehen davon aus, dass spätesten mit der Umsetzung der E-Privacy-Verordnung auch deutsche Publisher nicht mehr um ein "hartes" Opt-in, also eine aktive Einwilligung, herumkommen werden.

Wie unterscheiden sich die Lösungen?

Consentmanager.de rechnet volumenbasiert ab
Es gibt kostenpflichtige und kostenlose Einwilligungslösungen. Anbieter von kostenpflichtigen Tools sind unter anderem Consentmanager.de des schwedischen Unternehmens Jaohawi, Faktor.io aus den Niederlanden, Didomi aus Frankreich und Usercentrics aus Deutschland. SAP nennt seine Einwilligungsmanagement-Lösung "SAP Customer Consent". Sie ist Teil der Customer Data Cloud.
Axel Springer nennt seine Einwilligungslösung "OIL"
Kostenlose Tools stammen unter anderem von Quantcast und Conversant. Gerade hat der Medienkonzern Axel Springer bekannt gegeben, dass er eine Einwilligungs- und Transparenz-Software entwickelt hat und diese anderen Unternehmen kostenlos als Open-Source-Lösung zur Verfügung stellt. Die Software ist noch im Beta-Stadium, aber bereits funktionsfähig. Mehr Informationen zur Implementierung gibt es unter dem Link https://oil.axelspringer.com. Das Release ist für den 18. Juni 2018 ­geplant.
Jan Winkler, Geschäftsführer von Jaohawi und Anbieter des Tools Consentmanager.de, meint, dass die Funktionen der kostenlosen Tools in der Regel eingeschränkt seien, zum Beispiel darin, welche Sprachversionen angeboten werden. „Man sollte darauf achten, ob das Fenster an das Design des Unternehmens angepasst werden kann“, empfiehlt er. Zudem sei es wichtig zu berücksichtigen, wie groß das Pop-up-Fenster ist, denn wenn es zu groß ist, verlassen viele Besucher die Seite wieder.
Eine kritische Frage für den Erfolg des IAB Transparency & Consent Framework ist, ob Google, beziehungsweise die Werbetechnologie-Tochter Doubleclick, es unterstützen wird. Das war bis vor kurzem noch unklar. Auf Nachfrage bestätigt Google, dass das Unternehmen inzwischen an einer Lösung arbeitet, die mit dem IAB Framework kompatibel ist. Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis die technischen Details ausgearbeitet sind. Voraussichtlich im August soll es so weit sein.



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