Kollege Roboter 12.04.2017, 14:45 Uhr

Wem nutzt die Digitalisierung in der Fabrik?

Jobkiller oder Wandel? Roboter nehmen im Rahmen von Industrie 4.0 mehr und mehr Tätigkeiten in Produktionsstätten ein. Arbeitsplätze sollen dabei allerdings nicht verloren gehen, sondern umgelagert werden.
(Quelle: Phonlamai Photo / Shutterstock.com )
Der Kollege - ein Roboter, die Dienstbesprechung am Morgen - ein Online-Formular auf dem Tablet, die Einstellung der Maschine - ein Knopfdruck. Ist von Industrie 4.0 und Digitalisierung die Rede, wird schnell ein Drohszenario beschworen: Die menschenleere Fabrik. 2016 prognostizierte eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) bis 2020 den Verlust von mehr als fünf Millionen Jobs weltweit. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab hingegen Entwarnung: Nicht weniger, sondern andere Jobs seien die Folge. Sind Roboter und Software in Fabriken also Jobkiller oder nur ein großer Wandel?
Selbst Gewerkschafter räumen positive Seiten ein: "Bei allen Befürchtungen, die auch nicht unbegründet sind, gibt es auch Vorteile", sagt der Landesbezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Aufgaben in ungünstigen Körperhaltungen könnten durch Roboter unterstützt oder übernommen werden. "Wenn Menschen körperliche Einschränkungen haben - durch langes Arbeiten oder eine Behinderung -, können Roboter helfen."

Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand

Beim Maschinenbauer und Automatisierungsexperten Pilz mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart arbeitet man an solchen Szenarien. "Ein Beispiel ist die Schallisolierung an Autotüren", erklärt Jochen Vetter, der bei Pilz für die Sicherheit zuständig ist, wenn Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten. Die Isolierung werde mit einem fünf Kilogramm schweren Roller angeklebt. "Diese Aufgabe kann nun ein Roboter übernehmen." Möglich wird das durch bewegungsempfindliche Roboter, die ohne Schutzzaun eingesetzt werden können. "Bei einem Kontakt bleibt der Roboter dann stehen", erklärt Vetter.
Der Pumpen- und Pneumatikspezialist Festo setzt den Roboter "Uschi" ein, der Dichtringe verarbeitet. Ein monotoner Arbeitsgang, der früher einhundert Mal pro Tag mit einer Fußschaltung von einem Mitarbeiter erledigt werden musste und eine besondere Belastung für die Schultern darstellte, sagt eine Sprecherin. Die Mitarbeiter hätten nun neue Aufgaben.
Auch ABB hat solche Roboter entwickelt, die mit Menschen Hand in Hand arbeiten können. "Der Roboter übernimmt stupide repetitive, aber auch körperlich anstrengende Aufgaben", sagt der Chef der Robotersparte, Sami Atiya. "Sobald der Mensch in die Nähe kommt, wird der Roboter langsamer, dann stoppt er vollständig, so dass der Mensch ihm gefahrlos ein Werkstück übergeben kann." Der Roboter - nicht etwa der Mensch - werde damit immer mehr zur verlängerten Werkbank.



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