Das sind die schlimmsten Bugs der Geschichte

Pentium-Bug: Fließkomma-Schwierigkeiten

Wie sich ein eigentlich kleiner Bug zum PR-Fiasko wenden kann, wenn falsch reagiert wird, hat der sogenannte Pentium-FDIV-Bug gezeigt. Der Hardware-Fehler steckte in Pentium-Prozessoren von Intel und kam im November 1994, gut anderthalb Jahre nach der Markteinführung des Computer-Chips, ans Tageslicht. Der Fehler führte bei gewissen, eher seltenen Gleitkomma-Berechnungen zu ungenauen Ergebnissen.
Spürbare Auswirkungen des Fehlers waren im Grunde nur bei sehr komplexen Berechnungen zu erwarten, die zudem eine hohe Genauigkeit erforderten, etwa bei astronomischen Prognosen. Wie sehr der Pentium-Bug den Otto-Normal-PC-Anwender betraf, war zunächst umstritten. Bei vielen Standardanwendungen wurden Gleitkomma-Ein­heiten ignoriert, da viele CPUs damals gar keine besaßen. Intel ging daher davon aus, dass der Fehler statistisch gesehen bei Normalanwendern nur einmal alle 27.000 Jahre auftreten könne. Diese Angabe wurde allerdings von diversen Experten infrage gestellt. Zudem sah IBM eine Chance, die hauseigenen PowerPC-CPUs zu propagieren, und kündigte medienwirksam den Auslieferungsstopp von Rechnern mit Pentium-Prozessor an.
Um das PR-Fiasko zu vervollständigen, gab Intel zunächst zu verstehen, die fehlerhafte CPUs nur bei jenen Anwendern auszutauschen, die nachweisen konnten, dass sie tatsächlich von fehlerhaften Gleitkomma-Berechnungen betroffen seien. Erst nach massivem öffentlichem Druck und nachdem Pentium-Witze wie "2,0000000000 + 2,0000000000 ist nicht gleich 3,999998456?" kursierten, lenkte Intel ein und startete ein umfassendes Umtauschprogramm. Insgesamt musste der Chipriese fast eine halbe Milliarde US-Dollar für die Fehlerbehebung aufwenden, den Imageschaden nicht mit eingerechnet.

Mariner 1: Der teuerste Bindestrich

1962, als die USA und ihre Raumfahrtbehörde Nasa durch den Erfolg der Sowjetunion mit ihrem ersten Satelliten Sputnik schon unter massivem Erfolgsdruck standen, musste das Weltraumprogramm eine weitere Niederlage einstecken: Der Start der Raumsonde Mariner 1, die den Planeten Venus erkunden sollte, missglückte. Schon Minuten nach dem Abheben der Trägerrakete konnte diese den vorgegebenen Kurs nicht halten. Auch fieberhaft gefunkte Korrekturprogramme nützten nichts. Als die Rakete Schiffe im Atlantik bedrohte, zogen die Mitarbeiter im Kontroll­zentrum die einzig richtige Konsequenz und sprengten die Mariner 1 samt Trägerrakete in die Luft.
Die Untersuchung nach dem Desaster ergab, dass bei der Eingabe des im Original handgeschriebenen Steuerprogramms für den Antrieb ein Tippfehler passierte. Ein Bindestrich wurde übersehen und führte dazu, dass das Steuer­programm mit falschen Messwerten gefüttert wurde. Wie Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke in seinem Sachbuch "Unsere Zukunft im Weltall" treffend formulierte, hatte die Mission so "durch den teuersten Bindestrich der Geschichte Schiffbruch erlitten".



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