Wie Bots Marketing und E-Commerce verändern

Wie Bots lernen und beim Geldverdienen helfen

Doch nicht nur die Abhängigkeit von den Weiterentwicklungen der großen Player war für Jobmehappy-Entwickler Mayer der Grund, sich selbst an die Arbeit zu ­machen. Er ist sich sicher, dass Facebook langfristig den eigenen Messenger in Kombination mit den Bots zu einem kostenpflichtigen Geschäftsmodell ausweiten wird.
Deshalb setzt er auf ein eigenes Konzept, mit Erfolg. Schon am ersten Tag kamen 700 Anfragen über den Jobmehappy-Bot rein. Mittlerweile sind es mehrere Tausend am Tag. "Zehn Prozent der Nutzer regis­trieren sich für den Job-Alert", sagt Mayer stolz. Das heißt, jeder zehnte Besucher des Chats ist bereit, Push-Mitteilungen im Messenger zu erhalten. Eine Conversion-Rate, von der jeder Betreiber eines E-Mail-Newsletters nur träumen kann.
Damit diese Quote gehalten und auch die Zufriedenheit der Nutzer garantiert werden kann, ist es essenziell, dass der Bot seine Fähigkeiten erweitert beziehungsweise diese erweitert werden. Der erste Impuls geht dabei immer von menschlicher Seite aus oder, wie es Max Orgeldinger ausdrückt: "Der Programmierer muss den Bots beim Lernen helfen."
Der Mensch muss dem technischen Assistenten Regeln vorgeben, nach denen der Bot anschließend handelt. Eine solche Anweisung könnte beispielsweise lauten: Scanne die Nachricht nach Ortsangaben und Berufswünschen. In einem nächsten Schritt könnten etwa Synonym-Datenbanken ins System eingespeist werden, die dem Bot dabei helfen, neue Wörter zu lernen. Im Falle von Jobmehappy heißt das konkret: Der Bot versteht nicht nur "Job", sondern auch "Festanstellung", "Arbeit" und andere verwandte Wörter. Dieser Lernprozess läuft vollkommen unabhängig von menschlichen Einflüssen ab. Das heißt, nicht einmal Schöpfer Florian Mayer weiß, welche Synonyme sein Bot bereits kennt.
Trotz der Abhängigkeit vom Menschen ergeben sich durch Bots in ihrer einfachsten Ausprägungsform bereits jetzt neue Marketing- und Kommunikationspotenziale. Anmelde- und Bestätigungsabläufe wie die Aufnahme oder das Löschen aus einem E-Mail- oder Nachrichtenverteiler können problemlos von Bots übernommen werden. Das Gleiche gilt für die Verbreitung von Content. Sobald sich der Nutzer mit einem Newsbot in Verbindung gesetzt und seine Wünsche geäußert hat, kann der technische Helfer automatisiert zum Beispiel die Inhalte eines Publishers oder die Prospekte und Angebote ­einer Marke an den Kunden bringen.
Problematisch wird es erst, wenn es über klar definierte Abläufe und einfache Strukturen hinausgeht. Dann versagen Bots regelmäßig. Das hat der Versuch von Versicherungscheck24 (siehe S.3) ebenso gezeigt wie die verzweifelte Suche von Max Orgeldinger: "Ich habe noch keinen Bot gefunden, der meinen News-Konsum vereinfacht." Deswegen richtet er die Bitte an alle Unternehmen, nicht vorschnell zu handeln: "Man sollte nichts verschlimmbessern, nur um einem Hype zu folgen."



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