So funktioniert die Blockchain

Clearingstelle als Mittelsmann …

Bereits die anfängliche Überprüfung meiner Fahrberechtigung würde erfordern, dass man aus München auf den Datenbestand in Köln zugreifen kann. Und da natürlich jemand mit einer Monatskarte in München auch in Köln fahren möchte, muss das auch andersherum möglich sein. Außerdem möchte man vielleicht nicht nur in München oder Köln fahren, sondern auch in Hamburg, Berlin und so weiter. Kurzum: Immer nur einen bidirektionalen Datenzugriff zwischen zwei Verkehrsbetrieben einzurichten sprengt den Rahmen des Machbaren.
Transparenz: Sind alle Transaktionen für die Beteiligten transparent, kann die Clearingstelle als Mittelsmann entfallen.
Heute behilft man sich in solchen Szenarien üblicherweise dadurch, dass man sogenannte Clearingstellen einsetzt, die die notwendigen Daten regelmäßig über definierte Schnittstellen von allen beteiligten Stellen einsammeln und dann wiederum an alle Stellen bedarfsgerecht verteilen. In unserem Beispiel der Verkehrsbetriebe würde also die Clearingstelle die Fahrtberechtigung prüfen, anschließend den Datensatz über die durchgeführte Fahrt speichern und dann zum Beispiel am Monatsende das Geld zwischen allen Verkehrsbetrieben aufteilen.
Wenn nun ein neuer Verkehrsbetrieb seine Dienste anbieten möchte, dann muss er nicht mehr die Schnittstellen mit allen anderen Unternehmen austauschen, sondern sich nur der Clearingstelle anschließen. Diese Clearingstelle genießt dabei das Vertrauen aller beteiligten Unternehmen, das heißt, sie stellt sicher, dass die dort verwalteten Daten auch korrekt sind, also zum Beispiel kein Abrechnungsbetrug möglich ist. Dazu führt sie eine Kopie der Daten, die für Abrechnung und Koordination benötigt werden. Solche Datenkopien haben natürlich den Nachteil, dass dezentral gespeicherte Daten konsistent gehalten werden müssen, die Datenbanken auch wieder abzusichern sind, separate Verfahren zur Einhaltung des Datenschutzes umgesetzt werden müssen und so fort.

… oder zentrale Datenbasis

Ein Ansatz, diese Komplexität in den Griff zu bekommen, wäre es, wenn alle Verkehrsbetriebe nicht mehr verschiedene Datenbanken nutzen würden, sondern alle auf eine zentrale Datenbasis zugreifen würden. Selbstverständlich könnte man den gesamten Datenbestand unterteilen, sodass meine persönlichen Kontodaten beispielsweise nur bei meinem Verkehrsbetrieb liegen und alle Fahrberechtigungen und getätigten Fahrten pseudonymisiert in einer gemeinsamen, großen Datenbank abgelegt werden. Statt also viele einzelne Datenbanken mit unterschiedlichen Datenständen zu haben, nutzen immer alle die gemeinsame Datenbank.
Quelle: Statista 2017
Die regelmäßige Synchronisation von Daten zwischen den einzelnen Stellen würde nun entfallen und damit auch die Komplexität, die mit der doppelten Datenhaltung einhergeht. Da immer alle die Datenbank der anderen Verkehrsbetriebe einsehen können, kann außerdem eine regelmäßige "Buchprüfung" aller beteiligten Unternehmen durchgeführt werden, sodass der Abrechnungsbetrug untereinander dadurch verhindert wird, dass alle Beteiligten jederzeit in die Bücher der anderen gucken könnten. Wenn ein neuer Verkehrsbetrieb hinzukommt, muss er sich nicht mehr mit allen anderen Beteiligten einzeln auseinandersetzen und Schnittstellen aushandeln, sondern er kann sich einfach der Datenbank anschließen.
Wenn nun alle die gleiche Datenbasis besitzen, kein Datenaustausch mehr nötig ist und das Vertrauen dadurch entsteht, dass jeder jederzeit alle Transaktionen auf Korrektheit prüfen kann, dann kann man sich die Frage stellen, wozu man überhaupt noch die Clearingstelle als Mittelsmann braucht. Die intuitive Antwort darauf lautet: Irgendwer muss ja auch diese zentrale Datenbank betreiben und koordinieren. Die Antwort könnte aber auch lauten: Die Clearingstelle braucht man gar nicht mehr, wenn die zentrale Datenbank eine Peer-to-Peer-Datenbank wäre, bei der keinem die Datenbank allein gehört, sondern jeder Teilnehmer zu jeder Zeit eine vollständige, konsistente Kopie der Daten hat.

Patrick Schidler
Autor(in) Patrick Schidler



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