Verifycar 24.04.2019, 13:37 Uhr

Wie BMW mit der Blockchain gegen Betrug beim Autokauf vorgeht

BMW hat in Zusammenarbeit mit dem Blockchain-Start-up VeChain einen digitalen Ausweis für Fahrzeuge entwickelt. Die ID nimmt Kennwerte wie den Tachostand manipulationssicher auf und hilft dadurch, Betrug beim Autokauf zu entlarven.
(Quelle: shutterstock.com/Karl Ahnee )
Auf dem VeChain Summit 2019 in San Francisco erläuterte Cihan Albay, IT Innovation Management Asia Pacific bei BMW Group Asia, wie sich der Münchner Autobauer den praktischen Einsatz der Blockchain-Technologie vorstellt. Neben potenziellen Einsatzszenarien hat der Konzern mit Verifycar auch eine sehr praxisnahe Lösung präsentiert, die schon bald Manipulationsversuche auf dem Gebrauchtwagenmarkt vereiteln könnte.
Die Münchner fokussieren sich bei der Entwicklung neuer Blockchain-Lösungen auf die Bereiche Mobility, Supply Chain und Customer. Im Bereich Mobility ist unter anderem das Service-Angebot von BMW mit DriveNow, ParkNow oder ChargeNow angesiedelt. Die Blockchain ermöglicht in diesem Bereich, neue Usecases zu schaffen wie etwa Sharing-Dienste für private Nutzer. Dem Vorbild von Airbnb folgend könnten BMW-Besitzer ihr Fahrzeug für die Zeiträume am Tag freigeben, in denen sie ihr Auto nicht benötigen. Ebenfalls ein möglicher Lösungsansatz ergibt sich beim Autonomen Fahren. Wenn selbstfahrende E-Autos autonom eine Ladestation ansteuern, könnte über die Blockchain die Kommunikation von Auto und E-Zapfsäule geregelt werden.
Im Bereich Supply Chain ist vor allem ein nahtloses Tracking von Bauteilen in der Lieferkette sowie ein smartes Dokumenten-Management für den Autobauer interessant. So lassen sich mit Letzterem etwa wichtige Unterlagen sicher über die Blockchain weiterleiten, teilen und gleichfalls verifizieren.

Verifycar

Beim Thema Customer soll die Blockchain für Finanzdienstleistungen und Kundentreueprogramme zum Einsatz kommen sowie zum Verifizieren von Fahrzeugdaten. Zusammen mit dem Blockchain-Start-up VeChain haben die Münchner die Lösung Verifycar entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Blockchain-gestützte ID für Fahrzeuge. Mit der Technologie sollen Manipulationen auf dem Gebrauchtwagenmarkt verhindert werden.
Laut BMW ist bei einem Drittel aller in Deutschland gehandelten Gebrauchtwagen der Tachostand zu Gunsten des Verkäufers angepasst worden. Im Mittel ergibt sich daraus ein Schaden von rund 3.000 Euro für den Käufer. Auch BMW-Händler können diese Manipulationen nicht immer aufdecken und geben dadurch den Schaden an die Kunden weiter. Hier setzt Verifycar an. Der digitale Ausweis für Fahrzeuge nimmt alle Daten wie Kilometerstand, Reparaturen und Service-Dienste auf und speichert diese manipulationssicher in der Blockchain ab. Die Daten werden über die ohnehin in den Fahrzeugen verbauten Mobilfunkmodems an BMW gesendet und verifiziert. Die Informationen aus Verifycar sollen dann mit Werkstätten, Versicherern, Banken und anderen Partnern geteilt werden. Ein erster funktionsfähiger Prototyp der Lösung wird bereits getestet. Wann Verifycar final an den Start gehen soll, hat der BMW-Manager nicht bekanntgegeben.
Cihan Albay, IT Innovation Management Asia Pacific bei BMW Group Asia, auf dem VeChain Summit 2019 in San Francisco

Keine Blockchain zum Selbstzweck

Für die finale Adaption der Blockchain in verschiedenen Lösungen müssen einige Kriterien erfüllt sein, wie Albay bei seinem Vortrag ausführt. So sei die Verwendung der Technologie nur sinnvoll, wenn es auch zu einem Austausch von Daten mit anderen Organisationen und Partnern komme. Denn genau hier spielt die Technologie ihre Stärken aus. Ebenfalls notwendig sei der Bedarf eines Verifizierungsprozesses, ansonsten könnten die Daten auch über herkömmliche Techniken transportiert werden. Zu guter Letzt muss die Lösung natürlich auch einen lukrativen Mehrwert für BMW liefern und der Unternehmensstrategie folgen.



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