Big Player sollen User für ihre Daten bezahlen

Vorteile fürs Marketing

Gemeinschaft: Das Procivis-Team ist in der Zürcher Bahnhofstraße zu Hause – und entwickelt neben der Vetri-Plattform eine eigene E-ID-Lösung.
Quelle: Vetri
Petitjean zufolge kann die Plattform ihren Zweck in Bereichen erfüllen, in denen Unternehmen von Vermittlern abhängig sind. Zunächst wolle man sich auf das Umfragegeschäft konzentrieren. Hier könne Vetri Unternehmen mit seinen Usern einen Pool an Personen bieten, der sich nach spezifischen Interessen filtern lasse. "So gelangen sie an die richtigen Leute, ohne dafür ein Marktforschungsunternehmen bezahlen zu müssen."
Im Bereich Marketing sieht er ähn­liche Vorteile für Firmen. Durch den direkten Zugang zur relevanten Zielgruppe sollen sie ihre Produkte effizienter bewerben können. Doch auch die User könnten profitieren: "Weil Unternehmen genauer Bescheid wissen über ihre Interessen, bekommen sie ausschließlich Inhalte zu sehen, die für sie auch wirklich interessant sind - sofern sie ihr Profil wahrheitsgetreu und möglichst präzise aufsetzen", erklärt Petitjean. Für ihre Aufmerksamkeit werden sie am Ende von Vetri belohnt. "Persönliche Daten werden so zu einem Asset, das Einkommen schafft", sagt er.

Eine eigene Währung

Für diese neue Asset-Klasse hat Vetri gleich eine eigene Währung kreiert, und zwar in Form des gleichnamigen Blockchain-basierten Tokens. Das Team arbeitet dabei momentan auf der Ethereum-Blockchain, im vergangenen Jahr führte es das Initial Token Offering durch. Laut Petitjean soll das Vetri-Token künftig etwa gegen Gutscheine umgetauscht werden können. Hierfür würden derzeit Partnerschaften aufgegleist. Möglich sei es auch, dieses an bestimmten Börsen entweder in andere Kryptowährungen oder Fiatgeld zu wechseln.
Selbst verdient Vetri allerdings nichts mit der Plattform. Laut dem Co-Gründer würde es der Grundidee von Vetri widersprechen, als Intermediär in den Prozess einzugreifen. Denn die Technologie zielt vielmehr darauf ab, diesen abzulösen. Im Januar wurde deshalb die nicht gewinnorientiert agierende Vetri Foundation gegründet. Er könne sich jedoch vorstellen, zur Deckung der laufenden Kosten später vielleicht einmal Premium-Features anzubieten oder sich über Spenden zu finanzieren.

Prototyp vor dem Release

Nach Fertigstellung des Prototyps startet die erste Testphase mit der Community - vorerst nicht öffentlich, sondern auf Einladung der Crew. Nach den Auswertungen und einem zweiten Testlauf soll im Oktober dieses Jahres das zweite Minimum Viable Product bereit sein.
Die Welt in Bezug auf die Nutzung persönlicher Daten fairer zu machen, ist ein äußerst ambitioniertes Ziel, das Petitjean mit seinem Team verfolgt. Dessen sei er sich durchaus bewusst, erklärt der Procivis-CFO, der sich künftig ausschließlich dem Projekt widmen und die operative Leitung übernehmen wird. "Wir haben noch nie eine digitale Welt erlebt, die fair ist und den Datenschutz respektiert. Also werden die Nutzer zu Beginn auch uns gegenüber misstrauisch sein."
Vetri müsse deshalb viel in die Aufklärung der User investieren, erklären, wie die Plattform funktioniert, und aufzeigen, welche Stakeholder involviert sind. "Das Verständnis dafür zu schaffen, dass Vetri eine völlig neue Art und Weise verfolgt, mit Daten umzu­gehen, wird eine der größten Herausforderungen sein."



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