Kampf der Elektro-Car-Giganten 06.01.2020, 09:37 Uhr

CES-Auftakt in Las Vegas: Das Auto als Entertainment-Wunderwelt

Vom 7. bis zum 10. Januar versammeln sich auf der Technik-Messe CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas nicht nur Fans von Digitalen und Mobile Gadgets. In diesem Jahr steht vor allem der Kampf der Elektroauto-Anbieter im Fokus.
(Quelle: CES)
Der SUV gilt vielen als Inbegriff des Spritschluckers - doch inzwischen kündigt sich ein Wettkampf der Elektroauto-Hersteller in der nach wie vor populären Fahrzeugklasse an. Der Showdown zum Start der Technik-Messe CES in Las Vegas zeigt dabei, wie die Anbieter die Kunden mit neuen Ideen für sich gewinnen wollen.
So präsentierte die Firma Fisker einen SUV mit Solarzellen im Dach und einem Innenraum aus Recycling-Materialien. Der chinesische Hersteller Byton brachte die Serienversion seines ersten Modells M-Byte mit einem riesigen Display im Cockpit mit nach Las Vegas. Das Fahrzeug soll Mitte des Jahres in die Produktion gehen. Der Fisker Ocean wurde für 2022 angekündigt.

Startpreis von 37.500 US-Dollar

Die Solarzellen im Dach sollen pro Jahr bis zu 1.600 zusätzliche Kilometer ermöglichen, wie Firmenchef Henrik Fisker sagte. Für den Teppich im Innenraum sollen Plastikflaschen wiederverwendet werden, für eine Zierleiste im Cockpit ausrangierte Bekleidung wie T-Shirts. Das alles soll den Fisker Ocean besonders nachhaltig machen. 
Zugleich macht Fisker eine Kampfansage an die Branche mit einem Startpreis von 37.500 US-Dollar vor Steuern und Elektroauto-Vergünstigungen. Bytons M-Byte soll auf dieser Basis 45.000 US-Dollar beziehungsweise 45.000 Euro kosten - und damit ebenfalls die etablierten Premium-Anbieter unter Druck setzen.

Über 140.000 Reservierungen für den "Cybertruck"

Auch der Elektroauto-Vorreiter Tesla setzt die Preise inzwischen noch tiefer an und will sein Pickup-Modell "Cybertruck" schon ab knapp 40.000 US-Dollar verkaufen. Tesla bekam Konzernchef Elon Musk zufolge inzwischen über 140.000 Reservierungen für den "Cybertruck". Einer Abwärtsspirale beim Preis würden dabei allerdings schon durch die Batteriekosten Grenzen gesetzt, schränkte Byton-Manager Andreas Schaaf ein. "Niemand kann zaubern." 
Zum Vergleich: Mercedes veranschlagt bei seinem Elektro-SUV EQC einen Preis von rund 70.000 Euro ab Werk.
Byton setzt als Kaufargument auf ein fast von Tür zu Tür reichendes Display mit einer Diagonalen von 47 Zoll (knapp 120 Zentimeter) sowie digitale Dienste. Dafür muss die Firma aber App-Entwickler überzeugen, ihre Anwendungen für die Fahrzeuge anzupassen. Dazu wurde in Las Vegas am Sonntag (Ortszeit) eine Entwicklerplattform an den Start gebracht.

Entertainment-Wunderwelt

Außerdem wird in den USA der Unterhaltungskonzern Viacom CBS, zu dem unter anderem das Hollywood-Studio Paramount und der TV-Sender MTV gehören, Filme und andere Videoinhalte auf den großen Bildschirm bringen - wenn auch zunächst nur im stehenden Auto. 
"Wir wollen überall präsent sein, wo unsere Nutzer auf Inhalte zurückgreifen wollen", sagte Ted Schilowitz von Viacom CBS. Im Fisker Ocean soll es dagegen nur zwei eher kompakte Bildschirme geben. Und Henrik Fisker machte klar, dass er nicht viel vom Auto als Entertainment-Wunderwelt hält: "Letztendlich ist mit dem Auto zu fahren, vielleicht auch auf einer holperigen Strecke, etwas ganz anderes als es sich zu Hause im Sessel mit einem iPad oder Smartphone bequem zu machen."
Laut Umfragen seien aber 40 Prozent der Nutzer bereit, für bessere Konnektivität die Automarke zu wechseln, betonte Schaaf. In China seien es sogar fast zwei Drittel. Hier sehe Byton die Chance, auch als neue Marke in den Markt zu kommen. Die in China beheimatete Firma hat inzwischen 60.000 Reservierungen für das erste Modell. Byton will es in diesem Jahr in China und bis Mitte 2021 auch in den USA und Europa auf den Markt bringen.
Für den europäischen Markt stünden bereits Vereinbarungen mit Autohandelsgruppen und anderen Infrastruktur-Anbietern, sagte Schaaf in Las Vegas. Darunter seien viele Handelspartner, die Fahrzeuge etablierter Premium-Hersteller verkauften.

Über den Tellerrand der Branche hinausblicken

Grundsätzlich funktionieren Industriemessen wie die Technik-Show CES nach Überzeugung ihres Chefs Gary Shapiro nur noch, wenn sie über den Tellerrand ihrer Branche hinausblicken. "Wir fokussieren uns immer wieder auf frische Bereiche, um unser Kernpublikum neuen Dingen auszusetzen", so Shapiro.
Shapiro hatte die CES als Chef des veranstaltenden Branchenverbands CTA unter anderem zu einer wichtigen Automesse gemacht. Ursprünglich war sie eine auf den amerikanischen Markt ausgerichtete Show für Unterhaltungselektronik. In diesem Jahr kam unter anderem ein Schwerpunkt auf Gesundheits-Technologien dazu.
Die Veränderungen durch digitale Technologie seien so rasant, dass man als Unternehmen schnell in Rückstand geraten könne, wenn man nicht den Trends in anderen Branchen folge, argumentierte Shapiro. Früher seien Messen Branchensilos gewesen - aber diese Zeiten seien vorbei. "Kein Unternehmen - auch nicht Schwergewichte wie Apple - kann ohne Partnerschaften mit anderen Firmen existieren."

Sind große Events noch zeitgemäß?

In der deutschen Wirtschaft wurde zuletzt darüber diskutiert, ob große Messeveranstaltungen überhaupt noch zeitgemäß seien. Ein Auslöser war das Aus für die zuvor lange schwächelnde IT-Messe Cebit. Zuletzt zeichnete sich auch ab, dass die Automesse IAA nach einer enttäuschenden Ausgabe im vergangenen Herbst ein neues Konzept brauchen wird.
Der CES-Chef sieht dagegen keine Gefahr, dass große Industriemessen wie seine grundsätzlich obsolet werden. Top-Manager bräuchten weiterhin die Möglichkeit, sich mit Kunden und Partnern zu treffen - und eine Messe biete effiziente Gelegenheiten dazu. Ein CES-Teilnehmer komme im Schnitt auf 33 Treffen. Die Messe, die in diesem Jahr vom 7. bis 10. Januar läuft, steht nur Fachbesuchern offen. Zum kommenden Jahr soll eine weitere große Halle auf dem Messegelände eröffnet werden, mit der auch die CES ausgeweitet werden kann.

Die dmexco steht vor der Tür und viele Firmen fragen sich, ob es sich noch lohnt, Budget in große Massen-Events zu stecken. Geht der Trend nicht eher zu nischigeren, exklusiveren Inhouse-Veranstaltungen? Das haben wir ausgewählte Branchen-Experten gefragt.




Das könnte Sie auch interessieren