Michael Schreiber, Festool 22.05.2018, 13:12 Uhr

Das ist beim Relaunch einer B2B-Webseite zu beachten

Ein Website Relaunch lässt bei vielen Unternehmen die Nerven blank liegen. Michael Schreiber, Leiter Online Communication bei dem Elektrowerkzeughersteller Festool, erklärt, was es bei diesem komplexen Projekt im B2B-Bereich zu beachten gilt.
Michael Schreiber, Head of Online Communication bei der Festool GmbH
(Quelle: Festool)
Ein Website Relaunch ist ein komplexes Unterfangen - für alle Beteiligten. Designer, Content-Produzenten, Projektmanager, Entwickler, Suchmaschinenoptimierer und nicht zuletzt vorgesetzte Entscheidungsträger müssen zusammenarbeiten. Wenn das Projekt dann abgeschlossen ist, ist es aber noch lange nicht vorbei.
Michael Schreiber, Leiter Online Communication bei dem Elektrowerkzeughersteller Festool, spricht auf der Online B2B Conference am 12. und 13. Juni in München zu dem Thema "Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch". Wir trafen ihn vorab zum Interview.
Gibt es denn gravierende Unterschiede beim Relaunch einer B2B- und einer B2C-Webseite?
Michael Schreiber: Aus unserer Sicht sehe ich da keine gravierenden Unterschiede. Eine wichtige Komponente, welche die Komplexität treibt, ist die Anzahl der Länder und Top-Level-Domains sowie das jeweilige Produktprogramm und damit die Anzahl der Produkte in den Ländern. Festool hat einen indirekten Vertrieb und daher auch kein E-Commerce. Würden wir beispielsweise E-Commerce betreiben, wären zum Beispiel spezielle Einkäuferrollen oder wiederkehrende Bestelllisten denkbar, wie es bei unserer neuen Festool Order App der Fall ist. Ein tatsächlicher Unterschied sollte hinsichtlich der Preisausweisung bei den meisten B2B Websites vorliegen, da hier häufig mit Nettopreisen gearbeitet wird - als gravierenden Unterschied würde ich das aber nicht verstehen.
 
Was sind die größten Herausforderungen beim Website Relaunch?
Schreiber: Die größte Herausforderung bei einem Website Relaunch liegt definitiv in der Koordination aller beteiligten Stakeholder. In unserem Fall waren das auf der fachlichen Seite unsere Kunden, unsere Länder, die Produkt-Segmente, Vertrieb und Service, das Headquarter Marketing und noch einige mehr. Auf der technischen Seite natürlich die IT sowie alle beteiligten Dienstleister. Die externen und internen Anspruchsgruppen müssen frühzeitig abgeholt werden, um ein gemeinsames Ziel zu entwickeln. Daher ist für mich ein starkes Projektmanagement-Team eine absolute Notwendigkeit für den Erfolg bei solch einer komplexen Aufgabe.
Und wo liegen die größten Fehlerquellen?
Schreiber: Die größten Fehlerquellen liegen unserer Erfahrung nach in den angeführten Schnittstellen zwischen den beteiligten Stakeholdern. So kann ein Screendesign, welches in einer Kombination mit der Marketingabteilung geschaffen wird, anschließend von dem IT Team und deren Dienstleister ganz anders interpretiert werden, als es initial angedacht war. Auch wir mussten hier unsere Lektionen lernen und einige Prozesse daraufhin anpassen und verbessern. Am Ende bewerten unsere Kunden den Erfolg oder Misserfolg eines Relaunchs.

Mit welchem Zeitrahmen sollte ich als Unternehmen planen? Ist ein guter Relaunch in wenigen Tagen zu stemmen?
Schreiber: Ein guter Relaunch für eine internationale Website mit 31 Domains ist definitiv nicht in wenigen Tagen zu stemmen. Wir konnten mit Festool innerhalb eines Zeitrahmens von etwa zwölf Monaten alle Websites erfolgreich relaunchen - exklusive Vorbereitungszeit. Live gegangen sind diese 31 Domains im ersten Quartal letzten Jahres dann innerhalb von sechs Wochen. Rückblickend war es für alle Beteiligten ein sehr sportliches Unterfangen, aber umso stolzer sind wir auf unsere Leistung.

"Die Kunden entscheiden, ob ein guter Job gemacht wurde"

Was sind die wichtigsten Beteiligten beim Relaunch-Prozess? Welche Dienstleister benötige ich?
Schreiber:
Intern sollten alle beteiligten Stakeholder zum Start abgeholt werden. Nicht jeder hat dabei den gleichen Input und Arbeitsaufwand zu leisten, aber ohne ein gemeinsames Ziel ist eine große Aufgabe nicht zu schaffen. Die Kernaufgaben im Prozess selbst lagen dann maßgeblich im Marketing und der IT. Man muss schon eine sehr gute Beziehung zu den IT Kollegen haben, um solch ein Projekt erfolgreich stemmen zu können. Extern sind ein gutes UX-Design, SEO Berater und ein Implementierungs-Dienstleister für das CMS System ein absolutes Muss. In unserem Fall war zum Beispiel auch die Schnittstelle zu unserem PIM System ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor.

Mit welchen Marketing-Maßnahmen sollte man als Unternehmen einen Relaunch begleiten? Ist es überhaupt sinnvoll?
Schreiber: Wir sind der Überzeugung, dass es bei derartigen Großprojekten die bessere Option ist, sich für einen Silent-Launch in kleineren Testmärkten zu entscheiden bevor man die Core Markets angeht. Da kann man lernen und erste Fehler direkt korrigieren. Größer angelegte Marketing-Maßnahmen für die Kommunikation eines Relaunchs halte ich für internes Beweihräuchern und dementsprechend für nicht sinnvoll. Natürlich sollte man aufzeigen, welche Elemente, Prozesse oder Funktionen neu sind, dazu bedarf es aber denke ich keiner expliziten Marketing-Maßnahmen. Wie schon gesagt, ist die Website für unsere Kunden. Diese entscheiden am Ende, ob wir einen guten Job gemacht haben.

Auf was können sich die Teilnehmer der Online B2B Conference bei Ihrem Vortrag freuen?
Schreiber: Auf noch einige spannende Geschichten und Hintergrundinfos mehr rund um ein sehr komplexes Projekt - mehr verrate ich aber erst in München.
Die Online B2B Conference am 12. und 13. Juni 2018 in München ist die einzige deutsche Konferenz zu den wichtigsten Online-Marketing-Strategien speziell in B2B-Unternehmen. Holt euch gleich euer Ticket.



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