Augmented Reality wird praxisreif

Assisted Reality im Unternehmen

Vor allem Arbeitsabläufe, die ein hohes Maß an Orientierung und Bewegung im Raum sowie schnelle Reaktionen erfordern, profitieren laut Picavi-Managerin Bellenberg von Assisted Reality. "Mit Hilfe einer strikten visuellen Führung durch die Datenbrille wird der Werker entlastet, zusätzlich wird die Fehlerquote auf nahezu null gesenkt und gleichzeitig die Produktivität maximiert." Ein typisches Einsatzszenario sind Logistikprozesse. So konnte etwa die Klosterfrau Healthcare Group durch den Einsatz der Picavi-Intralogistiklösung bei der Kommissionierung und internen Lagerverwaltung 30 Prozent der Handling-Zeit sparen und mit derselben Personalstärke ein deutlich größeres Auftragsvolumen bewältigen.
Zu ähnlichen Werten kommen auch die Kunden des Picavi-Konkurrenten Ubimax. Versender DHL berichtet beispielsweise von 25 Prozent Zeitersparnis, einer um 15 Prozent gestiegenen Produktivität, einer geringeren Fehlerquote und einer höhere Mitarbeiterzufriedenheit durch den Einsatz von Datenbrillen. Darüber hinaus habe sich der zeitliche Aufwand für die Einarbeitung und das Training neuer Mitarbeiter halbiert, so das Logistikunternehmen.
Diese Vorteile sprechen sich langsam auch außerhalb der Logistikbranche und der Automobilindustrie herum, die als Erste die Möglichkeiten von Assisted und Augmented Reality erkannt haben. "Der Fokus hat sich deutlich erweitert, es finden sich heute immer mehr Anwendungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen, im Einzelhandel oder im Maschinenbau", sagt Leonid Poliakov, "und täglich kommen neue Use-Cases für Assisted und Augmented Reality hinzu." Das größte Hindernis auf dem Weg zum Massenmarkt sei die Generierung und Aufbereitung von Informationen für die AR-Nutzung: "Hier fehlt es teils an den notwendigen Ressourcen." Ubimax hat daher mit dem Frontline Creator eine webbasierte Anwendung entwickelt, über die Kunden ohne IT-Kenntnisse Inhalte für Smartglasses zusammenstellen können. "Jeder kann sich sehr kostengünstig mit der Technologie auseinandersetzen."

Augmented Reality in der Praxis

Einen ähnlichen Weg geht das französische Unternehmen Diota. Zu seinen Kunden gehören Luftfahrtunternehmen wie Dassault, Safran und Air France und Automobilhersteller wie VW, Daimler oder die PSA-Gruppe. In Deutschland kooperiert der Hersteller mit HCV Data, dem Bechtle-Kompetenzzentrum für PLM-Anwendungen (Product Lifecycle Management). Sein Diota Player erlaubt es, Daten aus Planungs- und CAD-Systemen zu importieren, aufzubereiten und zu visualisieren. Mit Hilfe des Moduls Diota Connect lassen sich Informationen aus einem PLM, aus Produktionsleitsystemen (Manufacturing Execution System, MES) und CRM-Lösungen, aber auch 3D-Modelle aus CAD-Programmen wie Catia, Siemens NX oder SolidWorks importieren und zum Beispiel für Montage- oder Wartungsanleitungen verwenden. "Eine Arbeitsanweisung kann in 20 bis 30 Minuten erstellt werden, in manchen Fällen lässt sich dieser Schritt durch Automatisierung sogar auf zwei bis drei Minuten reduzieren", sagt Gottfried Roosen, Business Development Manager bei Diota
Der Diota Player kann mit Tablets, Beamern, PCs oder auch der Microsoft HoloLens verwendet werden. Der Hersteller bietet spezielle Endgeräte an, die aus einem Tablet oder einem Beamer und einer Industriekamera bestehen. "Die in Tablets integrierten Kameras sind nicht präzise genug, um sie für industrielle Zwecke einzusetzen", sagt Roosen, "mit unserer Konstruktion sind wir dagegen in der Lage, computergenerierte Daten millimetergenau auf reale Gegenstände zu projizieren oder auf dem Tablet-Bildschirm zu überlagern."
Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Prototyping über die Fertigung bis hin zu Wartung und Training. So lassen sich beispielsweise Montageschablonen auf eine Werkoberfläche, etwa einen Flugzeugflügel oder eine Turbine, projizieren. Es können aber auch Schritt-für-Schritt-Anweisungen für den Einbau oder Zusammenbau von Komponenten erstellt werden. Mit dem Zusatzmodul Diota Inspect lässt sich überprüfen, ob die Schritte in der korrekten Reihenfolge abgearbeitet wurden oder ob sich alle Komponenten an der richtigen Stelle befinden. Die erfolgreiche In­spektion wird dokumentiert und quittiert. Vor allem die Automobil- und Luftfahrtindustrie, aber auch andere produzierende Unternehmen setzen das System ein. "Mit Hilfe von Augmented Reality lässt sich die Fehlerrate um 60 bis 90 Prozent reduzieren und die Produktionszeit um 35 bis 85 Prozent verkürzen", sagt Roosen. Auch bei der Wartung seien erhebliche Einsparungen realisierbar. "Aufgaben, für die bisher ein Experte für mehrere Tage eingeflogen werden musste, lassen sich nun in wenigen Stunden vor Ort und ohne tiefe fachspezifische Kenntnisse erledigen."



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