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start mit dem Shop-Relaunch
Sonstiges 18.09.2015
Sonstiges 18.09.2015

Praxisbeispiele Erfahrungsberichte: So lief der Shop-Relaunch

Shutterstock.com/Bloomua
Shutterstock.com/Bloomua

Nachgefragt: Wie lief der Umzug des Online-Shops auf eine andere Shop-Software? Drei Unternehmen berichten, warum und wie sie eine neue Lösung eingeführt haben.

Was versprechen sich Unternehmen vom Umzug ihres Online-Shops auf eine neue Plattform? Warum wurde der Schritt nötig? Welche Gründe sprachen für die gewählte Shop-Software? INTERNET WORLD Business hat bei drei Unternehmen nachgefragt, die gerade ihren Webshop auf eine andere Software migriert haben.

Der Versandhändler Betzold hat mit dem Relaunch des Shops von Intershop auf Novomind iShop gewechselt. Textilkontor Walter Seidensticker löste ­eine Individuallösung ab; nun laufen die beiden Marken-Shops von Seidensticker und Jacques Britt auf Shopware 5.

Auch Mobilcom-Debitel hat eine Eigenentwicklung ersetzt und die Systemlandschaft auf Hybris umgestellt: "Die Umstellung der Systemlandschaft ist für Unternehmen, gerade für solche unserer Größe, kein leichter Schritt", sagt Florian Wolf, IT-­Bereichsleiter Customer & Commerce Systems bei Mobilcom-Debitel.

Beispiel 1: Seidensticker

Screenshot vom Seidensticker-Shop

Screenshot: seidensticker.com

Der Hemdenhersteller Seidensticker hat seinen Online-Aufritt komplett überarbeitet und für die mobile Nutzung optimiert. Ziel des Relaunches war es, eine moderne und leicht bedienbare Shop-Oberfläche zu schaffen, die inhouse betreut werden kann.

Projektsteckbrief:

Aufgabe: Shop-Relaunch der Marken Seidensticker und Jacques Britt
Software vorher: Individuelle Shop-Lösung eines externen Partners
Gewechselt auf: Shopware 5
Warum? "Die Individuallösung war systemisch ausgereizt, konnte nur noch bedingt weiterentwickelt werden und unsere Vision in Sachen E-Commerce nicht mehr abbilden."

Welches waren die drei wichtigsten Kriterien für die Auswahl des neuen Shop-Systems?
Kevin Ziegler: Das neue Shop-System musste mit der bestehenden Systemlandschaft harmonieren und sich nach ersten Anpassungen nahtlos einfügen. Zudem sollte das neue Shop-System insbesondere im Back-End beherrschbar sein, da wir eine Insourcing-Strategie gewählt haben. Und drittens sollte das neue Shop-System die Fähigkeit besitzen, mit den Herausforderungen der Zukunft im Handel mitzuwachsen und somit anpassungsfähig zu bleiben.

Welche Agentur hat den Shop umgesetzt?
Ziegler: Die Fullservice-Digitalagentur Valtech hat den Shop umgesetzt.

Wie lange hat die Umsetzung des neuen Shops gedauert?
Ziegler: Für die reine Umsetzung der zwei Shops bis hin zum Go Live haben wir exakt fünf Monate benötigt.

Welche Hindernisse oder Probleme sind aufgetreten?

Ziegler: Letztlich entstand die meiste Arbeit im Bereich der Schnittstellen zwischen Shopware 5 und den bestehenden Zentralsystemen und externen Partnern, ergo die Einbindung der neuen Shop-Software in die komplette Systemlandschaft unseres Konzerns. Wir haben immer mal wieder den Ausdruck "Operation am offenen Herzen“ genutzt, um zu beschreiben, was wir derzeit parallel zum alten Shop-System machen. Darüber hinaus haben wir aufgrund des ­engen Timings des Projekts im Testing des Systems im Akkord gearbeitet, um alle Eventualitäten auszuschließen. ­Beide Brennpunkte waren uns allerdings klar und daher lag insbesondere nach dem Live-Gang der Fokus auf Anpassung, Korrektur und Entwicklung des neuen Systems.

Was hat die Umsetzung gekostet?
Ziegler: Dazu machen wir keine Angabe.

Beispiel 2: Connected Commerce mit Hybris bei Mobilcom-Debitel

Screenshot der Mobilcom-Debitel-Seite

Screenshot: www.mobilcom-debitel.de

Die Agentur HMMH hat bei Mobilcom-Debitel die Systemlandschaft umgestellt. Mit der Einführung von Hybris kann der Service-Provider physische und digitale Produkte auf derselben Plattform anbieten und ist für Connected Commerce vorbereitet.

Projektsteckbrief:

Aufgabe: Umstellung der Systemlandschaft bei Mobilcom-Debitel
Software vorher: Seit 2009 mehrere miteinander verzahnt arbeitende Systeme; den Großteil der Funktionen bildete eine Eigenentwicklung auf Basis des Zend Frameworks ab.
Gewechselt auf: Hybris
Warum? "Hybris bot den Vorteil, dass diese Commerce-Software eine spezielle Ausprägung für die Telco-Branche bereitstellt und damit sehr gut auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist."

Was waren die drei wichtigsten Kriterien für die Auswahl des neuen Shop-Systems?
Florian Wolf: An erster Stelle stand für uns die Omnichannel-Fähigkeit des Shop-Systems. Außerdem war es für uns wichtig, über ein System zu verfügen, das umfangreiche Standardfunktionen bietet. Als dritter Punkt ist die Vereinfachung der Prozesse zu nennen, die uns eine zentrale Datenhaltung und -pflege ermöglicht und damit die zeitnahe Ablösung der alten Systeme gewährleistet.

Welche Agentur hat den Shop umgesetzt?
Wolf: In Phase eins, in der es um die technische und fachliche Validierung des Systems mit unserer Back-End-Systemlandschaft ging, wurden wir von der Agentur HMMH begleitet. In dieser ­Phase wurden die Prepaid-Produkte in das Online-Shop-Angebot integriert.
Die zweite Phase des Projekts realisieren wir gemeinsam mit der CGI Deutschland. In dieser Projektphase geht es um die vollständige Einbindung der gesamten Produktpalette in den Shop und damit um die Ablösung des ­alten Systems für das Neukundengeschäft auf Mobilcom-debitel.de.

Wie lange hat die Umsetzung des neuen Shops gedauert?
Wolf: Die Umsetzung der Phase eins hat von der Beauftragung im Oktober 2014 bis zum Live-Gang des Shops Mitte ­Februar 2015 gedauert. Mit der beschriebenen Implementierung wird die Umsetzung Ende des Jahres komplett abgeschlossen sein.

Welche Hindernisse oder Probleme sind aufgetreten?
Wolf: Die komplexe Produktwelt eines Service-Providers stellte die größte ­Herausforderung dar. Es ging dabei zum Beispiel um gemischte Warenkörbe aus Mobilfunk-, Digital-Lifestyle- und Hardware-Produkten. Hier musste die Komplexität mit einer guten Usability in Einklang gebracht werden.

Was hat die Umsetzung gekostet?

Wolf: Dazu möchten wir uns nicht äußern.

Beispiel 3: Betzold verzeichnet Umsatzwachstum nach Relaunch

Screenshot der Betzold Versandhandel-Website

Screenshot: betzold.de

Ausstattung und Materialien für Kindergärten und Schulen bietet der Versandhändler Betzold an. Im Juli 2015 startete der neue Shop auf Novomind iShop. "Wir verzeichnen einen stark wachsenden Umsatz", sagt Geschäftsführer Albrecht Betzold.

Projektsteckbrief:

Aufgabe: Shop-Relaunch
Software vorher: Bis Mitte 2011 war Oxid Enterprise Edition im Einsatz, ­danach Intershop 6 mit Fullservice-Betreuung bis zum Relaunch im Juni 2015
Gewechselt auf: Novomind iShop
Warum? "In der Vergangenheit fiel es uns relativ schwer, Wachstumssprünge abzufangen, was immer wieder zu Performance-Problemen führte. In Bezug auf Visits und in der Anzahl der ­Produkte sind wir nun deutlich flexibler."

Welches waren die drei wichtigsten Kriterien für die Auswahl des neuen Shop-Systems?
Albrecht Betzold: Unseren größten Vorzug sehen wir in der sehr starken Performance des neuen Systems, basierend auf einer In-Memory-Technik. Dadurch haben sich die Ladezeiten stark verbessert, was sich nun auf alle relevanten Bereiche positiv auswirkt, ohne dass uns unverhältnismäßige Kosten im Hosting entstehen. Weiterhin erhalten wir viele praxisnahe und einsatzfähige Front-End- und Back-End-Module wie A/B-Testing, Filtersysteme, Personalisierung oder Segmentierung, die uns die Arbeit deutlich erleichtern.

Durch einige der Module ließen sich wiederum externe Dienstleister, ­inklusive deren laufenden Kosten, abkoppeln. Ein weiteres Kriterium ist die Skalierbarkeit des neuen Systems. In der Vergangenheit fiel es uns relativ schwer, Wachstumssprünge abzufangen, was immer wieder zu Performance-Problemen führte.

Nachdem wir Produkte nicht nur zukaufen, sondern auch selbst produzieren, und unsere Sortimente nicht saisonal wechseln, sondern größtenteils kumulieren, ist diese Skalierung im Produktbereich sehr wichtig. Insbesondere unsere eigene Möbelproduktion mit konfigurierbaren Varianten führt zu einem stetigen, extrem starken Zuwachs an Artikeln. Mit dem falschen System wäre uns dieser Ausbau schlichtweg nicht möglich.

Welche Agentur hat den Shop umgesetzt?
Betzold: Die Shop-Umsetzung lief über die Software-Entwickler Novomind AG aus Hamburg. In der Projektsteuerung wurden wir zudem durch Elaboratum aus München unterstützt.

Wie lange hat die Umsetzung des ­neuen Shops gedauert?
Betzold: Vom Kickstart-Meeting bis zum Go Live vergingen knapp neun Monate.

Welche Hindernisse oder Probleme sind aufgetreten?
Betzold: Im Projekt wurden die technische Umsetzung sowie das Design ­getrennt und durch zwei verschiedene Agenturen parallel abgewickelt. Es entstand ein unverhältnismäßig großer ­Koordinationsaufwand, wodurch die Umsetzung zunächst kompliziert ­wurde. Hieraus haben wir gelernt, dass die Umsetzung über einen Hauptverantwort­lichen, der gegebenenfalls Subunternehmer hinzuzieht, von Beginn an der bessere Ansatz gewesen wäre. Zudem war die Umsetzung unser erstes echtes ­Scrum-Projekt.

Hierdurch mussten wir uns intern während des Projekts komplett in die neue Vorgehensweise ein­arbeiten. Aufgrund des Timings blieb aber keine separate Vorbereitungszeit, also entschlossen wir uns zum Learning-by-doing. Bei einem Projekt dieser Größe kommt man damit nahe an die ­eigenen Grenzen.

Um die Vorteile des neuen Shop-Systems angemessen nutzen zu können, waren zudem parallele Projekte notwendig, insbesondere die komplette ­Datenüberarbeitung und Anreicherung von über 20.000 Produkten.
Letztlich ließen sich alle Herausforderungen gut meistern, aber ohne ein hochmotiviertes Team und eine kon­struktive Zusammenarbeit mit unseren Dienstleistern hätten wir uns damit vermutlich zu viel zugemutet.

Was hat die Umsetzung gekostet?
Betzold: Die Investition lag ungefähr bei einem mittleren sechsstelligen Betrag.

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