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Medizin
Amazon 04.02.2015
Amazon 04.02.2015

Versandapotheke Case: Wie Amazon Aponeo mehr Umsatz bringt

Die Versandapotheke Aponeo bearbeitet täglich mehr als 3.000 Bestellungen.

Shutterstock.com/Elena Itsenko

Die Versandapotheke Aponeo bearbeitet täglich mehr als 3.000 Bestellungen.

Shutterstock.com/Elena Itsenko

Online-Marktplätze als Verkaufshelfer: Durch den Wechsel zu einem neuen Tool für den Verkauf auf Amazon und eBay konnte Aponeo seinen Umsatz steigern.

Wer dort präsent ist, wo viele Augen hinschauen, hat die Chance auf mehr Umsatz. Deswegen ist es für Online-Shops attraktiv, die eigenen Produkte ­außer über die eigene Website auch auf Marktplätzen wie Ebay oder Amazon zu vertreiben. Wie gut das Verkaufen über Marktplätze funktionieren kann, wenn das Tool dafür stimmt, hat die Versand­apotheke Aponeo herausgefunden: Nach dem Wechsel der Marktplatz-Lösung stieg der Umsatz über Amazon um 250 Prozent.

Zuvor hatte Aponeo mit einem Tool eines britischen Anbieters ein Jahr lang, von Mai 2013 bis Juni 2014, den Verkauf über Marktplätze getestet - und dabei das Potenzial des Vertriebskanals erkannt. Auf der Habenseite konnte das eingesetzte Werkzeug relativ niedrige Kosten ins Feld führen. Doch in der Praxis offenbarten sich auch die Grenzen des Tools. Die Lösung hatte zu wenig Möglichkeiten geboten, zwischen den Produkten zu unterscheiden, erklärt Hartmut Deiwick, kaufmännischer Leiter der Online-Apotheke Aponeo.

Also machte er sich auf die Suche nach einer Software, die die zahlreichen unterschiedlichen Produktdaten sauber überträgt und die gleichzeitig technisch einfach an das bestehende Shop-System ­angebunden werden kann.

Zur Präsentation wurden Speed4Trade (Produkt: Emmida), Via-Ebay (Produkt: Via-Ebay) und Channeladvisor (Produkt: Marktplätze) eingeladen. Nach der Evaluierung entschied sich Aponeo für "Marktplätze“ von Channeladvisor. Das US-­Unternehmen hat weltweit Niederlassungen und ist auch in Berlin mit einem Büro vertreten. Wichtig für Deiwick, denn "eine unserer Bedingungen war deutschsprachiger Support."

Via-Ebay wäre zwar auch ein gutes Tool für Aponeo gewesen, meint er, "aber wir wollten auch Amazon anbinden und das ist mit Via-Ebay nicht möglich." Speed4­Trade konnte zum Auswahlzeitpunkt nicht mit einer Repricing-Funktion aufwarten, Channel­advisor schon. Repricing ist die Funktion, mit der die Preise der Konkurrenz automatisiert beobachtet werden. Gegebenenfalls wird dann der Preis eines eigenen Produkts gesenkt oder erhöht.

"Channeladvisor ist im Lösungsvergleich die teuerste Variante, dafür aber auch die beste," meint Deiwick. Beim Auswahlprozess habe man den Mehrwert ­gesehen, den eine bessere Middleware biete, sagt der kaufmännische Leiter von Aponeo. Als "Middleware" wird die Marktplatzanbindung bezeichnet, weil sie den Online-Shop mit verschiedenen Marktplätzen verbindet: Sie stellt einen Datenfeed bereit, der die Produktdaten und Preise weiterleitet. Die Lizenzgebühren für das Tool hängen vom Umsatz ab, der über die angeschlossenen Marktplätze generiert wird. 

Aufwand und Zeit gespart

Hartmut Deiwick von Aponeo

Hartmut Deiwick, Kaufmännischer Leiter von Aponeo:

"Wenn wir die Schnittstelle zu Amazon selbst programmiert hätten, hätte das viel internen Aufwand gekostet."

www.aponeo.de

 Die technische Anbindung der Lösung, die als Software as a Service bereitgestellt wird, gestaltete sich unkompliziert, berichtet Kevin Langhans, in der IT-Abteilung bei Aponeo für das Middleware-Projekt zuständig: "Der Aufwand war gering. Alles ging schnell." Deiwick vergleicht: "Wenn wir die Schnittstelle für die Anbindung an Amazon selbst programmiert hätten, hätte uns das viel internen Aufwand und etwa sechs Monate Zeit gekostet. Mit Channeladvisor betrug die Installationszeit nur rund sechs Wochen."

Jeder Marktplatz hat ganz bestimmte Vorgaben an den Datenfeed. Dieser standardisierte Strom aus Produktinformationen sorgt dafür, dass Artikel aus dem Shop im Marktplatz ­ordentlich beschrieben werden. "Beim Datenfeed von Aponeo ist nicht alles so hinterlegt, wie Amazon es vorgibt," sagt Langhans. Die Software von Channeladvisor ermöglicht es jedoch, Business Rules zu definieren. Wenn bei einem Produkt ein Attribut erwartet wird, das jedoch nicht vorhanden ist, werden durch diese vorher definierten Regeln automatisch die fehlenden Informationen ergänzt.

Im März 2014 erfolgte die Anbindung an Ebay, im Juni 2014 die Anbindung an Amazon. Bei Amazon konnte Aponeo 50.000 Produkte einstellen, deren Präsentation zuvor Schwierigkeiten verursacht hatte. "Wir konnten unsere Infos zu den Produkten nicht adäquat auf Amazon darstellen," erläutert Deiwick. Inzwischen treffen rund 500 Bestellungen am Tag über Amazon ein und zwischen 50 und 100 Bestellungen über Ebay. Die beiden Marktplätze stehen so für 15 Prozent des Gesamtumsatzes von Aponeo.

Probleme im laufenden Betrieb hatte IT-Mann Langhans bislang nicht. Es sei noch nicht vorkommen, dass es einen Fehler in der Übermittlung einer Bestellung gegeben habe. Zukünftig sollen neben Amazon und Ebay weitere Marktplätze angebunden werden.

Nicole Krahl, zuständig für Controlling und Reporting bei Aponeo, arbeitet täglich mit dem Marktplatz-Tool. "Es bietet viele Möglichkeiten und Einstellungen und ist deshalb sehr komplex," kommentiert sie. Doch mit der Zeit sei der Umgang damit einfacher geworden. Deiwicks ­Bilanz: "Die Middleware macht, was sie machen soll. Wir behalten die Kosten im Blick. Das Gesamtpaket stimmt."