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Sonstiges 04.03.2014
Sonstiges 04.03.2014

Pro & Contra WhatsApp-Deal - gut oder schlecht?

Shutterstock.com/Alexander_Supertramp
Shutterstock.com/Alexander_Supertramp

19 Milliarden US-Dollar zahlt Facebook für das Start-up WhatsApp. Eine gute Nachricht für die digitale Branche?

Vor knapp fünf Jahren musste Brian Acton innerhalb von vier Monaten zwei Niederlagen einstecken. Er hatte sich bei Twitter und bei Facebook beworben -  und wurde beide Male nicht genommen. Der damals 37-Jährige nahm es sportlich und gründete 2009 gemeinsam mit seinem Kumpel Jan Koum den Messaging Service WhatsApp.


Noch im Januar 2014 auf der DLD Conference in München wurde Koum als Stargast gefeiert und hatte versichert, WhatsApp werde sich niemals kaufen ­lassen und niemals Werbung akzeptieren. Lange hat er sich an sein Versprechen allerdings nicht gehalten: Jetzt übernimmt Erzrivale Facebook dasStart-up, das in noch nicht einmal fünf Jahren 450 Millionen Nutzer ­gewinnen konnte. Der Preis: 19 Milliarden US-Dollar (vier Milliarden in bar, der Rest in Facebook-Aktien). Das entspricht ungefähr 20 Prozent des Staatshaushalts der Republik Österreich.


Acton und Koum gehören jetzt zu den Superreichen im Silicon Valley, und auch Investmentbanken wie Sequoia haben an dem Deal gut verdient. Facebook übernimmt mit WhatsApp einen Rivalen, der nach Meinung vieler Analysten maßgeblich mitverantwortlich für das gebremste Mitgliederwachstum der Zuckerberg-Company war.  Insbesondere jüngere Zielgruppen hatten sich dem Messaging-Dienst zugewendet. Die hat Facebook nun auf einen Schlag eingesackt.


An Facebook, so viel scheint sicher, kommt im Bereich Social Networks so schnell niemand vorbei. Für Anwender und Online-Dienstleister mag der Zusammenschluss einiges vereinfachen, doch es gibt auch kritische Stimmen zum Deal. Ist WhatsApp wirklich so viel wert? Wie wird Facebook mit den Milliarden an Telefonnummern umgehen, die WhatsApp-Nutzer dem Messaging-Service überlassen haben und die Datenschützer schon jetzt schlecht schlafen lassen? Und ist es eigentlich gut, dass ein einziges Social Network eine dermaßen große Marktmacht auf sich vereint? Kurz: Ist die bislang gewaltigste Übernahme des Jahres 2014 eine gute oder schlechte Nachricht für die digitale Branche?

Pro: Thorben Fasching, Geschäfstführer hmmh Medienhaus, Bremen

Das böse Facebook hat das gute WhatsApp geschluckt. Wir zeigen es Herrn Zuckerberg und wechseln nun alle zu Threema, so der einhellige Tenor in meinem Facebook-Newsfeed! Ich ­werde dem Aufruf nicht folgen. Ich finde den Deal richtig gut - auch als Anwender. Zwei meiner am häufigsten genutzten Kommunikationsdienste finden zusammen. Das lässt auf Synergien hoffen. Mittelfristig wird es sicherlich einen Desktop-Client geben, um geräteunabhängig und unterbrechungsfrei zu kommunizieren. Meine Bewegungsdaten werden sowieso aufgezeichnet. Wenn es dann bald einen virtuellen Meta Layer gibt, der wirklich ­relevante Inhalte sendet und keine nervige Werbung, habe ich durch die Übernahme von WhatsApp einen persönlichen Nutzen.


Aus Dienstleistersicht freuen wir uns auf spannende Optionen, ist Facebook doch dafür bekannt, dass wir an der Entwicklung des sozialen Netzwerks beteiligt sein können. Das wird man auch bei WhatsApp erwarten dürfen. Werbetreibende können sich über höhere Reichweiten und Zugang zu jüngeren Zielgruppen freuen, die Facebook sich durch den Deal zuhauf eingekauft hat. Am Ende aber beschäftigt mich noch eine Frage: Wäre es nicht viel konsequenter, wenn die Zuckerberg-Hasser jetzt nicht nur zu Threema wechseln, sondern gleich ihren kompletten Facebook-Account löschen und zu Google+ wechseln? Ich freue mich auf zahlreiche Antworten.

Contra: Konstantin Neven DuMont, Immobilien- und Medienunternehmer

Bereits vor dem 19-Milliarden-Dollar-Deal habe ich meinen WhatsApp-Account gelöscht und zu Threema ­gewechselt. Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich über den miserablen Datenschutz sowie die absurde Kommunikationspolitik des wohl bekanntesten Messenger-Dienstes zu ärgern. Jetzt frage ich mich natürlich, wie sich diese gigantische Summe refinanzieren lässt. Vermutlich wird ­eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen. Darum ist davon auszugehen, dass diese Daten mit den Facebook-Daten verknüpft werden. Das ist der Hauptgrund, warum ­Datenschützer Alarm schlagen und davor warnen, beide Dienste parallel zu nutzen. Kritik kommt auch von anderen Seiten. Der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht hat ebenfalls ­Bedenken angemeldet: "Die EU-Kommission muss prüfen, ob sie ein wettbewerbsrechtliches Verfahren einleitet. Es ist offenkundig, dass Facebook und WhatsApp zusammen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen und zu Monopolisten in Europa werden", erklärte Albrecht.


Trotz meiner datenschutzrechtlichen Bedenken werde ich Facebook vorerst weiterhin nutzen. Zurzeit überwiegen für mich die Vorteile gegenüber den Nachteilen, was bei WhatsApp nicht mehr der Fall war. Außerdem habe ich ein generelles Problem mit Monopolisten, weil sie den Wettbewerb zu sehr einschränken. Dem übertriebenen Zuckerberg-Bashing einiger Medien kann ich aber gar nichts abgewinnen.

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