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Sonstiges 04.12.2013
Sonstiges 04.12.2013

Browser-Technologie für Video- oder Voice-Chat Mit WebRTC die Kommunikation revolutionieren

Der neue WebRTC-Standard erlaubt Echtzeit-Kommunikation per Video- oder Voice-Chat direkt im Browser. Einige Hersteller unterstützen bereits das Open-Source-Projekt, das die Kommunikation revolutionieren und damit Plattformen wie Facebook und Twitter verändern könnte.

Ein neues Schlagwort kursiert derzeit in der ITK-Branche: "WebRTC". Die Abkürzung steht für "Web Real Time Communication" und bezeichnet die Möglichkeit, ohne Verzögerung über den Webbrowser zu kommunizieren. Das ist zwar grundsätzlich nicht neu, mittels Flash oder zusätzlicher Browser-Plugins ist dies schon seit einigen Jahren möglich. "Aber bei WebRTC muss der Anwender nichts herunterladen, da die Kommunikation bereits Teil des Browsers ist - und darin liegt der Charme", erklärt Hans-Jürgen Jobst, Senior Product Marketing Manager bei Avaya.

Die Rahmenstruktur von WebRTC basiert auf HTML5-Funktionen und Javascript. "Mit dem neu eingeführten Javascript Session­ Establishment Protocol (JSEP) sind Datenverbindungen zwischen Browsern ohne weitere Software möglich", sagt Tobias Enders, Geschäftsführer der GMS Global Media Services. Konkret stellt bei einer WebRTC-Anwendung der Webserver über seine API ein Javascript-­Applet zur Verfügung, das beim Aufruf der Webseite übermittelt wird. Dieses Applet wiederum teilt dem Browser des Anwenders die erforderlichen Session-Description-Parameter mit. "Die eigentliche Signalisierung des Verbindungsaufbaus erfolgt vom Client­ über die beteiligten Webserver, der Medien­strom wiederum wird direkt zwischen den Endgeräten übermittelt", sagt Mathias Hein, Bereichsleiter Netzwerke beim Bundesverband Telekommunikation VAF.

Die Einsatzmöglichkeiten von WebRTC sind vielfältig, sowohl im Consumer- als auch im Business-Segment. Im Privatkundenbereich könnte WebRTC Plattformen wie Facebook, Twitter oder Xing grundlegend verändern, wenn eine direkte Kommunikation über Video und Voice stattfindet. Google+ etwa bietet bereits heute mit Hangouts eine Videochat-Funktion auf Basis von WebRTC an.

"Im B2B-Bereich wird WebRTC einen starken Einfluss auf Contact Center haben", glaubt wiederum Martin Bitzinger, VP Strategic Technology Development bei Aastra. Der Vorteil: Der Kunde kann dann über die Webseite des jeweiligen Anbieters via Audio oder Video in Kontakt treten. Auch die Anbindung von Heim­arbeitsplätzen oder Collaboration-Lösungen im Unternehmen oder mit Partnern sind mit WebRTC einfacher und vor allem günstiger zu realisieren. Allerdings gilt es, vorher noch einige Hürden zu überwinden.

Denn noch befindet sich WebRTC in der Standardisierung - die zuständigen Gremien sind das World Wide Web Consortium und die Internet Engineering Task Force IETF. Wann mit einer Freigabe der Standards gerechnet werden kann, ist derzeit noch unklar. VAF-Experte Hein geht davon aus, dass vor Mitte 2014 - und wahrscheinlich sogar noch später - keine endgültigen Standards zu erwarten sind. "Bislang gibt es zudem noch keine Einigung, welche Protokolle eingesetzt werden sollen", gibt Anton Michael Döschl, Leiter Collaboration Architektur bei Cisco Deutschland, zu bedenken. Während Cisco und einige andere Anbieter H.264 bevorzugen, setzt Google eher auf VP8.

Anwender haben noch Sicherheitsbedenken

Darüber hinaus unterstützen derzeit noch nicht alle Browser die Lösung. Treibende Kraft ist Google mit Chrome; aber auch Mozillas Firefox sowie Opera Next haben sich früh zu WebRTC bekannt. Der Wettbewerber Microsoft hingegen hat mit CU-RTC (Customizable, Ubiquitous Real Time Communication)-Web einen Gegenentwurf entwickelt. Im Unterschied zu WebRTC setzt das Unternehmen dabei nicht auf eigene Codecs, sondern nutzt die bekannten MPEG- und G.7xx-Spezifikationen. "Der Einsatz klassischer Codecs wird vielen VoIP- und Video-Herstellern entgegenkommen, aber bei den Mobilfunkgeräten hat Microsoft den Markt verschlafen", sagt Hein. Die Industrie werde es sich nicht leisten können, zwei parallele Systeme zu unterstützen, "aus diesem Grund wird sich sicher die WebRTC-Variante durchsetzen", glaubt der VAF-Experte.

GMS-Geschäftsführer Enders geht deshalb davon aus, dass Microsoft über eine Schnittstelle WebRTC in Skype integrieren wird. Offen ist indes die Position von Apple,­ das Unternehmen bietet mit Safari­ ebenfalls einen Browser an, der vor allem auf den eigenen Produkten standard­mäßig installiert ist. Allerdings können Anwender sich noch weitere Browser auf mobile Endgeräte von Apple laden, "Chrome-­Installationen auf Apple-Systemen sind bereits jetzt WebRTC-fähig", sagt Enders.

Und dann gilt es noch, die Sicherheitsbedenken der Anwender zu überwinden, schließlich handelt es sich bei der Technologie um eine Kommunikation über das Web, und spätestens seit PRISM und Co. sind vor allem Unternehmen deutlich sensibler in Bezug auf Datenschutz geworden. "WebRTC ist eine Peer-to-Peer-Technologie, natürlich kann man durch Abhören des IP-Datenstroms auf die Inhalte zugreifen", stellt denn auch Avaya-Manager Jobst fest. Allerdings gibt es die Möglichkeit, SRTP einzusetzen, so Jobst: "Das Realtime Transport Protocol ermöglicht eine sichere Ende-zu-Ende-Kommunikation."

VoIP- und Chat-Angebote werden längst nicht mehr ausschließlich auf dem PC wahrgenommen. Höchste Zeit für Skype, seine Sync-Fähigkeiten zu aktualisieren und benutzerfreundlicher zu werden.

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