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"Datensicherheit ein ganz großer Hemmschuh"
Sonstiges 17.11.2009
Sonstiges 17.11.2009

"Datensicherheit ein ganz großer Hemmschuh"

Oliver Harmel, Sales & Marketing Director Central Europe bei NTT Europe Online

Oliver Harmel, Sales & Marketing Director Central Europe bei NTT Europe Online

NTT Communications führt seine Netzwerksparte NTT Europe mit seinem Hosting-Spezialisten NTT Europe Online zusammen. Über die neue Unternehmensstrategie, Cloud Computing und Onlinebrowsergames sprach internetworld.de mit Oliver Harmel, Sales & Marketing Director Central Europe bei NTT Europe Online.

Bislang koexistierten die beiden Unternehmen NTT Europe und NTT Europe Online unter dem Dach der NTT Communications mit ihren verschiedenen Schwerpunkten. Warum erfolgt nun die Zusammenlegung?

Oliver Harmel: NTT Europe Online ging ursprünglich aus Verio hervor und von daher waren es immer zwei eigenständige Unternehmen, die sich nach der Übernahme schrittweise annäherten. Mit der Zusammenlegung der Netzwerksparte und dem Managed-Hosting-Segment wollen wir uns noch besser als ICT-Partner aufstellen. Unter welchem Brand das Unternehmen dann geführt wird, soll spätestens im Januar feststehen.

Die Zusammenlegung hat also nichts mit der wirtschaftlich angespannten Situation zu tun?

Harmel: Nein, damit hat das weniger zu tun. Trotz der wirtschaftlichen Lage stellen wir eher noch mehr Arbeitskräfte ein, als dass wir Stellen streichen müssten. Wir wollen den Kunden komplexere Lösungen als bisher anbieten und damit die Wertschöpfungstiefe erhöhen. Vor allem der Bereich Beratung und Service wird dabei immer wichtiger.

Dazu dienen auch die Übernahmen von itelligence, Cirquent und dem IT-Sicherheitsdienstleisters Integralis?

Harmel: Im Jahr 2008 hat NTT Data eine Mehrheitsbeteiligung an den IT-Beratern itelligence und Cirquent gesichert. Zuletzt hat NTT Communications im Juni die Mehrheitsanteile an Integralis übernommen. Die Unternehmen bleiben jedoch auch weiterhin unabhängig erhalten. Unter dem Dach der NTT Communications können wir dadurch aber unseren Kunden Lösungen anbieten, die nicht nur das Hosting umfassen, sondern ihnen auch SaaS und Cloud Computing anbieten, Corporate Apps zur Verfügung stellen und sie umfassend zu diesen Themen beraten.

So arbeiten wir seit fünf Jahren mit Oracle und seit längerem auch mit Microsoft zusammen an entsprechenden Lösungen für On-demand-Software. Dabei geht es dann einerseits um flexible Abrechnungsmodelle, aber auch darum, Dienstleistungen anzubieten, die weit über die physikalische Basis hinaus gehen.

Ist Cloud Computing Ihrer Meinung nach schon Realität oder noch Zukunftsmusik?

Harmel: Es gibt schon einige Unternehmen, die solche Lösungen nachfragen, allerdings fehlt denen meist ein Lastszenario. Doch genau das ist aktuell eines der größten Probleme. Die Performance solcher Systeme hängt sehr stark von den Peak-Zeiten ab. Dafür müssen entsprechende Kapazitätsüberhänge bereitgehalten werden, um diese Peaks abzufedern.

Da aber die vorgehaltenen Kapazitäten auch kosten, ist dies meist ein Knackpunkt. Technisch lassen sich solche Systeme sehr gut skalieren, allerdings sind die Cloudanbieter dafür auf möglichst genaue Vorhersagen der Kunden angewiesen und die gibt es bei den meist nur über Webinterface gebuchten Kapazitäten noch nicht.

Wachstumsmarkt: Onlinebrowsergames

Haben Unternehmen denn keine Vorbehalte, im Rahmen von Cloud Computing ihre Daten ins Netz zu stellen?

Harmel: Natürlich ist die Datensicherheit ein ganz großer Hemmschuh für viele. Das gilt insbesondere für Produktivsysteme. Wir versuchen das Thema für unsere Kunden so transparent wie möglich zu machen. So sagen wir den Unternehmen genau, wo Ihre Daten gespeichert werden, wie sie übertragen, und wo sie entsprechend sicher auch für lange Zeiträume archiviert werden. Diese Verfahren sind bei uns europaweit nach der ISO-Norm 27001 für Informationssicherheitsmanagement zertifiziert, um das den Kunden auch belegen zu können. Sicherheit muss mehr als nur ein Lippenbekenntnis sein.

Gibt es neben den Sicherheitsbedenken noch andere Probleme im Bereich Cloud Computing?

Harmel: Alle Cloud-Lösungen kranken an den sogenannten Service Level Agreements (SLA). Die sind nicht nur schwer zu definieren, sondern lassen sich auch noch nicht vollständig überwachen. Dort muss noch einiges getan werden, um Sicherheit zu geben und damit das Vertrauen der Unternehmen zu gewinnen.

Welche Wachstumsbereiche sehen Sie zusätzlich zu Software on demand und Cloud Computing?

Harmel: Das Onlinebrowsergaming ist auf jeden Fall auch ein großer Wachstumsmarkt. Mit unserem Tier-1-Internet-Backbone und dem darin integrierten Content Delivery Network (CDN), sowie den darauf aufsetzenden, weltweit vorhandenen 29 Rechenzentren sind wir dafür ganz gut aufgestellt. Bereits besteht ein Fünftel unserer Arbeit darin, den internationalen Bedarf der Unternehmen im Bereich des Hostings und der Applikationsverfügbarkeit im Rahmen unseres Netzwerks zu decken. Dieses Segment wird künftig auch eine immer größere Rolle spielen.

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