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Johannes Lenz
Sonstiges 01.09.2015
Sonstiges 01.09.2015

Expert Insights Die vier Pfeiler der Facebook-Strategie

Johannes Lenz, Corporate Blogger bei Akom360

Johannes Lenz, Corporate Blogger bei Akom360

Die letzten Quartalszahlen von Facebook können sich wieder einmal sehen lassen, es ist keine Frage: Beim weltgrößten Social Network läuft es gut. Der Erfolg basiert dabei auf primär vier Faktoren.

Mobile, internetfähige Endgeräte sind auf dem Vormarsch. Schon 2013 hat das Businessinsider festgehalten und prognostiziert. Und was für Geräte gilt, gilt auch für Menschen. Facebook und Mark Zuckerberg sind bestrebt, dass Menschen überall auf der Welt die Möglichkeit haben, sich zu vernetzen und spannende Dinge und Erfahrungen miteinander zu teilen und auszutauschen.

Und dieser Austausch wird längst zumeist von unterwegs aus gepflegt, zumindest aber mit mobilen Endgeräten. Auf diese Nachfrage seiner Nutzer hat Facebook früh reagiert.

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Erinnern wir uns: Mitte 2012 geht Facebook an die Börse. Mitten im Prozess, eine "Mobile First Strategy" zu realisieren. Anfang 2013 legt das Social Network seine Quartalszahlen vor. Facebook ist innerhalb eines Jahres mobil geworden. Facebook hat 680 Millionen mobile Nutzer und rund 160 Millionen „Mobile Only“ Nutzer. Etwas mehr als zwei Jahre später, Mitte 2015, hat Facebook bereits 1,49 Milliarden mobile Nutzer und rund 700 Millionen "Mobile Only"-Nutzer.

Apps und App-Links

Und was nutzen wir mit unseren mobilen Devices ziemlich oft? Apps. Und diese können sogenannte Deep Links setzen, die beispielsweise in eine andere App führen. Für den Facebook Messenger ist das der Fall in der normalen Facebook-App, da seine Funktion "Messaging und Co" in eine "Standalone App" ausgegliedert wurde.

Das Zeichen für den Messenger ist in der Facebook-App enthalten. Ein Klick darauf bringt uns sofort in die Messenger App (wenn wir sie installiert haben). Oder nehmen wir die App Google Maps. In ihr sind unter anderem Uber oder Google Earth prominent vertreten. Will man ihre Funktionen verwenden, wird man direkt in die entsprechende App geleitet. Ist diese nicht installiert, gelangt man direkt zum Download im Store.

Oder aber ein Deep Link führt den Nutzer auf eine Dokument, eine Unterseite, in jedem Fall aber tiefer in eine Webseite als "nur" auf die Startseite oder einer anderen Plattform. App-Links, der "Lego-Baukasten", schaffen es, dass die damit verbundene Komplexität der Vergangenheit angehört. Partner von App-Links sind natürlich Facebook und Parse. Somit liefert das Netzwerk auch noch die Infrastruktur für eine herausragende mobile Nutzerfahrung.

Video

Zu den Faktoren Mobile und Apps gesellt sich inzwischen auch Video. Es wird von Facebook extrem gepusht. Denken wir nur an Facebook Mentions, der Livestreaming-App für Prominente, Künstler, Sportler, Journalisten, die kürzlich live gegangen ist, wie das Beispiel von Richard Gutjahr zeigt. Sein dreieinhalbminütiges Live-Video kommt inzwischen auf rund 10.000 Views und zeigt ihn in einem Cafe in Tel Aviv. Vorstellbar ist auch, diese Option künftig YouTube-Stars schmackhaft zu machen. Letztlich ist das der Beginn des Livestreamings via Facebook für alle.

Daneben wird Facebook die Monetarisierung durch Video (Stichworte: Video Ads, Autoplay, Reichweite, Deep Links) vorantreiben und vermutlich schon in diesem frühen Stadium auch mit Prominenten sprechen. Immerhin müssen sich die Anstrengungen rundum Video, die in Konkurrenz zu "Altmeister" und "weltweit zweitgrößter Suchmaschine" Youtube stehen, rechnen. Übrigens: die Jungs von allfacebook.de, Jens und Philipp, haben diese Vorgehensweise zu Beginn des Jahres in einem Blogpost beschrieben.

Der Bereich Video nimmt bei Facebook in ähnlicher Weise Raum ein wie Bilder vor zwei bis drei Jahren, als es populär wurde, vom visuellen Social Web zu sprechen. Facebook hat diesen Trend zum Bild, den vor allem Instagram und Pinterest angekurbelt haben, in den Mainstream überführt. Ähnliches passiert gerade mit dem, was Livestreaming-Apps wie Meerkat oder Periscope in den letzten Monaten populär gemacht haben.

Und wo die Reise hingeht, sieht man in der Bloomberg Aufzeichnung der Zuckerberg-Keynote recht klar: Virtual Reality, kurz VR, wird das nächste große Ding. Auch hier hat Facebook mit Oculus Rift keine Kosten und Mühen gescheut und das Portfolio gestärkt.

Messenger

Wie bei Video und den beiden Faktoren Mobile und Apps zuvor steht für Facebook auch beim Facebook Messenger das Nutzererlebnis im Mittelpunkt, nämlich das sich Nutzer mühelos vernetzen können und dabei die Möglichkeit haben, sich entsprechend vielfältig ausdrücken und darstellen zu können. Mit den externen Apps, wie Giphy oder JibJab, die bisher in Deutschland für den Messenger zur Verfügung stehen, ist dies gewährleistet.

Beim Messenger kommt noch ein dritter Aspekt hinzu: das Kauferlebnis zu stärken. Das passiert, indem Marken auf dem Messenger komplette Kaufprozesse abwickeln können, von der Beratung über die Verfolgung von Bestellungen bis hin zum eigentlichen Kauf.

Johannes Lenz Zitat

Durch die Marken auf dem Messenger wird auch dieser zur Monetarisierung beitragen. Letztlich ist er für Facebook die Option, die Relevanz für das Marketing unter Beweis zu stellen. Mit Branchenprimus WhatsApp probiert sich Facebook dann zu gegebener Zeit aus.

Im Segment der Messenger steht Facebook zudem unter dem Druck der asiatischen Messenger WeChat und LINE, die wesentlich marketing-orientierter sind als die hauseigenen und zudem mit externen Apps und einem "Horizont" versehen sind, der als mobile integrierte Plattform bezeichnet werden kann.

Drei Take-aways:

  • Trotz vieler anderslautender Meldungen: Für Facebook steht das Nutzererlebnis (Nutzer-Nutzer und Nutzer-Marken) im Zentrum allen Handelns
  • Mobile, Apps, Video und Messenger stärken das Nutzererlebnis sowie das Portfolio des weltweit größten Netzwerkes
  • Facebook ist langfristig an der Monetarisierung aller vier strategischen Pfeiler interessiert und wird diese vorantreiben
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