Facebook reagiert auf Kritik von US-Datenschützern 20.08.2010, 10:29 Uhr

"Funktion nicht verstanden"

Es ist ein eingespieltes Vorgehen: Facebook stellt eine neue Funktion vor und Datenschützer schlagen Alarm. Jetzt geht das Netzwerk zum Gegenangriff über und wirft den Datenschützern vor, das gerade eingeführte Facebook Places nicht verstanden zu haben. Unterdessen reagiert Google auf seine Weise auf den neuen Service.
Reaktionen auf Facebook Places
Die kalifornische Datenschutzorganisation American Civil Liberties Union kritisierte in einer ersten Stellungnahme, dass Places das geografische Taggen von Dritten erlaube. Zudem sei es zwar sehr einfach, die Funktion mit einem Klick einzuschalten, für das Ausschließen aus dem Geo-Taggen stehe hingegen keine Schaltfläche mit "Nein" zur Auswahl, sondern nur "Jetzt nicht".
Auch die Tatsache, dass die über Places erfassten Koordinaten mittels Applikationen auf anderen Webseiten gezeigt werden können, gefällt den Datenschützern nicht. Positiv bewerteten sie hingegen, dass die Voreinstellung der Funktion die Daten nur für Freunde sichtbar mache.
"Wir sind enttäuscht", kommentiert jetzt Facebook die Kritik des ACLU. Die Funktion setze neue Standards für Nutzerkontrolle und Datenschutz bei ortbezogenen Services. "Das Büro von ACLU ignoriert das und scheint nicht zu verstehen, wie der Dienst funktioniert." Nutzer, die ihre Zustimmung zu Places nicht gegeben haben, werden nicht mit bestimmten Locations in Verbindung gebracht - selbst wenn einanderes Mitglied sie an diesem Ort angemeldet (getaggt) habe. "Niemand kann an einem Ort eingecheckt werden, ohne vorher seine Zustimmung gegeben zu haben."
Unterdessen versucht Google, mit einem Blogbeitrag zu seinen eigenen Lokalisierungsdiensten dem Trubel um Facebook Places etwas entgegenzusetzen. Der Internetgigant weist auf seine innerhalb von Google Maps for Mobile ebenfalls zur Verfügung gestellten Geo-Taggingoptionen. Über das Programm Latitude werden die Koordinaten von Freunden auf dem Handy angezeigt.
Facebook Places wurde gestern für den US-amerikanischen Markt gelauncht. Über die iPhone-App können die Mitglieder an bestimmten Orten "einchecken" und diese damit für ihre Facebook-Kontakte sichtbar als ihren aktuellen Aufenthaltsort angeben. Die von ihnen eingestellten Privatsphäre-Optionen bleiben erhalten. Auch Fotos können über den Locationservice mit geografischen Angaben versehen und so in einen lokalen Kontext gestellt werden. Eine Vorschlagsfunktion empfiehlt dem Nutzer weitere interessante Orte, die sich in seiner Nähe befinden.
Die ortsbezogenen Daten sind gerade auch für Unternehmen und Werbetreibende spannend. Diese können nicht nur als Aufenthaltsorte in den Statusmeldungen der User erscheinen, sondern auch gezielt Nutzer ansprechen, die sich bei ihnen aufhalten.
Der Dienst soll in den kommenden Wochen auch in Deutschland angeboten werden.



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