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Helge Ruff

Gastkommentar Social Media Marketing: 4 Trends und ein Wunsch

Helge Ruff, CEO OneTwoSocial

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Helge Ruff, CEO OneTwoSocial

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Es ist Dezember und damit Zeit für den traditionellen Blick in die Glaskugel. Was müsste man tun, um in Sachen Social Media im nächsten Jahr vorne dabei zu sein? Helge Ruff, CEO der Agentur OneTwoSocial, wagt einige Prognosen - und hat einen Wunsch.

Von Helge Ruff, CEO der Agentur OneTwoSocial

Daten: Es ist an der Zeit, ernst zu machen

Dass Daten eine der wichtigsten Grundlagen für Unternehmenserfolg sind, weiß jeder. Umso erstaunlicher, dass Marketer sich gerade bei diesem Thema häufig auf dem Erreichten ausruhen: Wie lange wissen wir schon, dass Followerzahlen oder Engagement Rates nur "Krücken" sind auf dem Weg zu dem, was wirklich Aussagekraft hat?

Ich denke, hier wird sich 2022 einiges tun. Denn wie man es besser macht, haben einige bereits 2021 gezeigt, etwa Kentucky Fried Chicken Deutschland. Sie haben damit begonnen, ihr komplettes Performance-Marketing nach einem ganzen Haufen verschiedener Parameter durchzutesten und so die effektivsten Erfolgstreiber zu identifizieren. So lässt sich, nicht nur bei KFC, eine Social-Media-Marketing-Stellschraube nach der anderen optimieren, auf dass Kunden glücklicher und Unternehmen erfolgreicher werden.

Um den Kunden statt um sich selbst kreisen

Auch mein zweiter Trend ist in der Theorie nichts neues - aber ich denke, 2022 werden wir hier ins Tun kommen. Es geht um die Erstellung von wirklich Nutzer-zentriertem Content. Denn je mehr sich die sozialen Medien ausdifferenzieren, umso wichtiger ist es, sich mehr auf die Ansprüche der Community einzulassen.
Ein wichtiger Aspekt dieser Nutzer-Zentrierung wird Short Content sein. Nicht mehr "Content is King", sondern "Short Content ist King". Inhalte müssen kurzweilig und snackable sein - und perfekt auf dabei den Punkt gebracht werden. Das gilt besonders für Bewegtbilder. Denn 2022 wird das Jahr der Short Videos. Dafür muss man kein Prophet sein - wer auch nur ab und an auf TikTok ist, weiß Bescheid.

Echtzeit? Die Abstimmung braucht echt Zeit!

Von Trend drei wünsche ich mir, dass er entweder professioneller angegangen wird - oder gar nicht. Nämlich das Echtzeit-Marketing. "Unser Mitbewerber hat gestern was mit Squid Game gemacht - mit einer ziemlich fetten Reichweite! Warum haben wir dazu nichts?" Diese oder ähnliche Fragen von Top-Führungskräften setzen in vielen Unternehmen immer wieder die größten "Ressourcen-Verschwendungs-Schleudern" im Marketing in Gang.

Denn sie führen zu (mindestens) einer E-Mail an die Agentur. Die schickt dann am nächsten Tag Vorschläge, die wiederum bis zum übernächsten Tag ausgewählt werden und einige davon am "überüberübernächsten" Tag produziert - und wenn sie dann weitere drei Tage später die Freigabe von Legal, Marketing-Leiter und allen anderen mehr oder weniger relevanten Mitentscheidern haben, ist der Hype auf jeden Fall vorbei. Squid Game? War da was?

Wer von Echtzeitthemen profitieren möchte, sollte 2022 extrem schlanke Zweitstrukturen aufbauen. Und mit schlank meine ich: wirklich schlank - mit Dauer-Monitoring, freien Ad-hoc-Ressourcen und Fast-Lane-Abstimmungsprozessen. Wer das konsequent macht, kann wunderbare Erfolge generieren. Doch selbst dann gilt: Wer in Echtzeit gewinnen will, muss auch den Mut haben, blöde Kommentare zu ernten, und damit leben, vielfach trotz allem zu spät zu sein und am Ende auch mal nur die zweitbeste Idee ins Rennen geschickt zu haben.   

Weihnachten: nicht jeder die gleiche Kampagne!

Trend fünf ist ein Trend, den ich mir wünsche - das muss aber in diesem Fall erlaubt sein, denn es geht um Weihnachten. Liebe Leute, die Flut der immergleichen Weihnachtskampagnen schwillt von Jahr zu Jahr weiter an. Und die meisten Auftritte verschwinden mittlerweile direkt in der Versenkung oder sichern sich allenfalls noch ihre sprichwörtlichen "15 minutes of Fame".

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich finde die Kampagnen von Amazon, Lidl, Saturn und zuletzt Penny wunderbar. Ich frage mich nur, ob die immer gleiche Mechanik noch die gleiche Zugkraft hat wie vor ein paar Jahren. Trifft sie auch 2021 noch mitten ins Herz der Menschen? Oder bewegt die Leute gerade nicht etwas ganz anderes?

Mir jedenfalls scheint: Der Mediaaufwand, mit dem sich mittlerweile viele Tränendrüsen-Kampagnen aus dem Herzschmerz-Einerlei herauspressen müssen, schreit nach neuen kreativen Weihnachtsideen. Heute ist das noch ein Wunsch - aber wenn wir alle danach handeln, wird es zum Trend. Frohes Fest!

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