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Philip Missler

Philip Missler, Pinterest "Bei uns können Einzelhändler jeder Größe entdeckt werden"

Philip Missler, Country Manager DACH und Nordics bei Pinterest

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Philip Missler, Country Manager DACH und Nordics bei Pinterest

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Im April heuerte Philip Missler bei Pinterest an. Der bisherige Vermarktungschef von Amazon Deutschland kümmert sich dort als Country Manager DACH und Nordics um das Sales-Geschäft der "visuellen Suchmaschine". Im Interview erklärt er, was das Netzwerk Händlern bietet.

Im April führte Pinterest Werbeanzeigen in Deutschland ein. Die Anzeigenformate sind über eine Selbstbedienungs-Plattform verfügbar, mit großen Marken wird auch direkt gearbeitet. Damit einher ging der Aufbau eines Sales Teams in Deutschland, Spanien und Italien, die direkt mit Werbungtreibenden und Agenturen vor Ort zusammenarbeiten. Hier kommt Philip Missler ins Spiel: Der bisherige Vermarktungschef von Amazon in Deutschland kümmert sich seit Frühjahr als Country Manager DACH und Nordics um den Aufbau des Sales Teams für die DACH-Region und die "Weiterentwicklung bestehender und neuer Beziehungen zu Marken, Verlagen und Agenturen".

Seit April hat sich viel getan bei der "visuellen Suchmaschine": So ging die Plattform an die Börse und man arbeitet intensiv an Shopping Features und Video Pins für Unternehmen. Wie sich Pinterest immer mehr zur Shopping-Plattform mausert, was die weiteren Pläne für 2019 sind und wie sehr Instagram Wettbewerber ist, erklärt Philip Missler im Interview.

Pinterest ist im Frühjahr 2019 mit der Werbevermarktung in Deutschland gestartet. Wie verlief der Start?
Philip Missler: Wir haben seit dem Start in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchweg positive Rückmeldungen von Unternehmen aller Größenordnung und Branchen erhalten. Der pro-aktive Wunsch, auf Pinterest zu werben war von Anfang an sehr hoch. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens, wir konnten zum Launch auf viele bestehende Beziehungen zu Unternehmen aufbauen, die Pinterest bereits erfolgreich als unbezahltes Tool eingesetzt haben und darüber enorme Reichweite aufbauen konnten. Auf Pinterest überschneidet sich das Interesse des Nutzers mit dem des Werbetreibenden - Menschen kommen zu Pinterest, um Dinge zu entdecken, und Werbetreibende möchten entdeckt werden.

Ein zweiter Beweggrund, den wir beobachten, ist ein starker Wunsch bei Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen in positiven Umfeldern zu platzieren, in denen Menschen mit einer offenen Einstellung unterwegs sind und ihren Interessen nachgehen. Es gibt viel Negativität da draußen, wir möchten etwas anderes bieten, nämlich Inspiration und Ideen.

Können Sie erste Kunden und Zahlen nennen?
Missler:
Unter den ersten Werbetreibenden sind  beispielsweise Ferrero, Tchibo und Rewe. Tchibo konnte mit seiner ersten Werbekampagne starke Ergebnisse erzielen und plant, weiter auf Pinterest zu investieren. Mit einer Kampagne für Küchen- und Haushaltsprodukte sowie für Wellness- und Trainingskleidung konnten sie im Alterssegment 18- bis 24 Jahre die Kaufabsicht um vier Prozent und die Markenbekanntheit um 3,5 Prozent steigern. Der E-Commerce Retailer und Shopping Club Limango erzielt eine konstante Conversion Rate von sieben Prozent und mehr auf Pinterest und plant bereits seine Marketing Media Budgets in Zukunft stärker zu Gunsten von Pinterest einzusetzen.

Pinterest

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Wie sieht das typische Nutzerverhalten auf Pinterest aus?
Missler: Unsere Nutzer haben ein besonderes Mindset. Sie kommen zu Pinterest, wenn sie zukunftsorientiert, offen, intentions-getrieben und nachdenklich sind. Sie wollen neue Möglichkeiten entdecken, sich inspirieren lassen und diese Inspiration dann zu einem Teil ihres Lebens machen. Es geht nicht darum, das Leben von Prominenten zu verfolgen oder die Nachrichten zu diskutieren. Sondern darum, Ideen für das tägliche Leben zu finden: Wo möchte ich in den Urlaub fahren? Was soll ich zum Abendessen kochen? Was schenke ich zu Weihnachten? Welchen Haarschnitt möchte ich? Genau dieses Mindset und das hohe Engagement der Nutzer - etwa 70 Prozent der Pinner klicken und merken sich Pins anstatt nur zu browsen - bieten Unternehmen die Möglichkeit, Menschen in diesem Inspirationsprozess zu begleiten und mit ihren Produkten und Dienstleistungen in genau dem Moment zu erreichen, in dem sie eine Präferenz bilden und eine Kaufentscheidung treffen. 

"Pinterest ist kein soziales Netzwerk"

Sie werden gerne mit Instagram verglichen, da bei beiden Portalen starke Bilder im Vordergrund stehen. Dabei verfolgen sie eigentlich zwei grundverschiedene Ansätze, oder?
Missler: Vor allem ist Pinterest eine visuelle Suchmaschine und kein soziales Netzwerk. Dies bedeutet, dass wir eine leistungsstarke Suchmaschine sowie eine Technologie haben, die Menschen auf der Grundlage von visuell ähnlichen Ideen und dem, was wir als "Tastegraph" bezeichnen, auf sie zugeschnittenen Ideen zuordnen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Missler:
Wenn Sie auf Instagram nach "schwarzen Stiefeln" suchen, erhalten Sie Konten und Hashtags. Auf Pinterest finden Sie jedoch Produkte, Ideen zu deren Kombination und Keywords, mit denen Sie Ihre Suche eingrenzen können. Was Sie auf Instagram sehen, basiert auf einem Follower-Modell. Auf Pinterest zeigen wir Ihnen personalisierte Ideen, basierend auf dem, was Sie gesucht und auf ihren Pinnwänden gemerkt haben, während Sie Ihren Geschmack entwickeln und dann nach Pins suchen, diese merken, drauf klicken und kaufen beziehungsweise in die Realität umsetzen. Inhalte auf Pinterest konkurrieren nicht mit persönlichen Fotos.
 
Und schließlich ist es wieder das Mindset, das uns absetzt. Die Leute sind auf Pinterest in einem Umfeld, in dem Marken willkommen sind. Sie entdecken dort Ideen und Inspirationen, die sie ausprobieren oder kaufen möchten. Pinterest ist nicht zum Durchsuchen von Fotos und Videos von Freunden, Familie oder Celebrities gedacht. Wir beobachten, dass Menschen ein wachsendes Bedürfnis nach Inspiration haben. Sie möchten ihr Leben nachhaltiger, achtsamer und authentischer zu gestalten. Sie suchen nach digitalen Angeboten, die einen positiven Effekt auf ihr Leben haben, bei denen es um ihre Interessen, ihr Leben, ihre Zukunft geht.

Zum Konkurrenten wird Instagram jedoch beim Thema Social Shopping: Wie sehr wandelt sich Pinterest zur Verkaufsplattform und wie ist der Stand bei Shopping-Anzeigen in Deutschland?
Missler: Pinterest ist keine reine Verkaufsplattform, aber Shopping ist ein essenzieller Teil der Nutzererfahrung, wenn es darum geht, eine Inspiration oder Idee in die Realität umzusetzen. Die Leute sind schon immer zu Pinterest gekommen, um einzukaufen. Insbesondere in den letzten Jahren haben wir den Grundstein für mehr Einkäufe gelegt und das Produkt und unsere Empfehlungen verbessert. Ziel ist es, das Einkaufen für alles, was Sie auf Pinterest sehen, zu vereinfachen. 
 
Dabei verstehen wir Shopping nicht als die reine Transaktion des Kaufes, sondern den gesamten Prozess von der Inspiration, wenn ich noch gar nicht genau weiß, was ich möchte, bis hin zur Tätigung des Kaufs, wenn ich mich für ein Produkt oder Dienstleistung entschieden habe. 
 
Wir glauben, dass die Zukunft des Einkaufens von der visuellen Suche bestimmt wird. Aus diesem Grund investieren wir seit Jahren stark in die Computer Vision-Technologie, um Pinner mit Produkten zu verbinden, die ihrem Geschmack und Stil entsprechen. Auf Pinterest können Sie visuell suchen. Sie können sogar unsere Kamera-Suchtechnologie verwenden, um auf Pinterest die Dinge zu finden, die Sie in der realen Welt inspirieren.

Was macht Sie dabei besonders?
Missler: Da Pinterest eine Such- und Entdeckungsplattform ist - und nicht nur ein auf sozialen Kontakten basierendes Modell-, können Einzelhändler jeder Größe entdeckt werden. 97 Prozent der 1.000 beliebtesten Suchanfragen sind "unbranded'. Dies bedeutet, dass die Suche in der Regel mit wenigen Stichwörtern oder einer visuellen Suche anstelle eines bestimmten Markennamens beginnt, und so auch kleinere Unternehmen die Chance haben, entdeckt zu werden.

Sie gehen aktuell stark in die Kommunikationsoffensive, halten auch auf der diesjährigen dmexco die Keynote. Mit welcher Botschaft gehen Sie auf die Messe? Treten Sie als Marketing-, als Commerce-Plattform oder als Social Network auf?
Missler: Wir freuen uns dieses Jahr erstmals mit einem Stand auf der dmexco vertreten zu sein und dort bestehende und zukünftige Partner willkommen zu heißen. Sie finden uns in Halle 6, Stand D-070. Dort können Besucher unser Team kennenlernen und das Mindset unserer Nutzer entdecken und die Themen und Trends, für die sich deutsche Nutzer aktuell interessieren und die sie auf Pinterest shoppen. Am 12. September halte ich auf der Experience Stage eine Keynote zum Thema "Why the World needs more Inspiration" und diskutiere im Anschluss mit weiteren Branchen Experten, wie Werbung sich im digitalen Zeitalter verändert.

Welche Pläne verfolgen Sie mit Pinterest Deutschland für 2019?
Missler: Die Arbeit, die das Team in den vergangenen Jahren in Deutschland geleistet hat, hat ein solides Fundament für starke Markenbeziehungen und ein hohes Maß an Bekanntheit und Verständnis im Markt gelegt. Die Tatsache, dass Unternehmen bereits einen signifikanten organischen Wert sehen, insbesondere in Kernkategorien wie Essen und Trinken, Mode, Wohnen und Beauty, zeigt die natürliche Übereinstimmung, die Pinterest und Marken bereits aufweisen. Wir planen, auf dieser starken Basis aufzubauen und bestehende und neue Partnerschaften mit großen, mittleren und kleinen Unternehmen weiter auszubauen.
 
Wir sprechen mit globalen und lokalen Markenpartnern aus verschiedenen Branchen wie Einzelhandel, CPG, Auto, Reisen und Finserve. Wir sehen auch ein starkes Engagement von SMBs und DTCs für unser self-served Werbetool. Wir fokussieren uns außerdem weiterhin darauf, unser Sales Team in Hamburg und Berlin weiter aufzubauen.

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