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Satire

Vermeintliche Shitstorm-Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr Shitstorm im Wasserglas

Fatale Verwechslung: Die ARD nahm eine Satireseite für bare Münze.

Fatale Verwechslung: Die ARD nahm eine Satireseite für bare Münze.

Die Social-Media-Agentur "Torben, Lucie und die gelbe Gefahr" (TLGG) hat es überraschend in die ARD Tageswebschau geschafft. Deren Redaktion nämlich verdächtigte TLGG, mit der jüngsten Shitstorm-Welle in Verbindung zu stehen. Offensichtlich ein Irrtum, wie sich nun herausstellt.

Als Journalist hat man es oft nicht leicht: Nur allzu schnell lässt man sich zu einer gewagten These hinreißen und sieht sich anschließend geballter Kritik ausgesetzt. So geschehen in der Redaktion der ARD Tageswebschau. Diese griff die im Netz kursierende Shitstorm-Debatte auf und begann damit, eigene Nachforschungen anzustellen. Bei ihrer Recherche stolperte sie über die Webseite "WeShitTheStorm", eine Agentur, die angeblich professionell Shitstorms auslöst. Weitere Recherchen ergaben, dass die Webseite offenbar von einem Mitarbeiter von TLGG betrieben wird - Volltreffer, dachte man sich bei der ARD und machte die Geschichte zum Thema der Ausgabe vom 8. August.

Zugegeben, das Ganze klingt auch nach einer tollen Story und einer mehr als befriedigenden Erklärung für die Empörungsflut der letzten Tage, vor allem natürlich aus Sicht der Unternehmen: Ganz klare Sache, die Shitstorms waren gekauft, womöglich sogar von der Konkurrenz. Aber ganz so leicht ist es dann noch nicht: Zwar muss man der ARD zugutehalten, dass niemals direkte Vorwürfe gegen die Agentur TLGG erhoben wurde. Durch die Art und Weise der - inzwischen überarbeiteten - Berichterstattung wurde dem Zuschauer der Zusammenhang zwischen den Shitstorms bei Galileo, McDonalds und Co. und der Berliner Agentur jedoch geradezu aufgedrängt.

Es gibt keine schlechte Publicity

Die Wirklichkeit sieht allerdings etwas anders aus: Es stimmt zwar, dass ein Mitarbeiter vom TLGG die Webseite „WeShitTheStorm“ in seiner Freizeit betreibt. Dabei handelt es sich allerdings ganz offensichtlich um eine Satireseite, die mit Texten wie diesen wirbt: "Sie haben ein echt mieses Produkt? Ihr Kundenservice ist unter aller Sau? Wir machen Ihren Shitstorm möglich! Individuell. Customized. Fully Reported. Mit echter Scheisse-Garantie."

Es drängt sich die Frage auf, wie die ARD-Redaktion diese Satire nicht erkannte. Selbst Aufforderungen wie "Schicken Sie uns am besten gleich keine E-Mail, denn unser Kundenservice ist genau so scheisse wie Ihrer. Wir hassen Ihre Nachricht!" erweckten offenbar keinen Verdacht, immerhin vermutete man ja eine namhafte Agentur hinter der Webseite.

Diese freut sich indes über die Publicity und den massiven Zuwachs an Facebook-Fans seit der unglücklichen Berichterstattung, hat sich inzwischen allerdings für alle Fälle selbst eindeutig als Satireseite gekennzeichnet. Ähnlich gelassen sieht man die Sache auch bei TLGG: Frei nach dem Motto: "Es gibt keine schlechte Publicity" veröffentlichte man dort ein offizielles Gegen-Statement und versprach, seine Anwälte an die kurze Leine zu nehmen. Denn: "Shit(storm) happens!"

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