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Werkzeug Shitstorm "Je größer die Fallhöhe, desto lauter der Aufprall"

Längst schon ist klar, dass Shitstorms politische wie wirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen können und somit zu einem wichtigen Instrument für Medien- und Werbeprofis geworden sind. Nun ist eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu erschienen.

Daniel Graf, Berater der Medienagentur Feinheit, und Dominik Ryser, Social-Media-Verantwortlicher bei Sportausrüster Mammut, referierten kürzlich vor der Zürcher PR Gesellschaft zum Thema "Vom Leserbrief zum Shitstorm". Beide Experten sind der Meinung, dass Shitstorms selten zufällig entstehen. Vielmehr sei es ein Handwerk, eine solche Empörungswelle im Netz zu produzieren. Aus eigener Erfahrung geben beide wertvolle Tipps, wie man als Unternehmen auf einen aufkommenden Shitstorm reagiert, beziehungsweise was man als Inititator beachten muss.

Wie starte ich einen Shitstorm?

Daniel Graf hat eine ausführliche Infografik zum Thema erstellt, die wie eine Checkliste verwendet werden kann: Wie kann man mit verhältnismäßig einfachen Mitteln über soziale Medien öffentlichen Druck erzeugen? Dazu sind einige simultane und kollektive Aktionen nötig - hier die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

  • Videos statt Text: Videos lassen sich schneller verbreiten und werden eher geteilt als Text. Die Gegenseite braucht Zeit, um mit eigenen Videos zu reagieren.
  • Lärm verursachen: Bei Lärm trauen sich mehr Menschen, laut zu schreien. Newsletter sind ein gutes Mittel zum Mobilisieren: Emails haben  nach wie vor hohe Öffnungsraten und gehören immer noch zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln im Netz. Auf öffentlichen Kanälen geben die User dann ihre Kommentare ab. Es wird lauter...
  • Journalisten bedienen: Medien sind ein Schlüsselelement, um ein Thema massentauglich zu kommunizieren. Bei den Onlinemedien ist übrigens es in der Regel leichter, ein Thema unterzubringen.
  • Twitter als Leitmedium: Twitter ist offener und deutlich schneller als Facebook. Der ideale Kanal.
  • Penalty provozieren: Druck aufbauen, Stress machen... das provoziert Fehler bei der Gegenseite. Fehler am besten mit einem Screenshot dokumentieren. Reagiert die Gegenseite nicht, eventuell mit einem Countdown herausfordern.

Sofortmaßnahmen

Etwas schwerer hat man es als Betroffener: Wenn der Shitstorm über das eigene Unternehmen hereinbricht, ist man als PR-Profi besonders gefordert. Der plötzliche Kontrollverlust kann zu undurchdachten Reaktionen führen. Doch keine Panik, Dominik Ryser hat ein paar Tipps für Sofortmaßnahmen parat:

  • Twitter als Pulsmesser: Unbedingt selbst auf Twitter aktiv sein. Ein Monitoring aufbauen (zum Beispiel über Google Alerts oder Twitter Search), zuhören und mitreden.
  • Keine allgemeinen PR-Aussagen platzieren! Nichts übereilen, stattdessen Kommentare lesen und überlegt reagieren.
  • Ohne Medien kein Shitstorm. Eine Empörungswelle erreicht ihren Höhepunkt dann, wenn sie auch von den traditionellen Medien (TV, Zeitung, Radio) aufgenommen wird.

Die begleitenden Folien zum Referat von Daniel Graf und Dominik Ryser finden sich auf Slideshare.net. Das Script "Shitstorm für Dummies: 10 Tipps, wie ich einen Shitstorm starte. 10 Tricks, was ich dagegen tun kann" ist auf Anfrage bei Daniel Graf erhältlich.

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