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Nur für Europa Facebook rollt neue Datenschutzeinstellungen offiziell aus

Fotolia.com/peshkova
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Facebook will noch diese Woche seine Datenschutzeinstellungen auf die neue DSGVO ausrichten. Zu Beginn sind nur Nutzer in Europa betroffen, nach und nach wird auch der Rest der Welt seine Kontodaten überprüfen und anpassen können.

Facebook macht klar Schiff und will noch diese Woche DSGVO-konforme Datenschutzbedingungen ausrollen. Dazu gehört auch die Aktualisierung der Nutzungsbedingungen und Datenpolitik, schreibt das Unternehmen auf seinem Blog.

Zunächst können sich die europäischen User auf die Änderungen vorbereiten, der Rest der Welt soll nach und nach entsprechend informiert werden. Das allerdings soll regional dann doch unterschiedlich aussehen, gegenüber Reuters bestätigte Facebook sogar, dass User in Afrika, Asien, Australien und Lateinamerika (also etwa rund 1,5 Milliarden Facebook-Nutzer) von den vollständigen DSGVO-konformen Regeln ausgeschlossen bleiben werden.

Der Nutzer kann bald über folgende Aspekte neu entscheiden:

  • Werbung, die auf Partnerdaten basiert: Anzeigen können umso zielgruppenspezifischer ausgeliefert werden, je mehr externe Daten von Drittanbietern mit einfließen. Dazu gehören zum Beispiel integrierte Like Buttons auf externen Webseiten oder Apps. Darüber kann der Nutzer individuell entscheiden.

  • Profilinformationen: Der User hat die Option, in seinem Profil Informationen zum Beziehungsstatus, politischen oder religiösen Ansichten zu hinterlegen. Er kann nun entscheiden, ob Facebook diese Daten verwenden und weitergeben darf. Ebenso soll es Nutzern erleichtert werden, entsprechende Infos schneller zu löschen.

  • Gesichtserkennung: Facebook will eine Gesichtserkennungstechnologie einführen, die Nutzern "mehr Sicherheit" bieten soll. User können damit auf Fotos und in Videos automatisch erkannt werden, ohne dass sie vorher jemand markieren muss. Dem Unternehmen zufolge sollen Nutzer so einfacher kontrollieren können, welche Bilder veröffentlicht werden, auf denen sie zu sehen sind. So soll es immer einen Hinweis geben, wenn Facebook ein Bild der eigenen Person erkennt und man zur festgelegten Zielgruppe des Fotos gehört. Auch Profilkopien durch Betrüger sollen so verhindert werden. Im Zuge der Datenschutzbedingungen haben User in der EU und in Kanada die Möglichkeit, die Gesichtserkennung ein- oder auszuschalten. Die Verwendung ist freiwillig.
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  • Aktualisierte Nutzungsbedingungen und Datenrichtlinien: Nutzer müssen den neuen Bedingungen zustimmen, wenn sie Facebook wie gewohnt verwenden wollen. Sie beinhalten nach eigenen Angaben "detailliertere Antworten auf Fragen zur Funktionsweise der Dienste". Neue Rechte zur Erhebung oder Nutzung der Daten sollen nicht eingefordert werden, zudem verpflichtet sich Facebook weiterhin, keine Informationen an Werbekunden oder andere Partner zu verkaufen. Auch ein Kontakt zum Datenschutzbeauftragten wird genannt.
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Nutzer können ihre Datenschutzeinstellungen in Kürze neu prüfen und anpassen.

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  • Tools: Facebook bringt einige Tools, mit denen Nutzer einfacher ihre Daten einsehen, löschen, herunterzuladen und exportieren können. Diese Tools sind weltweit verfügbar, auch wenn sie DSGVO-konform konzipiert wurden. Zudem wurde auch das Aktivitätsprotokoll auf dem Smartphone aktualisiert, um es Usern zu erleichtern, die Informationen, die sie mit Facebook geteilt haben, von ihrem mobilen Gerät aus zu sehen.

  • Kinder und Jugendliche: Es soll spezielle Schutzmaßnahmen für Jugendliche geben, unabhängig vom Standort. Beispielsweise sind die Werbekategorien für Jugendliche begrenzter und ihre Standard-Einstellungen für Beiträge beinhalten nicht "öffentlich". Zudem gibt es keine Gesichtserkennung für alle unter 18 Jahren und es wird begrenzt, wer bestimmte Informationen sehen oder suchen kann, die Jugendliche geteilt haben, darunter Heimatstadt oder Geburtstag. Noch in diesem Jahr soll zudem ein neues globales Online-Ressourcenzentrum speziell für Jugendliche eingeführt werden.

    Teenager zwischen 13 und 15 Jahren benötigen laut DSGVO in einigen EU-Ländern die Erlaubnis eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten, um Funktionen auf Facebook zu erlauben, etwa Anzeigen, die auf Daten von Partnern basieren, oder Informationen wie religiöse und politische Ansichten. Diese Jugendlichen sollen künftig eine weniger personalisierte Version von Facebook mit eingeschränkter Freigabe und weniger relevanten Anzeigen sehen, bis sie von einem Elternteil oder Erziehungsberechtigten die Erlaubnis erhalten, alle Bereiche von Facebook zu nutzen. Jeder Teenager wird gefragt, ob er Anzeigen auf der Grundlage von Daten von Partnern sehen möchte und ob er persönliche Informationen in sein Profil aufnehmen will.

Offen bleibt natürlich die Frage, ob der durchschnittliche, vielleicht nicht ganz so online-erfahrene User im Daten-Dschungel wirklich den Überblick hat und versteht, auf was er sich mit einem Klick einlässt. Auch wie Facebook entsprechende Kontrollmechanismen bei Jugendlichen in der Praxis umsetzen möchte, bleibt noch ungeklärt.

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