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Google Creative Sandbox

Google Creative Sandbox Berlin ?Weg mit den Bildschirmen?

In einer alten Fabrikhalle in Berlin sucht der Suchmaschinengigant nach Visionen für das Internet - zum Teil auch für die Zeit nach dem Webbrowser

Bevor Lars Lehne, Country Director Agency Google für den deutschsprachigen Raum, seine Gäste am Donnerstagnachmittag in Berlin begrüßen konnte, musste er erst einmal innehalten und ein Foto vom Publikum machen: "Ein toller Anblick, das glaubt mir kein Mensch." Rund 900 Teilnehmer hatten sich für den Event angemeldet, der den Abschluss des "Summer of Creativity" bildet, eine Veranstaltungsreihe, in der Google in die Zukunft des Internets blickt.

Indy Saha, seit 2011 Chef der konzerneigenen Ideenschmiede Creative Lab Europe, stellte eine Reihe von Google-Initiativen vor, die sich vom Bild der reduzierten Suchseite weit entfernt haben, vom interaktiven Google-Doodle zu Ehren des Gitarrenbauers Les Paul, das Tausende von Nutzern dazu brachte, damit Musikstücke aufzunehmen, bis zu einem Youtube-Wettbewerb, in dem ein Experiment gesucht wurde, das in der Raumstation ISS durchgeführt werden soll. Die siegreiche Versuchsanordnung – erdacht von einer jungen Ägypterin – fliegt in diesen Tagen ins All, die Resultate werden auf Youtube übertragen.

Andere Ideen in Berlin führen noch weiter weg von dem Web, wie wir es kennen: Sommerkleidung zum Beispiel, die im Kleiderschrank durch Blinken auf sich aufmerksam macht, wenn das Wetter gut genug ist, um sie anzuziehen. Ein Referent brachte die Forderung auf den Punkt: "Weg mit den Bildschirmen!"

Wie man solche Dinge monetarisieren soll, dazu gab es in Berlin keine Antworten. Doch für Google-Sprecher Klaaas Flechsig ist das kein Problem: "Glücklicherweise haben wir genügend Kapazitäten, einfach einmal Dinge auszuprrobieren, ohne dass sie gleich profitabel sein müssen."

Wie Creativity-Lab-Chef Indy Saha das Verhältnis von Google zur Kreativität sieht, hat er uns in einem kurzen Interview verraten. 

?Reibungsloses Erlebnis ist das Entscheidende?

Mr. Saha, die Dinge, die auf der Google Sandbox präsentiert wurden, haben sich zum Teil doch sehr weit von dem entfernt, wofür Google einmal bekannt war: Eine puristische, reduzierte Website mit einer Suchzeile drauf.

Indy Saha: Google’s Mission war immer, den Menschen den Zugang zu Information zu erleichtern. Und auch die Dinge, über die wir hier in Berlin diskutiert haben, dienen letztlich diesem Ziel. Es ist die Aufgabe des Creative Labs, ständig über neue Wege nachzudenken, wie wir den Menschen Informationen zugänglich machen können und wie die Nutzer das Internet besser erleben können.

Wenn Sie sich über neue Technologien Gedanken machen, wann kommt der Punkt, an dem es auch darum geht, neue Angebote vermarktbar zu machen?

Saha: Ich bin da vielleicht nicht die richtige Person, um dazu viel zu sagen, aber wir liefern den Agenturen, mit denen wir zusammenarbeiten, die Ideen, mit denen sie dann neue Werbekonzepte entwickeln können. Letztlich geht es aber bei vielen neuen Dingen auch um die Weiterentwicklung von Display Advertising. Hier hat sich in den letzten 15 Jahren kaum etwas verändert, da müssen wir viel tun. Display Advertising ist eben mehr als ein Klick auf einen Banner.

Ketzterische Frage: Google gehört zu den erfolgreichsten Angeboten im Internet. Warum ändern Sie es dauernd, kaum dass man sich daran gewöhnt hat?

Saha: Unser wichtigstes Ziel ist die „Seamless Experience“, also das reibungslose Erlebnis. Wir wollen es unseren Nutzern so einfach wie möglich machen, das zu tun, was sie tun wollen. Und wenn wir etwas ändern, dann nur um das reibungslose Nutzererlebnis zu verbessern. Solange wir uns daran halten, werden wir Erfolg haben.

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