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Chris Brogan "Google+ for Business" Warum Googles Social Network alles verändert

Mit sozialen Netzwerken hat es Google ja eigentlich nicht so. Das zeigte sich mit dem Versuchsballon Buzz, der prompt platzte. Google+ sei da etwas ganz Anderes, meint Social-Media-Berater Chris Brogan. In seinem Buch "Google+ for Business“ erklärt er nicht nur, warum das so ist, sondern auch wie Unternehmen das Netzwerk für ihre Zwecke nutzen können.

Chris Brogan ist kein ausgemachter Google-Fan. Er ist Social Networker, betrachtet Google+ ebenso wie auch Facebook aus einer professionellen Sicht heraus und fragt sich, wie er den Kanal möglichst effektiv zum Ankurbeln des Geschäfts nutzen kann.

Kurz nach dem Start der geschlossenen Testphase im Juli 2011 begann er wie viele andere auch seine Entdeckungsreise in Googles Netzwerk. Für Jemanden, der auf anderen Kanälen mehrere Zehntausend Follower und Fans hat, stellt die Eroberung eines neuen Netzwerks immer eine Herausforderung dar.

Anstatt seine bisherige Gefolgschaft auf Google+ hinüberzuziehen, ging er einen anderen Weg. Er baute mit seiner Erfahrung eine andere Art von Community auf. Statt auf die schiere Menge, setzte er auf Interaktion mit verschiedenen Nutzergruppen. Das Werkzeug dazu gab ihm Googles Netzwerk an die Hand.

Seiner Meinung nach ist "Google+ viel ‚offener‘ als Facebook. Es ist ‚tiefer‘ als Twitter. Es ist eine rundere Sache als LinkedIn, denn es ermöglicht sowohl persönliche als auch berufliche Interessen darzustellen, je nachdem, was man teilt und postet. Und als Geschäftsmann und Marketer messe ich Google+ einen hohen Wert bei, in dem was es für das eigene Geschäft leisten kann.“

Brogans Buch ist keine Einführung, die dem Leser sämtliche Funktionen der Reihe nach vorstellt. Er versucht dagegen ein Verständnis dafür zu schaffen, worauf es beim Aufbau sozialer Beziehungen über digitale Netze ankommt. Zur Veranschaulichung hat er verschiedene Google+-Nutzer interviewt, um herauszufinden, was sie dort machen und wann sie im Netzwerk unterwegs sind.

Dabei kommen sehr verschiedene Vorgehensweisen raus, die von einer 30 minütigen Nutzung pro Tag bis hin zu mehreren Stunden täglich reichen. Davon ausgehend entwirft Brogan weitere Profile für verschiedene Nutzertypen und deckt damit so ziemlich alle Bedürfnislagen ab.

Strategien stehen im Zentrum

Erst danach stellt er die wesentlichen Funktionen vor und demonstriert sehr anschaulich, wie man am besten seine Kontaktkreise verwaltet und liefert aus seinen eigenen Erfahrungen interessante Beispiele. Während viele andere Social-Media-Ratgeber sich kaum mit der Frage der Inhalte beschäftigen, steht dies für Brogan im Fokus.

Er plädiert dafür, dass jeder Nutzer zwar deutlich macht, für was oder wen er arbeitet, zugleich soll er aber selbst immer noch ein Mensch bleiben und nicht zur Marketingmaschine seines Unternehmens werden. Diese Strategie untermauert Brogan mithilfe von Gesprächen mit bekannten Google Plussern wie Michael Dell, CEO von Dell, Scott Monty Head of Social Media bei Ford Motor Company oder Bill Gerth, Social Media Lead von Comcast, deren Strategie Brogan analysiert und sie dazu befragt hat.

Wer versucht die Ansicht Brogans nachzuvollziehen, dem wird schnell klar, warum er meint, dass den Business-Seiten in Google+ anders als bei Facebook keine tragende Rolle zukommt. Sie sind zweifellos nützlich, spielen aber bei der Frage wie man sein Geschäft mithilfe des Netzwerks ankurbelt , nur eine untergeordnete Rolle.

Brogan unterteilt Google+-Seiten in fünf Typen: So dienen sie a) als Informationsportal für Unternehmen und/oder Produkte, b) als Kanal für den Kundenservice, c) als Mediacenter für Video-, Audio- oder andere Inhalte, d) als Plattform über die beispielsweise Produktentwickler und Nutzer gemeinsam über ein Produkt diskutieren und daran arbeiten können und e) als Community-Plattform, über die Hersteller oder Dienstleister und Verbraucher in Kontakt treten können und die die Nutzer anregt, eigene Inhalte zu veröffentlichen.

Das letzte Kapitel könnte man kopieren und als kurzen Leitfaden allen Nutzern, die im Social Web aktiv sind oder sein wollen an die Hand geben. Denn hierin fasst Chris Brogan die wesentlichen Vorgehensweisen für den Einstieg in Google+ in Stichpunkten zusammen.

Brogan zielt in seinem Buch auf Strategien ab. Wer von guten Vorbildern aus verschiedenen Branchen lernen will und sich ein Gespür für Social Media im Allgemeinen erarbeiten will, ist mit diesem Leitfaden gut bedient. Eine konkrete Einführung in die einzelnen Funktionen gibt es dagegen nur an wenigen Punkten.

Das ist durchaus gewollt, denn dadurch erhöht sich die Haltbarkeit dieses Buches deutlich. Schließlich wird sich bei Google+ ähnlich wie bei Facebook in den kommenden Monaten und Jahren wohl noch Etliches ändern.

 Chris Brogan: "Google+ for Business. How Google’s Social Network Changes Everything.â€Â� Indianapolis, Indiana: Que; 2012. 19,99 US-Dollar.

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