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Mobile Suchmaschinen Google will Versteigerung von Suchmaschinenplätzen auf Android aufgeben

Shutterstock / Hakinmhan
Shutterstock / Hakinmhan

Die Angst vor weiteren Sanktionen ist wohl zu groß: Google will Android-Nutzern in Europa ab September eine einfachere Auswahl zwischen verschiedenen Suchmaschinen geben - und sich dafür von den Suchmaschinenanbietern nicht mehr bezahlen lassen.

Die Situation erinnert etwas an die Browser-Dominanz von Microsoft vor zwanzig Jahren: Damals konnte sich der Internet-Explorer als marktführender Browser durchsetzen, weil er auf jedem Windows-PC standardmäßig vorinstalliert war. Nutzer, die eine Alternative wünschten, musste sie aktiv suchen und selbst nachinstallieren. Erst massive Drohungen der EU zwangen Microsoft zum Einlenken: Ab 2009 wurden Windows-Versionen ausgeliefert, die dem Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Browsern aufzeigen.

Totale Dominanz bei Mobile Search

Zehn Jahre später wiederholt sich das Spiel bei Suchmaschinen auf mobilen Endgeräten. Hier ist die Marktmacht von Google fast unendlich. Über 80 Prozent aller Smartphones und Tablets weltweit laufen auf dem von Google kontrollierten Betriebssystem Android, der einzig verbliebene relevante Wettbewerber ist Apple mit iOS. Auf Android-Geräten war Google bislang die vorinstallierte Suchmaschine. Damit das auch bei iOS so bleibt, zahlt der Suchmaschinenkonzern aus Mountain View der Smartphone-Schmiede aus Cupertino viel Geld. Allein 2019 waren es 9,5 Milliarden US-Dollar.  

Der EU-Kommission ist diese Dominanz, vor allem im Mobilbereich, schon lange ein Dorn im Auge. Im Sommer 2018 verhängte sie eine Kartellstrafe von 4,3 Millarden Euro gegen den Konzern. Google legte Einspruch ein, versprach aber, sich zu bewegen. Anfang 2019 kündigte der Konzern an, seine Android-Smartphones zukünftig mit einem Auswahlmenü zu bestücken, auf dem der Nutzer alternative Suchmaschinenanbieter auswählen könne.

Proteste von den Wettbewerbern

Haken an der Sache: Die Plätze auf dieser Auswahlliste wollte Google - in bester AdWords-Tradition - meistbietend versteigern, ein Ansinnen, das vor allem bei kleineren Anbietern auf wenig Gegenliebe stieß. Die Suchmaschine Ecosia zum Beispiel, die damit wirbt, für die Nutzung ihres Services Bäume zu pflanzen, beschwerte sich gemeinsam mit anderen Wettbewerbern umgehend in Brüssel über den Plan, die begehrten Plätze auf der Liste zu versteigern.

Davon, so berichtet das Tech-Portal "Golem" unter Berufung auf Informationen von Ecosia, soll Google jetzt tatsächlich Abstand genommen haben. Ab September 2021 will der Konzern Android-Handys in der EU mit einem Auswahlmenü ausstatten, auf dem zwölf statt wie bisher fünf Anbieter aufgeführt werden. Bislang waren vier von den fünf angezeigten Positionen auf der Liste versteigert, eine immer für Google reserviert. In Zukunft werden die Top 5 für jedes Land nach den Zugriffszahlen gemäß Statcounter ausgewählt, wobei Google immer dabei ist. Bis zu sieben weitere Anbieter aus jedem Land sollen zusätzlich aufgeführt werden - falls es mehr als sieben gibt, werden sie nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Google stellt die Änderung als "Resultat konstruktiver Gespräche" dar, Experten vermuten eher, dass die EU-Kommission massiv Druck ausgeübt hat. Bereits nach dem Versprechen Googles, sein Geschäftsmodell zu überarbeiten, hatte die Kommission intensive Kontrollen dieser Änderungen angekündigt.     

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