INTERNET WORLD Business Logo Abo
Gesichtserkennung am Smartphone
Security 28.01.2021
Security 28.01.2021

Gastkommentar

EU Data Privacy Day: Mehr Respekt vor der Privatsphäre!

shutterstock/Trismegist san
shutterstock/Trismegist san

Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit bringen viele Website-Betreiber dazu, es mit den personenbezogenen Daten ihrer Kunden nicht so genau zu nehmen. Ein Fehler, findet Internet-Unternehmer Christian Bennefeld: Datenschutz kann ein Wettbewerbsvorteil sein.

von Christian Bennefeld, Geschäftsführer bei eBlocker.org

"Respekt vor der Privatsphäre" ist das Motto des heute stattfindenden Europäischen Datenschutztages (Data Privacy Day). Ein Motto, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Schließlich spioniert man aus Respekt weder dem Nachbarn durch das Schlafzimmerfenster hinterher, noch versucht man heimlich die Krankengeschichte eines Kollegen in Erfahrung zu bringen.

Kein Besuch ohne Offenbarungseid

Traurige Realität ist jedoch, dass es gerade heute mehr denn je einen Weckruf braucht: für mehr Respekt vor der Privatsphäre! Denn kaum eine Website lässt sich heute noch besuchen, ohne dass man nahezu einen Offenbarungseid zur Verwendung seiner privatesten Daten leistet. Ob beim Ärzteportal Jameda, beim Politikmagazin Spiegel oder bei der Partnervermittlung Parship - sie alle setzen auf ihren Websites Tools der großen amerikanischen Datengiganten ein. Diese erstellen mit den gesammelten Daten detaillierte Persönlichkeitsprofile: Gesundheitszustand, politische Einstellung oder sexuelle Orientierung eines jeden Besuchers werden so personenbezogen erfasst. Natürlich nur mit Einwilligung und ganz legal, versteht sich.

Denn diese bekommen die Website-Betreiber - und damit die Datengiganten - ganz leicht durch sogenanntes Nudging. Dabei wird der Button "Alles akzeptieren" prominent und direkt klickbar platziert, während eine individuelle Auswahl oder die Ablehnung der Datenerfassung kompliziert und versteckt ist. Kaum eine Website bietet einen "Alles ablehnen"-Button an, obwohl dies mittlerweile sogar das Bundesjustizministerium fordert.

Drohende Bußgelder sind egal

Aber warum respektieren Unternehmen die Privatsphäre der Nutzer nicht einfach? Meist wohl aus Bequemlichkeit und Einsparungsgedanken, denn die Tools der Amerikaner sind allgegenwärtig und vermeintlich kostenlos. Selbst die fehlende Rechtsgrundlage für den Datenexport, bedingt durch das Kippen des US-Privacy Shield, und drohende Bußgelder scheinen die meisten Unternehmen nicht zu stören. Doch zeigen sich erste Marktführer einsichtiger und respektvoller. Sie schwenken nun um und stellen den Nutzer und seine Privatsphäre wieder in den Fokus.

Christian Bennefeld

Der studierte Informatiker und Mathematiker Christian Bennefeld ist seit über 20 Jahren im Datenschutz aktiv. Er gründete unter anderem eTracker, ein Unternehmen zur Analyse von Nutzerverhalten auf Websites - und mit eBlocker genau das Gegenteil, eine Technologie, die das anonyme Surfen ermöglicht.

privat

Nicht nur Apple hat erkannt, dass der Schutz der Privatsphäre ein Wettbewerbsvorteil ist und sich ein respektvoller Umgang mit Nutzerdaten für den Konzern auszahlt. Ein Beispiel hierzulande: Auch geizhals.de zeigt Respekt, sobald ein datenschutzsensibler Nutzer mit der "Do-Not-Track"-Browser-Einstellung die Website des Preisvergleichs besucht. Statt eines trickreichen Cookie-Banners erhält der Surfer nur einen kurzen Hinweis, dass keine Daten erfasst werden und kann ungestört weitersurfen. Das steigert nicht nur die User Experience und schafft Vertrauen, sondern bindet den Nutzer auf völlig neue Weise. Warum bei idealo.de den Daten-Offenbarungseid ablegen, wenn es einen respektvolleren Preisvergleich gibt? Da werden sich Nutzer umorientieren.

Umorientierung ist auch das Schlüsselwort zur besseren Kundenbindung für die Zukunft. Schließlich gibt es heute für praktisch alle Website-Tools datenschutzkonforme europäische Alternativen, die nicht nur die Privatsphäre des Nutzers respektieren, sondern ein völlig neues Nutzererlebnis ermöglichen. Eine Website ganz ohne nervige Cookie-Banner, die die Privatsphäre des Surfers respektiert und trotzdem alle steuerungsrelevanten Daten für die strategische Bewirtschaftung der Website liefert, ist keine Utopie.

Wer frisst wen?

In der Zukunft fressen nicht die Großen die Kleinen, nicht die Schnellen die Langsamen, sondern die Datenschutzkonformen die Respektlosen. Denn Kunden lernen schnell und der respektvollere Wettbewerb ist nur einen Klick entfernt. Es ist daher jetzt an der Zeit für Unternehmen, sich umzuorientieren, die Nutzer wieder zu respektieren und sich - nicht trotz, sondern wegen Datenschutzkonformität - einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. So profitieren die Nutzer und das eigene Unternehmen.

Das könnte Sie auch interessieren