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Plattformen 07.05.2014
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RTL-Bericht Zalando erwirkt einstweilige Verfügung

Der Modeversender Zalando hat beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen zentrale Teile der Berichterstattung von RTL über die Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum Erfurt erwirkt.

Mit einem Bericht über die schlechten Arbeitsbedingungen in der Zalando-Logistik sorgte der Privatsender RTL in den vergangenen Wochen für mächtig Trubel. Doch viele Aussagen lassen sich so offenbar nicht halten. Laut einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Köln dürfen einige Aussagen ab sofort nicht weiter verbreitet werden.

So bestätigte das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz, dass es, anders als von RTL dargestellt, im Logistikzentrum Erfurt bis zum heutigen Tag keinen Todesfall gab. Tatsächlich sei 2013 ein Mitarbeiter zuhause verstorben, worauf man bei Zalando eine Schweigeminute einlegte und einen Kranz am Grab niederlegte, so die offizielle Aussage des Unternehmens.

Darüber hinaus untersagten die Kölner Richter die weitere Verbreitung der Aussage, dass der RTL-Journalistin bei Kreislaufproblemen niemand Hilfe angeboten habe. Man leiste selbstverständlich medizinische Unterstützung durch einen zu beiden Schichten anwesenden Betriebsarzt und auch in diesem Fall sei ein Ersthelfer vor Ort gewesen, betont der Modeversender.

Als ebenfalls nicht haltbar erwies sich die RTL-Aussage, dass Mitarbeiter Laufwege von täglich bis zu 27 Kilometern hätten. Die Zalando-Betriebsärzte ermittelten in Stichproben durchschnittliche Gehweiten von 15 bis 20 Kilometern im Arbeitsbereich der Picker, die die Waren aus den Regalen nehmen. Und auch die vermeintliche Anordnung der Personalabteilung, Kollegen mit chronischen Erkrankungen nicht länger als sechs Monate "mitzuschleifen", focht Zalando wirksam vor Gericht an. Es gebe keine dementsprechende Richtlinie von Unternehmensseite, beteuern die Berliner. Stattdessen sei man ständig um die Integration von Kollegen mit verschiedenen Hintergründen bemüht und habe Ende vergangenen Jahres ein Pilotprojekt initiiert, in dem Gehörlose beschäftigt würden.

Ebenfalls als Falschaussage entlarvte Zalando, dass man auf die Bitte um Stellungnahme nicht reagiert hätte. Eine offizielle Anfrage der RTL-Extra-Redaktion habe nicht vorgelegen. Und gegenüber der Journalistin wollte man die Fragen nicht beantworten, da man sich in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit ihr befunden habe.

"Im Interesse unseres Unternehmens und unserer Mitarbeiter ist es uns wichtig, dass der Ruf unseres Unternehmens nicht durch falsche Aussagen beschädigt wird. Gleichzeitig stellen wir uns der Kritik und halten unverändert an der Umsetzung der bereits angekündigten Maßnahmen fest und arbeiten kontinuierlich gemeinsam mit unseren Mitarbeitern an weiteren Verbesserungen", so die Verlautbarung auf der offiziellen Zalando-Logistik-Seite.

Trotz der Falschaussagen hat sich Zalando hat sich den RTL-Bericht doch zu Herzen genommen und einige Nachbesserungen angekündigt.

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