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Plattformen 07.08.2015
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Handelsstudie Chancen und Risiken auf Online-Marktplätzen

shutterstock.com/Maxx-Studio
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Ibi Research hat die Vertriebsstrategie von Händlern auf Online-Marktplätzen untersucht und analysiert, was Händler motiviert beziehungsweise abschreckt, ihr Sortiment online anzubieten.

Kunden lieben Online-Marktplätze, weil sie die Produktsuche und den Vergleich erleichtern. Viele Händler wiederum verbindet eine Hassliebe mit eBay, Amazon & Co. Sie scheuen den Preisvergleich, den die Kunden so schätzen, können­ oder wollen aber auf eine Präsenz im Online-Marktplatz nicht verzichten, da dort die Besucherfrequenz hoch ist - zumindest bei den bekannteren Plattformen.

Ibi Research von der Universität Regensburg hat nun in einer Studie die Vertriebsstrategie von Händlern genauer untersucht und dabei sowohl stationäre als auch Online- und Multichannel-Händler befragt. Das Ergebnis: Etwa die Hälfte, 51 Prozent der Befragten, nutzt derzeit einen Online-Marktplatz zum Verkauf seiner Waren. Von den Marktplatz-Abstinenzlern haben 63 Prozent noch nie ihre Waren auf Marktplätzen angeboten, 37 Prozent haben zwar früher ihre Waren auf Online-Marktplätzen verkauft, diese Aktivität aber zwischenzeitlich eingestellt.

Die Argumente der Händler gegen Online­-Marktplätze sind vielfältig. Händler, die früher dort aktiv waren, schrecken die hohen Gebühren (63 Prozent) und die Abhängigkeit­ vom Betreiber (53 Prozent). 53 Prozent der Befragten lehnen Marktplätze zudem wegen zu geringer Umsatzerwartungen ab, 40 Prozent scheuen den organisatorischen Aufwand.

Wettbewerb schreckt viele Händler ab

Die Händler, die noch nie online auf Marktplätzen vertreten waren, führen vor allem den hohen Wettbewerb als Argument gegen ei­ne­ Präsenz bei eBay und Co ins Feld (35 Prozent), aber auch sie scheuen die Gebühren (29 Prozent), die Abhängigkeit und den Aufwand (jeweils 25 Prozent). 16 Prozent sehen Probleme in der Technik, etwa bei der Synchronisierung der Bestände. Und zwölf Prozent fürchten, sie würden ihren stationären­ Shop vernachlässigen, wenn sie auf Online-Marktplätzen aktiv würden.

Eine erstaunlich hohe Zahl der Händler gab an, sie habe sich noch nicht mit diesem Thema beschäftigt (20 Prozent). Hier ist allerdings offen, ob es sich um rein stationäre Händler ohne Web-Shop, Multichannel oder reine Online-Händler handelt.

In der Studie wurden aber auch die Gründe für die Nutzung von Marktplätzen abgefragt – auch hier unterteilten die Analysten­ die Ergebnisse in zwei Gruppen­: Händler, die heute bereits auf Marktplätzen aktiv sind, und jene, die dies in Zukunft planen.

Bei den bereits heute aktiven Händlern liegt die Umsatzsteigerung mit 92 Prozent ganz vorne als Argument für die Präsenz – künftige Marktplatzhändler sind hier zurückhaltender. Nur 64 Prozent nennen dies als Grund für den Einstieg. Ihnen ist die Kundengewinnung wichtiger (80 Prozent), bei den bereits aktiven Händlern­ liegt dieser Wert bei 75 Prozent.

Die Händler, die bereits heute einen Online-Marktplatz nutzen, profitieren aber offenbar von diesem Engagement. Bei knapp der Hälfte dieser Gruppe macht der Marktplatz-Umsatz mehr als 50 Prozent des gesamten Online-Umsatzes aus.

Darüber hinaus hat Ibi Research die Händler noch nach ihren Erfahrungen mit den beiden Platzhirschen unter den Online-Handelsplattformen befragt – Amazon und eBay.

Amazon liegt deutlich vor eBay

Das Ergebnis: Grundsätzlich sind die Warenkörbe­ bei Marktplatz-Bestellungen vergleichsweise gering. Bei drei von vier Bestellungen wird bei den Online-Handelsplätzen lediglich ein Produkt pro Bestellung­ verkauft; der durchschnittliche Warenkorbwert liegt dabei sowohl bei eBay als auch bei Amazon bei etwa 67 Euro­. Amazon liegt allerdings bei der Anzahl der Bestellungen deutlich vor dem Wettbewerber eBay.

Bei Amazon nehmen 35 Prozent der Händler mehr als 500 Bestellungen­ pro Monat entgegen, bei eBay sind es lediglich zehn Prozent. 98 Prozent der Händler schätzen darüber hinaus­ die Bekanntheit und die Reichweite von Amazon, bei eBay sind dies nur 90 Prozent. Und auch beim Image liegt Amazon mit 86 Prozent deutlich vor dem Konkurrenten eBay mit 51 Prozent.

Spätestens seit dem 20. Juli 2015 gehen eBay und Paypal getrennte Wege. Beide Unternehmen gelten als Übernahmekandidaten und müssen jetzt Versäumtes nach- und aufholen.

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