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Payment 05.12.2016
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Digitales Bargeld E-Geld: Beispiele für das Zahlungsmittel der Zukunft

Was genau ist E-Geld eigentlich?

shutterstock.com/JohannesS

Was genau ist E-Geld eigentlich?

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In Schweden werden heute schon nur noch 30 Prozent der Ladenkäufe mit Bargeld beglichen. Auch hierzulande gewinnt E-Geld zunehmend an Bedeutung und ist auf dem Weg, das Zahlungsmittel der Zukunft zu werden.

Von Tobias Schreyer, Mitgründer und Chief Commercial Officer, PPRO Group

Was ist E-Geld eigentlich? Die Definition der Europäischen Kommission lautet: E-Geld - Elektronisches Geld - ist digitales Bargeld, das auf einem elektronischen Gerät oder räumlich entfernt auf einem Server gespeichert ist. Ein weit verbreitetes E-Geld-Zahlungsverfahren ist die "Elektronische Geldbörse" in Form einer Zahlungskarte oder einer anderen Chipkarte, die der Anwender mit einer relativ geringen Menge an E-Geld auflädt, um damit Kleinbeträge zu begleichen. Als Speichermedien für E-Geld können außerdem Mobiltelefone, mit denen auch bezahlt werden kann, und Online-Zahlungskonten dienen.

Aufladbare Chipkarten

Ein klassisches Beispiel für herkömmliches E-Geld sind Chipkarten, die sich aufladen lassen. So wie die bereits vor circa 20 Jahren in Deutschland eingeführte GeldKarte und ihr kontaktloser Nachfolger girogo.

Verbraucher laden diese Chipkarten an Geldautomaten mit einem bestimmten Wert auf, bar oder direkt vom Girokonto, und können dann vor allem Kleinbeträge wie Fahrkarten oder Verpflegung mit dem Guthaben bezahlen. Der Emittent ist in der Regel die Hausbank des Kunden, bezahlt werden kann bei allen Akzeptanzstellen der GeldKarte.

Alternativ zu Plastikkarten, gelten auch virtuelle und an der Kasse ausgedruckte, nicht wieder aufladbare Voucher vielfach als E-Geld. Sie werden zum Face-Value meist gegen Barzahlung verkauft und können bei vielen Online-Händlern eingesetzt werden.

Prepaid-Kreditkarten mit verbundenen Online-Konten

E-Geld findet sich zudem auf den immer beliebter werdenden Prepaid-Kreditkarten. Auf die mit Karten verbundenen Online-E-Geldkonten wird vorab ein Guthaben übertragen, so dass sich die Karten im Rahmen des aufgeladenen Betrages ganz einfach wie eine normale Kreditkarte einsetzen lassen.

Nutzer profitieren dabei von einer vollen Kostenkontrolle, da sie nie ins Soll rutschen können. Die Karte ist nicht mit einem herkömmlichen Hausbank-Konto verbunden, sondern wird über den Online-Zugang des E-Geld-Kontos verwaltet. Wie bei einer herkömmlichen Bank-Karte oder herkömmlichen Kreditkarte haftet der Emittent für Schaden aus Missbrauch oder Verlust der Karte gegenüber dem Kunden, sobald dieser 150 Euro übersteigt. Einige Institute haben diesen Maximalschaden für den Kunden schon auf null reduziert.

Neue physikalische Speichermedien

Beim E-Geld wird stets ein Wert ausgegeben, der elektronisch gespeichert ist. Dabei sollte man sich jedoch nicht allzu sehr an die Geld- oder Kreditkarten klammern, auf denen der aktuelle Wert direkt auf dem Chip oder in einem Online-Konto abgespeichert wird. Denn sie sind nur eines von vielen möglichen physikalischen Speichermedien neben den Servern der Emittenten selbst. E-Geld kann auch auf Smartphones, externen Festplatten, USB-Sticks, Fitness-Armbändern oder Ringen mit eingebauten Computerchips gespeichert werden.

Darüber hinaus bedienen sich viele neue Finanz-Apps und vor allem auch der US-Dienstleister PayPal bei der Zahlungsabwicklung im Hintergrund der E-Geld-Konten. Überweisen Nutzer beispielsweise mit einer solchen App Geld per Email an einen Freund, wird der Betrag per Lastschrift von einem Girokonto abgebucht, im Anschluss dann auf einem E-Geld-Konto des Senders gutgeschrieben und von dort auf das E-Geld-Konto des Empfängers weitergeleitet. Per Überweisung landet schließlich der Betrag auf dem Girokonto des Empfängers. Klingt kompliziert, spielt sich für Anwender aber alles im Hintergrund ab, denn sie überweisen Geld einfach per Email - und fertig.

Gutscheinkarten und Bitcoins: Kein E-Geld

E-Geld gilt in den Augen der meisten Konsumenten heutzutage als sicher und komfortabel, was in den vergangenen zehn Jahren zu einem sprunghaften Anstieg in der Gunst der Verbraucher geführt hat. Dadurch haben E-Geld-Emittenten wie PayPal und Amazon Payments mittlerweile eine führende Rolle bei der Abwicklung des E-Commerce in Europa inne.

Neue Zugangsmöglichkeiten wie Smartphone-Apps, sichere Webzugänge und angebundene Prepaid- oder Debit-Karten ermöglichen den E-Geld-Nutzern die Teilnahme am physikalischen Handel. Auch aufgrund dieser ausgeklügelten technischen Möglichkeiten für E-Geld sind die betreibenden Fintech-Unternehmen aktuell die größten Konkurrenten für alteingesessene Banken, die vielfach mit veralteten Computersystemen, Filialsterben und einem zu breiten Produktspektrum zu kämpfen haben.

Gutscheinkarten und Smartphone-Prepaid-Angebote sind kein E-Geld

Ein Merkmal von E-Geld ist, dass der Wert gegen Zahlung eines "echten" Geldbetrages ausgestellt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zahlung in bar abgewickelt wird oder nicht. Zudem ist es erforderlich, dass das E-Geld bei mindestens einer anderen Stelle als dem Emittenten zur Zahlung akzeptiert wird. Daher erfüllen Gutscheinkarten à la H&M, iTunes, Starbucks oder Zalando diese Definition nicht. Denn ihr Wert ist zwar elektronisch gespeichert und sie werden gegen Zahlung eines Geldbetrags ausgegeben, ihre Akzeptanz ist jedoch auf ein einziges Unternehmen beschränkt.

So lassen sich H&M-Gutscheine nur in den Online-Filialen und Bekleidungsgeschäften des Unternehmens einlösen, Zalando-Geldscheinkarten nur bei dem Online-Versandhändler. Auch Tankkarten, Essensgutscheine oder elektronische Fahrscheine sind in der Regel nach diesen Kriterien gestrickt. Handy-Prepaid-Angebote fallen ebenso nicht unter die E-Geld-Definition, obwohl sich damit sowohl Smartphone-Tarife als auch andere Dienstleistungen wie Musik-Abos oder Klingeltöne bezahlen lassen. Die vom europäischen Gesetzgeber vorgesehene Regulierung und Absicherung der Verbraucher kommt hier also nicht zum Zuge.

Bitcoins: Virtuelle Währung

Ähnlich verhält es sich auch mit Bitcoins. Sie gehören ebenfalls nicht zur Kategorie E-Geld, sondern sind eine virtuelle Währung (virtual currency). Es gibt jedoch einige Ähnlichkeiten, und einige Experten sind der Meinung, dass die E-Geld-Definition ausgeweitet werden sollte. Denn Bitcoins lassen sich transferieren. Echtes Geld fließt dabei jedoch zunächst nicht, sondern Einsen und Nullen. Zwei Schutzmechanismen gewährleisten dabei eine sichere Datenübertragung. So wird vor jeder Transaktion die Gültigkeit des Bitcoins überprüft. Darüber hinaus wird jede Transaktion in eine öffentliche Liste eingetragen.
 
Da es bei Bitcoins jedoch keinen Emittenten gibt, handelt es sich hierbei nicht um E-Geld. Man spricht bei dieser virtuellen Währung vielmehr von der "digitalen Abbildung eines Wertes", der nicht von einer Zentralbank oder Behörde geschaffen wird und auch keine Verbindung zu gesetzlichen Zahlungsmitteln hat. Denn Bitcoins werden weder von Banken noch von anderen Finanzdienstleistern, Regierungen oder Firmen kontrolliert. Hinter der Idee dieser virtuellen Währung steht vielmehr, dass sie ohne zentrale Instanz funktioniert und höchst sicher ist.

Elektronisches Geld ist im Kommen

Aktuell entwickeln E-Geld-Dienstleister immer mehr innovative Angebote für bequemes Bezahlen. Neben Prepaid-Kreditkarten für Unternehmen gehören dazu auch Möglichkeiten für kontaktloses Bezahlen wie NFC-Sticker und -Apps. Obwohl viele Konsumenten in Deutschland dem technologischen Fortschritt beim elektronischen Bezahlen noch eher skeptisch gegenüberstehen, wird das elektronische Geld in Zukunft das Zahlungsmittel der Wahl sein. Denn es ist bequem und sicher. Zumal in anderen EU-Ländern wie Schweden oder Großbritannien schon heute die Brötchen beim Bäcker oder das Ticket für die U-Bahn mit elektronischem Geld gekauft werden.

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