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Payment 14.02.2020
Wirecard
Payment 14.02.2020

Trotz Vorwürfe rund um Bilanzierung

Dank Online-Shoppingboom: Wirecard wächst unbeirrt weiter

Wirecards Hauptsitz in Aschheim

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Wirecards Hauptsitz in Aschheim

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Wirecards Umsatz im Gesamtjahr legte auf Basis vorläufiger Kennzahlen um 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Auch der Gewinn stieg. Der Zahlungsdienstleister ist trotz der massiven Vorwürfe rund um seine Bilanzierung auch weiter in der Wachstumsspur.

Der Online-Shoppingboom hält den Zahlungsdienstleister Wirecard trotz der massiven Vorwürfe rund um seine Bilanzierung auch weiter in der Wachstumsspur. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres machte der Dax-Konzern sogar überraschend viel Tempo und schlug die Erwartungen von Experten deutlich.

Wirecard-Chef Markus Braun sprach von einem starken Ergebnis. "Es ist vor allem ein sehr deutlicher Beleg für die nachhaltige Ertragsstärke unseres Geschäftsmodells", so der Manager. Aussagen zur laufenden Sonderprüfung der Bücher vermied er jedoch.

Der Umsatz im Gesamtjahr legte auf Basis vorläufiger Kennzahlen um 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Das war mehr als von Experten erwartet. Wirecard bietet Händlern im Internet und auch offline die Technik zur Abwicklung von elektronischen Zahlungen an, so etwa die Akzeptanz von Kreditkarten und auch die Risikoabsicherung von Zahlungen.

An den über die eigene Plattform abgewickelten Transaktionen verdient Wirecard über Gebühren von rund 1,5 Prozent mit. Vor allem der Online-Shoppingboom bei Händlern, Fluglinien und sonstigen Anbietern beflügelt das Geschäft des Konzerns aus Aschheim bei München.

Gewinn stieg

Das zahlt sich auch beim Gewinn aus. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um rund 40 Prozent auf 785 Millionen Euro. Bereinigt um Sonderkosten für Prüfung, Beratungs- und Rechtsberatungsleistungen hätte das operative Ergebnis 794 Millionen Euro betragen, bei einem Wachstum von 42 Prozent. Damit traf Wirecard die Schätzungen von Analysten.

Die Aktie pendelte am Freitagvormittag zwischen leichten Verlusten und Gewinnen, zuletzt lag sie rund ein Prozent im Minus. Bestimmendes Thema bei dem unter Druck stehenden Konzern ist die laufende Sonderprüfung der Bücher durch KPMG, deren Ergebnis mit Spannung erwartet wird. Zuletzt hatte sich Optimismus breitgemacht, in diesem Jahr ist die Aktie mit einem Plus von bisher rund einem Drittel zweitbester Wert im deutschen Leitindex.

Mit Aussagen zur Sonderprüfung hatten Börsianer auch nicht gerechnet, zumal das Unternehmen den Abschluss der Untersuchungen zum Ende des ersten Quartals in Aussicht gestellt hat. Die operative Marge habe enttäuscht, schrieb JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande. Auch für Goldman-Sachs-Experte Mohammed Moawalla sind hier noch Fragen offen. Der Umsatz hatte schließlich deutlich über den Erwartungen gelegen, das operative Ergebnis aber dagegen wie zuvor gedacht. Von den detaillierten Zahlen am 8. April erhofft sich Moawalla auch Klärung über den Umsatzbeitrag von Zukäufen.

Wirecard sieht sich nach einer Artikelserie der Wirtschaftszeitung "Financial Times" ("FT") deutlicher Kritik an seinen Buchungsgepflogenheiten ausgesetzt. In Singapur hatten Mitarbeiter kleinere Fehlbuchungen verursacht und haben sich in dem Staat womöglich strafbar gemacht. Systematische Luftbuchungen wie von der "FT" suggeriert weist der Konzern aber vehement von sich.

Opfer einer Attacke von Spekulanten?

Wirecard wähnt sich als Opfer einer Attacke von Spekulanten, die mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen wollen. Der Aktienkurs war tatsächlich mit dem Aufkommen neuer Medienberichte vor gut einem Jahr deutlich unter Druck geraten, im vergangenen Jahr war Wirecard der schwächste Dax-Wert. Von den Rekordkursen bei fast 200 Euro rund um den Dax-Aufstieg im Herbst 2018 ist das Papier auch nach der Erholung der vergangenen Wochen weit entfernt.

Braun, der mit rund sieben Prozent auch einer der größten Aktionäre des Unternehmens ist, will die Zweifel auch mit der Stärke im operativen Geschäft ausbügeln. "Digitale Zahlungsvorgänge haben in einigen Ländern die Bargeldzahlung bereits überholt", sagte er. "Unsere strukturellen Wachstumstreiber offenbaren ein erhebliches Potential und sind somit auch ein Ausblick auf Wirecards Zukunft." Den Ausblick auf das laufende Jahr bestätigte das Management.

"Die finanzielle Performance von Wirecard schließt nahtlos an die guten Ergebnisse der Vorjahre an", sagte Finanzchef Alexander von Knoop. Zielgerichtete Investitionen und der stete Blick auf die Kosten hätten auch 2019 zu einem herausragenden operativen Ergebnis geführt. Der Konzern gehe auch von einem starken Zufluss finanzieller Mittel aus.

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