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Payment 22.10.2015
Payment 22.10.2015

Gemeinsam gegen Paypal

Bezahlverfahren Paydirekt: Banken in einem Boot

Fotolia.com/Michael Schuetze
Fotolia.com/Michael Schuetze

Zusammen gegen Paypal: Mit dem Bezahlverfahren Paydirekt wollen die deutschen Banken verlorenes Terrain zurückgewinnen. Eine gewaltige Herausforderung.

Am 17. August um 10.46 Uhr war es schließlich so weit: Die erste Testtransaktion mit dem neuen Bezahlverfahren Paydirekt wurde erfolgreich abge­wickelt. Beinahe ist man geneigt, dieses Ereignis historisch zu nennen, denn damit präsentierten sich die deutschen Banken zum ersten Mal mit ­einer gemeinsamen, technisch einheit­lichen Lösung zum Online-Payment. Über ein Jahrzehnt haben die Geldinstitute mehr oder weniger tatenlos zugesehen, wie Paypal seinen Platz als Marktführer eroberte.

Erst im vergangenen Jahr haben sich die Banken zusammengetan, um ein eigenes Payment-System für den Online-Handel zu entwickeln. Mit dabei waren zunächst die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken, vertreten durch ihre beiden Zentralbanken DZ Bank und WGZ Bank, sowie die großen deutschen Privatbanken, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Hypovereinsbank. Im April dieses Jahres haben sich nach vielen Diskussionen auch die Sparkassen zur Teilnahme entschlossen.

Start zum Jahresende

Anfang Juni 2015 wurde dann die ­Paydirekt GmbH mit Sitz in Frankfurt gegründet. Derzeit sind die Genossenschafts- und die Privatbanken noch zu je 50 Prozent beteiligt. Durch die Auf­nahme der Sparkassen in den Gesellschafterkreis werden sich die Anteile aber noch verschieben. Der offizielle Marktstart für Paydirekt ist für Ende des Jahres vorgesehen. "Wir kommen eher nicht mit einem großen Big Bang, sondern werden Pay­direkt sukzessive ausrollen", bremst Niklas Bartelt, einer der beiden Geschäftsführer von Paydirekt, die Erwartungen.

Paydirekt versteht sich vor allem noch als technischer Dienstleister für die Banken. "Unsere Aufgabe ist es, ein Produkt zu schaffen, mit dem Käufer bezahlen und mit dem Händler Zahlungen annehmen können - und das Ganze für Händler und Banken rentabel", so Bartelt. Die Banken ihrerseits bieten ihren Geschäftskunden Paydirekt als eigenes Produkt zur Zahlungsabwicklung im Online-Handel an.
So funktioniert Paydirekt

Basis ist eine Lastschrift, die vom Konto des Käufers eingezogen wird. Der Käufer - er muss ein Girokonto bei einer der beteiligten Banken haben - wählt im Checkout des Shops Paydirekt als Zahlart aus. Dann muss er seinen Benutzernamen und ein Passwort angeben und den Kauf bestätigen. Damit wird die Zahlung ausgelöst - vorausgesetzt, die im Hintergrund durchgeführte Echtzeitprüfung bestätigt, dass das Konto gedeckt ist. Dadurch erhält der Händler ­eine 100-prozentige Zahlungsgarantie.

Im Idealfall wurde der Online-Shopper vorab von seiner Bank über die neue Bezahlmethode informiert und aufgefordert, sich in seinem Online-Banking-Account einmalig mit frei wählbaren Zugangsdaten für die Nutzung von Paydirekt zu registrieren. ist dies nicht erfolgt, kann der Käufer diese Registrierung auch während des Einkaufs vornehmen. Seine Kontodaten gelangen dabei nicht in den Besitz des Händlers. "Dadurch können wir beim Verbraucher Vertrauen schaffen", betont Paydirekt-Geschäftsführer Bartelt.

Diese Seriosität ist das Hauptargument, mit dem sich Paydirekt den Konsumenten empfehlen möchte: Die Kundendaten bleiben bei ihrer Hausbank in Deutschland, sie nutzen lediglich eine Zusatzfunktion beim ihnen vertrauten Online-Banking. Zusätzlich wird ihnen Käuferschutz gewährt: Paydirekt greift im Streitfall ein, verlangt vom Händler einen qualifizierten Nachweis, dass die bestellte Ware tatsächlich versendet wurde, und erstattet den Käufern den Kaufpreis, falls der Händler dies nicht belegen kann. Eine Transaktionsübersicht im Paydirekt-Benutzerkonto oder in der Paydirekt-App soll zusätzlich für Glaubwürdigkeit sorgen.

Vorteile für die Händler

Paydirekt wirft neben der Zahlungsgarantie für den Händler auch das Vertrauen in die Waagschale, das die Banken bei den Verbrauchern genießen: Fühlt sich der Käufer mit einer Zahlart sicher, macht sich dies in einer niedrigen Kaufabbruchrate bemerkbar, lautet die Formel. Die Rück­abwicklung, auch von Teilzahlungen bei Retouren, erfolgt automatisiert und direkt per Lastschrift auf das Käuferkonto.

Außerdem bieten die Banken eine große Reichweite. Ist das System komplett einsatzbereit, können potenziell 50 Millionen Girokontoinhaber in Deutschland Pay­direkt nutzen, darunter auch Zielgruppen, die bislang aufgrund von Sicherheitsbedenken beim Bezahlen eher auf Online-Shopping verzichtet haben.

Bleibt die für die Online-Händler wichtige Frage nach den Kosten: Da die jeweiligen Banken Paydirekt als Produkt an ihre Geschäftskunden weiterverkaufen, sind sie für die Preisgestaltung zuständig. Außerdem gilt es, den Eindruck unerlaubter Preisabsprachen zu entkräften. "Würden alle deutschen Banken sich hier auf einen einheitlichen Preis einigen, stünde sofort das Bundeskartellamt auf dem Plan. Schließlich decken wir 98 Prozent der deutschen Bankenlandschaft ab", betont Bartelt. Wettbewerb ist also durchaus gewollt.

Preise sind noch offen

Entsprechend können die Preismodelle von Bank zu Bank variieren, Händler werden also auch über die Entgelte verhandeln können. Noch sind keine Preise im Markt bekannt. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Banken versuchen werden, Pay­pal bei den Gebühren zu unterbieten. Paypal verlangt in Deutschland zwischen 1,5 und 1,9 Prozent der Kaufsumme plus 0,35 Cent je Transaktion.

Angebunden wird Paydirekt entweder über eine API-Schnittstelle oder über Webshop-Plugins. Diese sollen in den kommenden Monaten für alle gängigen Shop-Systeme verfügbar sein, verspricht Helmut Wißmann, der zweite Geschäftsführer von Paydirekt. Außerdem soll das Bezahlverfahren über Payment Service Provider (PSP) zur Verfügung stehen. "Wir reden derzeit mit allen wichtigen Payment Service Providern. Unser Entwicklungspartner Computop ist bereits fertig mit den Vorarbeiten", so Wißmann. Er will zudem sogenannte Meta-PSP wie etwa Pay.on ins Boot holen. Diese sollen White-Label-Lösungen entwickeln und an andere PSP weiterverkaufen.

Neben der technischen Anbindung wird den PSP noch eine andere wichtige Rolle zufallen: Um den Händlerschutz durch die Echtzeitabfrage des Kontostands gewährleisten zu können, muss prinzipiell jeder Händler mit jeder Bank einen entsprechenden Vertrag abschließen.

Da dies in der Praxis nicht umsetzbar ist, wird es - bis auf den Preis - Standardverträge geben, die über sogenannte Konzentratoren gebündelt abgeschlossen werden können. Auf Bankenseite wirken beispielsweise die Zentralbanken als Konzentratoren, auf Händlerseite können PSP diese Rolle übernehmen. Sie treten dann quasi als Großhändler auf und verkaufen ihr fertig geschnürtes Paket an den Händler weiter.

Die Vermarktung von Paydirekt liegt ganz in den Händen der einzelnen Banken. Sie sind sowohl dafür zuständig, den Online-Händlern das Bezahlverfahren schmackhaft zu machen als auch ihre Privatkunden für die Nutzung von Paydirekt zu begeistern. Ob Paydirekt Erfolg haben wird, wird deswegen davon abhängen, wie sehr sich die Banken ins Zeug ­legen - und wie einig sie sich sind.

Denn einen gemeinschaftlichen Auftritt wird es nicht geben, "aber wir vermitteln in den Kernaussagen einheitliche Botschaften. Der Wille eint", so Wißmann. Ob es überhaupt eine gemeinsame ­Maketingkampagne geben wird, ist noch nicht klar, die Diskussion darüber läuft noch.

Einigkeit ist ein Muss

Ohne ein Mindestmaß an Markenbekanntheit wird es jedoch schwer sein, mit Paypal zu konkurrieren. Yapital, das Payment-Verfahren der Otto-Gruppe, krankt beispielsweise gut zwei Jahre nach seinem Start immer noch an mangelnder Bekanntheit und fehlender Verbreitung.

Außerdem ist Paydirekt bisher eher mit Negativschlagzeilen aufgefallen. So hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, Anfang September auf Sicherheitsprobleme bei Paydirekt hingewiesen und wurde ­dafür von den Bankenkollegen kritisiert. Interessenkonflikte bei den beteiligten Banken könnten zu Stolpersteinen werden.

Noch sieht es so aus, also wollten die Geldhäuser tatsächlich gemeinsam an ­einem Strang ziehen. Ob sie sich aber tatsächlich in die gleiche Richtung bewegen werden, bleibt abzuwarten.