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Cross-border
Payment 23.07.2021
Payment 23.07.2021

Gastkommentar Warum Cross-Border-Commerce und Cross-Currency-Payment zusammen gehören

shutterstock.com/Michael Traitov
shutterstock.com/Michael Traitov

Während die Zahlungsmethoden AliPay oder WeChatPay inzwischen in Europa angekommen sind und es fast selbstverständlich ist, dass man als Offline-Händler diese Methoden anbietet, findet man online kaum Shops, die auf lokale Gepflogenheiten Rücksicht nehmen.

Von Till Oberhummer, Head of Sales und Business Development Central Europe, Western Union Business Solutions

Während der Pandemie haben wir einen wahren Boom im E-Commerce erlebt. Große Player und Plattformen wie zum Beispiel Amazon sind global aufgestellt und bieten damit auch Händlern, die über die Amazon verkaufen, eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Unterstützung an. Kleinere Händler, die einen eigenen Webshop betreiben, haben indes immer noch mit vielen Herausforderungen zu kämpfen.

Wenn man sich als Händler einmal entschieden hat, international zu expandieren, sind einerseits sicher Themen wie Umsatzsteuer, Lieferschwellen und Logistik und andererseits digitales Marketing die ersten großen Herausforderungen.

Jeder, der mit E-Commerce schon einmal zu tun hatte, weiß, dass gerade in der Anfangsphase jeder nicht-organische Seitenbesucher teuer und damit kostbar ist. Oftmals wird dann viel Geld investiert, um bei den richtigen Keywords gelistet zu sein, und um die Customer Journey auf der Website so angenehm wie möglich zu gestalten. Das betrifft auch den Check-out, bei dem man die entsprechenden Zahlungsmethoden mit anbietet.

Auf lokale Gepflogenheiten Rücksicht nehmen

Doch genau hier wird oftmals Geld auf dem Tisch liegen gelassen. Während die Zahlungsmethoden AliPay oder WeChatPay inzwischen in Europa angekommen sind und es fast selbstverständlich ist, dass man als Offline-Händler diese Methoden anbietet, findet man online kaum Shops, die auf lokale Gepflogenheiten Rücksicht nehmen.

Natürlich kann man - zu Recht - argumentieren, dass der Vergleich hinkt, da sich Touristen vermutlich eher selten auf einen lokalen Webshop verirren. Genau das führt aber oft dazu, dass bei der Expansion der Dienstleistung oder des Produktes dann vergessen wird, auch entsprechende lokale Zahlungsmethoden zu implementieren.

Till Oberhummer, Head of Sales und Business Development Central Europe, Western Union Business Solutions

Western Union

Und hier spreche ich jetzt nicht von (nicht mehr so) "exotischen" Dingen wie die inzwischen bereits von mehreren Anbietern angebotene Möglichkeit mit Kryptowährungen zu bezahlen, sondern von einfachen Dingen wie beispielsweise GiroPay, Sofortüberweisung und deren Äquivalente in den anderen Märkten. In manchen Märkten ist es generell auch so, dass die Konsumenten keine international freigeschalteten Kreditkarten haben und ihre Kreditkarten im Webshop des Händlers daher nicht funktionieren.

Kommt der Prophet zum Berg oder der Berg zum Propheten?

Hinzu kommt das Thema der internationalen Preise. Welchen Weg möchten wir als Shop hier gehen? Bieten wir "stur" alles in Euro an, sodass der Kunde einen Weg finden muss, uns in Euro zu bezahlen? Hinterlegen wir Preise in der jeweiligen Währung des Marktes, in den wir expandieren? Oder geben wir dem Kunden sogar die Möglichkeit, selbst die Währung zu wählen?

Ebenfalls zu beantworten ist: Wie legen wir diese Preise fest? Welche Umrechnungskurse verwenden wir? Und, fast noch relevanter: Bekommen wir von unserem Zahlungsanbieter überhaupt die Fremdwährung ausbezahlt - oder konvertiert dieser alles zurück in unsere Basiswährung?

All diese Überlegungen sollten berücksichtigt werden, da sie sich unmittelbar auf unseren Profit auswirken. Bekommen wir von unserem Provider alle Zahlungen in Euro, ist die Gefahr groß, dass der Umrechnungskurs, mit dem unser Kunde bezahlt hat, vom Umrechnungskurs, mit dem unser Provider uns auszahlt, abweicht.

Auch ist es oft so, dass PPC-Kampagnen in anderen Märkten oftmals nicht in Euro in Rechnung gestellt werden. Wenn dann die Umsätze aus diesen Märkten aber in Euro abgerechnet werden, haben wir einerseits plötzlich das doppelte Fremdwährungsrisiko und andererseits müssen wir uns dann auch noch überlegen, wie wir die entsprechenden Fremdwährungsrechnungen bezahlen.

Fazit: Cross-Border-Commerce bedeutet also wesentlich mehr als nur eine Webseite und den Kundenservice in einer anderen Sprache aufzusetzen. Cross-Border-Commerce impliziert auch Cross-Currency-Payment.
 
Trends, Technologien & Themen für den Zahlungsverkehr gibt es vom 27. bis zum 28. Oktober auf dem hybriden Payment Summit. Auch Till Oberhummer ist am ersten Tag mit dabei.

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