Video-On-Demand 25.02.2014, 10:40 Uhr

Videotheken im Netz 

Online-Videotheken laufen der stationären Konkurrenz zusehends den Rang ab. Ob Video-On-Demand auch zur Bedrohung für TV-Sender wird, erklärt Sven Eckoldt, Product Manager bei Media Broadcast.
Sven Eckoldt, Product Manager bei Media Broadcast
(Quelle: Media Broadcast )
Einer aktuellen Prognose des Bitkom zufolge, steigt der Umsatz mit dem Verkauf und Verleih von Filmen im Netz 2014 auf 134 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 20 Prozent. Was der Markt der Online-Videotheken aktuell zu bieten hat, erklärt Sven Eckoldt, Produkt-Manager für Hybrid und IP-based TV bei Media Broadcast, einem Dienstleister für Bild- und Tonübertragungen.

Schaut man sich aktuelle Bitkom-Zahlen zum Umsatz mit dem Verleih und Verkauf von Filmen im Netz an, stehen dem Markt glorreiche Zeiten bevor. Können entsprechende Dienste zur ernsthaften Konkurrenz für TV-Sender werden?

Sven Eckoldt: Nach unserer Einschätzung werden Video-on-Demand-Dienste und das lineare TV noch für eine geraume Zeit nebeneinander existieren. In Deutschland hat sich Video-on-Demand (VoD) bisher schwer getan. Aber das ändert sich gerade und es steht außer Frage, dass sich die zeitsouveräne Nutzung von Inhalten auf dem Vormarsch befindet. Dennoch besteht auch weiterhin das Bedürfnis einer „lean back“-Experience. Bei der multithek verfolgen wir deshalb beide Ansätze, die sich gegenseitig nicht ausschließen und dem Benutzer die Wahl überlassen, ob er gezielt einen bestimmten Inhalt abrufen oder sich gemütlich auf dem Sofa zurücklehnen möchte.

Hat der Erfolg mit Online-Filmen Einfluss auf den Werbemarkt und die TV-Mediaplanung?

Eckoldt: Die Inhalteanbieter, Vermarkter und Broadcaster müssen sicherlich in einigen Punkten umdenken beziehungsweise den VoD-Bereich in ihre Planung aufnehmen. An vielen Stellen ist das bereits geschehen. Allerdings müssen dafür die Budgets neu allokiert werden. So muss beispielsweise auch der Smart-TV Bereich mit seinen VoD-Apps ein Teil dieses Mixes werden. Zudem sind die technischen Möglichkeiten im IP-Umfeld noch lange nicht ausgereizt. Sowohl den Werbungtreibenden als auch den Inhalteanbietern steht noch eine spannende Zeit bevor.



Technische und strategische Überlegungen


Anbieter wie Maxdome oder Netflix gibt es auch als App auf dem Smart TV. Wie funktioniert das Geschäft hier? Wer entscheidet, welche Apps auf dem Gerät vorinstalliert sind?

Eckoldt: Die technischen Rahmenbedingungen wie DRM-Systeme sind oft ein entscheidender Faktor dafür, welche App auf welcher Plattform umgesetzt wird. Auch die strategischen Überlegungen der Video on Demand-Anbieter spielen eine Rolle. Für CE-Hersteller oder Plattformanbieter ist es sicherlich ein enormer Vorteil, wenn sie attraktive Video on Demand Services mit einer großen Library in ihrem Portfolio haben – was nicht zuletzt auch positiv für den Nutzer ist.

Bieten Online-Videotheken auch für Werbungtreibende Möglichkeiten?


Eckoldt: Laut einer aktuellen Studie von Bitkom sind 95 Prozent der Online-Video-Welt immer noch werbefinanziert – und der Markt ist weiter stark in Bewegung. Gerade im Connected-TV Bereich erschließen sich neue Möglichkeiten und neues Inventar. Mit der multithek und den IP-Channels arbeiten wir beispielsweise gerade daran, Pre- und Midroll-Szenarien auch auf dem TV zu etablieren. Im Hinblick auf den großen Bildschirm im Wohnzimmer ist das für Werbetreibende eine spannende Entwicklung. Die Kreativität und die technischen Möglichkeiten sind hier bei Weitem noch nicht ausgereizt.

Auch Google beispielsweise erwägt einen Einstieg ins Online-Bezahlfernsehen. Wie beurteilen Sie die Pläne der großen Player?

Eckoldt: Generell ist gesunder Wettbewerb für das gesamte Video on Demand- und Pay-TV-Umfeld positiv zu bewerten. Und obwohl bereits eine kritische Masse an Angeboten erreicht ist, sehen wir noch Luft nach oben, was die Nachfrage an On-Demand-Angeboten auf diversen Screens betrifft. Auch Pay-TV hat lange Jahre gebraucht, bis es eine breite Zielgruppe für sich begeistern konnte. Sowohl die Ansprüche auf Qualität und Quantität als auch die dazugehörigen Zusatzangebote über Video on Demand werden weiter steigen. Bei der multithek hat sich das Ausspielen weiterer linearer Channels über IP als großer Erfolg herausgestellt. Damit am Ende aber auch Geld verdient wird, darf man die Kosten, die beispielsweise für das Streaming entstehen, nicht vergessen. Für den Nutzer ergeben sich durch weitere Player auf dem Markt generell mehr Chancen auf Vielfalt und Auswahl sowie preisliche Vorteile.
Der VoD-Dienst Watchever gab erst kürzlich eine Kooperation mit der ZDF-Tochter Enterprises bekannt. Damit stehen künftig Spielfilme und Serien aus dem ZDF Enterprises-Katalog auf der Online-Plattform zur Verfügung. Der Streaming-Vertrag beläuft sich auf zwei Jahre.
Multithek selbst startet nun auch in die Bewegtbildvermarktung und kooperiert dazu mit Smartclip.



Das könnte Sie auch interessieren