US-Verlage setzen Video als Paywall-Alternative ein 12.07.2013, 11:11 Uhr

Glotzen statt zahlen

Mehrere US-Newsseiten experimentieren mit Video-Werbung zur Refinanzierung. Statt mit Geld - wie bei einer Paywall üblich - sollen die Nutzer mit ihrer Aufmerksamkeit bezahlen. Um eine Nachricht lesen zu können, müssen sie das Werbevideo bis zum Schluss ansehen.
Gucken statt zahlen
Bei der Frage der Finanzierung von Online-Angeboten geht bei Nachrichtenanbietern die Meinung auseinander. Während immer mehr Verlage auf Bezahlschranken setzen, testen US-Newsseiten wie Maxim, Radar Online, Guitar World und USA Today Sports Media einen neuen Weg. Anstatt Geld für redaktionelle Inhalte zu bezahlen, müssen Leser sich ein Werbevideo bis zum Ende ansehen - erst dann wird der gewünschte Artikel zum Lesen freigeschaltet. Dabei wird das System "Content Unlock" von Genesis Media verwendet, das die Interessen der Werbungtreibenden und die der Konsumenten verbinden soll, schreibt das Branchenportal Adage.com.
Den Medien geht es darum, mehr Umsatz von Lesern zu bekommen, ohne sie zum Zahlen mit Geld zu zwingen. "Wir funktionieren als weiche Bezahlschranke, die es Nutzern ermöglicht für Inhalte und Services auf elegante Weise zu bezahlen", sagt Mark Yackanich, CEO von Genesis Media - nämlich mit ihrer Aufmerksamkeit für gezielte Werbevideos: "Tatsächlich werden die Marken Sponsoren für den Konsum der Leser auf sehr direkte und einprägsame Weise." Das System gewährleiste, dass den Nutzern für sie passende Werbung ausgespielt werde, so Yackanich. Es werde auch daran gearbeitet, die Nutzer für den Konsum längerer Werbevideos mit mehreren Artikeln zu entschädigen. Die Content-Anbieter OK Magazine und Radar Online nutzten Content Unlock, um Werbevideos vor beliebten Bildergalerien, Artikeln und Videos zu schalten. Das System habe Umsatz generiert, ohne dabei Seitenbesucher zu verlieren, sagte Joe Bilmen, Digitalchef des Verlages Media Inc. in dem die Angebote erscheinen.
Positive Erfahrungen mit Bezahlschranken hat die Tageszeitung New York Times gemacht, die 2011 eine Paywall eingeführt hat. Bis Ende 2012 stieg die Zahl der Digitalabos auf 640.000. Damit verdiente die New York Times erstmals in ihrer Geschichte mehr Geld mit den Lesern als mit den Anzeigenkunden.
In Deutschland setzen Verlagshäuser mehrheitlich auf werbefinanzierte Erlösmodelle. Bei Experten stoßen Bezahlschranken für redaktionelle Inhalte im Internet nur teilweise auf Akzeptanz, wie eine Studie der Internet World Messe zum Thema Paid Content zeigt.



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