Wenn Firmen um Start-ups buhlen 15.03.2018, 14:57 Uhr

5 Tipps, worauf es bei einem Accelerator-Programm ankommt

Accelerator-Programme können Unternehmen dabei helfen, mit Unterstützung von Start-ups neue Ideen für das Kerngeschäft zu finden. Ein nicht immer risikofreies Unterfangen mit teils unklaren Ergebnissen. Wir haben Tipps für die erfolgreiche Umsetzung.
Auf der Suche nach neuen Ideen für das Kerngeschäft buhlen immer mehr Großunternehmen um die Aufmerksamkeit von Start-ups.
(Quelle: Fotolia.com/cirquedesprit)
Auf der Suche nach neuen innovativen Ideen für das eigene Kerngeschäft buhlen immer mehr Großunternehmen um die Aufmerksamkeit von Start-ups. Für dieses Ziel rufen sie Accelerator-Programme ins Leben, die in kürzester Zeit neue Produkte und Services auf den Markt bringen sollen. Ein nicht immer risikofreies Unterfangen mit teils unklaren Ergebnissen. Allerdings verringert sich das Risiko, wenn man einige grundlegende Regeln beachtet.
Thomas Claussen, Senior Advisor bei enable2grow, gibt Tipps, worauf es bei einem erfolgreichen Accelerator-Programm ankommt.

1. Start-ups auswählen, die bereits eine konkrete Idee haben

Zu Beginn muss klar definiert werden, welche Ziele das Unternehmen mit dem Accelerator-Programm verfolgt. So wird sichergestellt, dass sich das Programm nicht zu einer finanziellen Bürde für das Unternehmen entwickelt. Wenn man nur nach neuen Ideen in der Gründerszene fischen möchte oder kreative Teams zusammenbringen will, die sich nach neuen Geschäftsmöglichkeiten in der Branche umschauen, ist das Accelerator-Programm zweifellos die falsche Option. Dafür sind Inkubatoren besser geeignet.
Accelerator-Programme dienen vielmehr dazu, bereits existierende Ideen ohne Umwege - innerhalb von drei bis fünf Monaten zu verifizieren respektive investierbar zu machen. Aus diesem Grund lohnt es sich, nur Start-ups in das Programm aufzunehmen, die die Ideen-Phase schon hinter sich haben.
 
Um diese Start-ups zu finden, sollten die Bewerber für das Programm ein strenges und mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Das Gremium muss in erster Linie darauf achten, wie gerecht das Geschäftsmodell den Aufgabenstellungen und Anforderungen des Accelerators wird, ob die Gründer über notwendige Kompetenzen verfügen und ob sie genügend Motivation mitbringen. Viele Unternehmen achten vor allem auf die Kompatibilität von Start-ups mit den eigenen Unternehmenszielen. Und hier lauert vielleicht die größte Gefahr für Konzerne. Fixiert man sich bei der Auswahl zu stark auf eigene Kernkompetenzen, riskiert man, wichtige Innovationen zu verpassen.

2. Die richtige Nähe zwischen Unternehmen und Start-ups finden

Sobald das Auswahlverfahren vorbei ist und das Programm anläuft, versuchen die Unternehmen häufig, die selektierten Start-ups in den eigenen Büroräumen unterzubringen. Was als gutes Vorhaben gedacht ist, könnte schnell zu einem Problem für Programmteilnehmer werden. Wie die Erfahrungen zeigen: "Neue Bäume tun sich schwer, in bestehenden Wäldern zu wachsen." Eine Lösung bieten Co-Working Spaces, die angemietet werden können und notwendige kreative Freiheit für Start-ups bieten.
Unter der räumlichen Distanz sollte jedoch nicht die qualitative Betreuung der Start-up-Teams durch Mentoren leiden. Es ist aber Fakt, dass große Unternehmen hier oft an ihre Grenzen stoßen. Fachleute aus dem Unternehmen, die den Start-ups als Betreuer zur Seite gestellt werden, müssen den Spagat schaffen zwischen ihrem Tagesgeschäft und den Mentoraufgaben. Der kann gelingen, wenn Mentoren nicht nur hinsichtlich ihrer alltäglichen Aufgaben beurteilt werden, sondern auch danach, wie gut sich das zu betreuende Start-up entwickelt.

3. Erfolg des Accelerators durch verpflichtende Maßnahmen sichern

Um den Erfolg des Programms zu sichern und dem Start-up zu helfen, schnell und effizient notwendige Fach- und Führungskompetenzen aufzubauen, ist es sinnvoll, dass das Corporate ein verpflichtendes Curriculum einführt. In einer Serie von Workshops und individuellen Trainings sollten Themen von Finanzmanagement über Recht bis hin zum Pitching behandelt werden.
Daher soll und darf es an erfahrenen und engagierten Mentoren nicht fehlen, die auch für individuelle Arbeit mit den Teams zur Verfügung stehen und diese Aufgaben gern übernehmen.

4. Erfolgsfaktoren frühzeitig festlegen

Wenn man diese einfachen Richtlinien beachtet, steigt die Chance, dass das Accelerator-Programm erfolgreich sein wird. Allerdings ist die Frage, welche Kriterien am Ende darüber entscheiden, ob das Programm seine Ziele erreicht hat? Wichtig ist es deswegen, zu Beginn des Programms klare Zielsetzungen zu definieren, an denen man die Start-ups messen kann. Sinnvolle Ergebnisse sind erst dann möglich, wenn man sich den eigenen Zielen bewusst ist.
Da Start-ups meistens aus jungen Teams mit geringer operativer Erfahrung bestehen, ist die Kontrolle des Fortschritts bei der Zielerreichung unentbehrlich. Dazu zählen die Erstellung eines umfassenden Business-Cases, Definition eines MVP (Minimum Viable Product), Durchführung eines Pilotprojekts etc. Nur so kann man den Arbeitsprozess effizient gestalten und im Notfall eingreifen.

5. Was passiert danach?

Diese Frage schwebt oft in der Luft, wenn das Corporate-Accelerator-Programm vorbei ist. In den meisten Fällen bricht der Kontakt zwischen dem Corporates und Start-ups schnell ab. Es ist aber wichtig, den gegenseitigen Austausch zu pflegen, um von der Zusammenarbeit langfristig zu profitieren.
Eine Lösung ist die Gründung eines Alumni-Programms. So haben Unternehmen auch nach dem Programm die Erfolge ihrer Schützlinge weiter im Blick und können verfolgen, ob sich die Mühe gelohnt hat.


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