Suche auf allen Kanälen 31.08.2017, 08:12 Uhr

Online Recruiting: Die Suche nach den Könnern

Waren noch vor wenigen Jahren viele Deutsche einfach froh, überhaupt einen Job zu haben, so hat manche Fachkraft heute quasi freie Jobwahl. Das bringt auch den Markt für Online Recruiting in Bewegung.
Trends im Online-Recruiting
(Quelle: shutterstock.com/ProStock Studios)
von Mirjam Müller
Monatelanges aufwendiges Suchen auf allen Kanälen, mühevolles Feilen an der Präsentation der eigenen Vorzüge, schmerzhafte Flexibilität bei den Konditionen und am Ende doch eine Absage: Was lange das täglich Brot von Stellensuchenden war, ist zur Realität für Arbeitgeber geworden. 
Zwar erreichte die Zahl der Erwerbstätigen in der Bundesrepublik  Deutschland im April 2017 mit erstmals mehr als 44 Millionen einen neuen Höchststand, doch in vielen Branchen wird über zunehmende Schwierigkeiten, den eigenen Bedarf an Fachkräften am Arbeitsmarkt zu decken, berichtet. 
Der Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt befördert auch lange kaum hinterfragte Recruiting-Prozesse auf den Prüfstand. Dabei erhalten etablierte Online Tools häufig schlechte Noten. So berichtet Stefan Reiser, Personalreferent bei der RWE-Tochter Lechwerke AG, auf Personalblogger.net von einem Selbstversuch.

22.000 Treffer auf eine Job-Suche 

Der HR-Experte gab seine Suche nach einer Stelle als Senior HR Business Partner bei verschiedenen Recruiting-Plattformen ein. Der seit 1994 aktive Branchenpionier Monster präsentierte Reiser 112 Treffer - unter anderem ein Angebot für einen "SAP SD Berater". 216 poten­zielle Jobs spuckte die Plattform Indeed aus, auf der sich nach Unternehmensangaben monatlich mehr als 200 Millionen Besucher tummeln. Die Suche über Xing brachte Reiser schon 2.233 Jobofferten und die Springer-Tochter Stepstone belegte mit 22.000 Treffern eindrucksvoll, wie begehrt Reisers Kenntnisse derzeit offenbar sind. 
22.000 auf die eigenen Fähigkeiten wartende Stellen mögen einer narzisstischen Persönlichkeit einen Kick geben, für die Suche nach einem passenden Job ist diese Masse wenig hilfreich. Selbst wenn die Stellenangebote tatsächlich alle auf den Personaler passen sollten, wäre es nicht möglich, diese auch nur grob zu überprüfen - doch das ist nicht der Fall. Nach Einsatz des Berufsfeldfilters spuckt Stepstone für den Senior HR BP noch 5.162 IT-Jobs, 4.021 Jobs für Ingenieure, 3.130 Jobs in Vertrieb/Verkauf sowie 2.748 Führungskräfte und immerhin 1.794 Personaler-Jobs aus - lediglich 8,1 Prozent aller Treffer.

Bewerberfreundliche Alternativen gefragt

Nicht nur für Stellensuchende, sondern auch für Arbeitgeber liegt genau hier das Problem: Ein Unternehmen, das händeringend eine Fachkraft sucht, kommt kaum ans Ziel, wenn seine Stellenausschreibung quasi jeden erreicht und in einer unüberschaubaren Masse von mehr oder weniger sinnlosen Alternativen ­untergeht. 
Die lange gepflegte Attitüde, dass Bewerber sich eben bemühen und mit jedem erdenklichen Aufwand die passenden Unternehmen finden müssen, kommt als Bumerang zurück: Firmen, die lieblos auf die immer gleiche Weise versuchen, gute Mitarbeiter zu finden, gehen im Wettbewerb um die besten Köpfe im Zweifel leer aus.



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