Fremde Fotos auf Social Media 17.09.2015, 16:45 Uhr

Das Recht am Bild im Internet

Worauf müssen Unternehmen in den sozialen Medien achten, wenn sie fremdes ­Bildmaterial weiterverbreiten? Ein Blick in die Gesetzbücher und Geschäftsbedingungen.
(Quelle: Fotolia.com/vege)
Detailtreue, Sorgfalt und eine klare, ­eindeutige Struktur: Das ist für Unternehmen im Allgemeinen ratsam, sollte ­jedoch insbesondere im Internet und dort speziell in den sozialen Netzwerken doppelt beachtet werden. Wer ohne entsprechende Urheberrechte Bilder auf seiner Webseite, in einem PDF oder auf dem ­Facebook-Firmenaccount verwendet, kann schnell Probleme bekommen.
Ein aktueller Fall zeigt, was passiert, wenn Nutzungsrechte fehlen. Das Land­gericht Düsseldorf verurteilte am 3. Juni 2015 ein Beratungsunternehmen für ­Hotels, weil in einer Broschüre, die als PDF zum Download bereitstand, ein Bild benutzt wurde, dessen Urheber ein Fotograf aus Kanada war (Az.: 12 O 211/14). ­Eine Bildagentur hatte geklagt und Recht bekommen.
Das Problem: Die eingeräumten Nutzungsrechte waren auf Deutschland und den Print-Bereich beschränkt. Die beklagte Partei konnte nicht belegen, dass sie für die Online-Nutzung berechtigt war. Deswegen verurteilten die Richter das Beratungsunternehmen.
Da es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, ist es für Unternehmen wichtig, über die eingeräumten Nutzungsrechte genau informiert zu sein. "Es ist essenziell, ein klares Rechtemanagement zu betreiben. Wenn Unternehmen Bilder in sozialen Medien teilen wollen, sollten sie alle dafür erforderlichen Rechte daran besitzen", betont Kathrin Schürmann, Rechtsanwältin mit einem Schwerpunkt auf ­Urheber-, Medien- und Datenschutzrecht.

Nicht kommerzielle und kommerzielle Nutzung

Unterschieden wird zwischen nicht kommerzieller und kommerzieller Nutzung. Wenn Unternehmen Bilder für ­Werbe- oder Kommunikationszwecke verwenden, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass es sich um eine kommerzielle Nutzung handelt.
So bietet die amerikanische Bildagentur Getty Images ihren Nutzern beispiels­weise die Möglichkeit, das Material über eine "Embed"-Funktion auf der Website kostenlos für Blogs oder Social Media zu verwenden.
Einzige Voraussetzung: Die Nutzung darf nicht kommerziell sein. Wer die Fotos auch für wirtschaftliche Zwecke nutzen möchte, kann das Bild "für die kommerzielle Nutzung lizenzieren lassen", erklärt Wolfgang Wähner-Schmidt, Vice President und Regional ­Director bei Getty Images Deutschland. "Wir möchten das Bewusstsein dafür schärfen, dass Bilder nur mit der Erlaubnis des Urhebers verwendet werden sollen", so der Manager weiter.

Die Krux mit nicht übertragbaren Rechten

Eine spezielle Problematik kann für ­Unternehmen entstehen, wenn fremdes Bildmaterial auf Facebook, Twitter etc. ­geteilt wird, denn die sozialen Me­dien sichern sich selbst Rechte an den Fotos. In den Allgemeinen ­Geschäftsbedingungen (AGB) von Facebook, Paragraf 2 Absatz 1 steht zum Beispiel: "Du gewährst uns ­eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz).“
Das bedeutet konkret, dass das Unternehmen die Bildrechte an ­einen Dritten – in diesem Fall Facebook – überträgt. Das wiederum verbieten jedoch die meisten Stockphoto-Agenturen in ihren AGB. Die Werke sind nicht übertragbar.

Haftung für Urheberrechtsverstöße

Nicht nur bei eigenen Posts ist Vorsicht geboten, sondern auch bei der Übernahme fremder Inhalte von anderen Seiten in ­sozialen Netzwerken, dem Social Sharing. Hier gilt ebenfalls: Nur wer sich sicher ist, dass der Urheber das Bild selbst eingestellt hat oder das Unternehmen die Rechte dazu besitzt, kann das Material problemlos teilen. "Andernfalls drohen Abmahnungen, da das womöglich unter einem Urheberrechtsverstoß eingestellte Material über das Social Sharing auf den eigenen Kanälen weiterverbreitet wird", erklärt Rechtsanwältin Schürmann.
Doch mit welchen Strafen müssen ­Unternehmen rechnen, die das Risiko, ­erwischt zu werden, trotzdem eingehen, und was passiert anschließend? Als Erstes muss das Foto entfernt werden. Eine Aufgabe, die, wenn das Bild mehrfach geteilt wurde, schwierig werden kann. In einem nächsten Schritt muss das Unternehmen eine Unterlassungserklärung abgeben, in der es sich dazu verpflichtet, das Material künftig nicht mehr zu verwenden. Geschieht dies dennoch, wird eine Vertragsstrafe fällig. Abschließend wird in der Regel noch Schadenersatz eingefordert. Beim Urheberrecht bemisst er sich wie folgt: "Bei Stockphoto-Agenturen wird dies meistens anhand einer fiktiven Lizenzgebühr gemacht. Das heißt, das Unternehmen zahlt als Schadenersatz das, was es für den Erwerb der regulären Nutzungsrechte gezahlt hätte", erläutert die Expertin. Hinzu kommt bei Nichtnennung des Urhebers ein ­100-prozentiger Aufschlag.
Da soziale Netzwerke längst ein fester Bestandteil in der Kommunikationsstrategie von Unternehmen sind, verstärken auch die Bildagenturen, die häufig als Vertreter der Urheber auftreten, die Suche nach Verstößen im Netz. Dafür setzen sie auf Programme, die das Internet zum Beispiel nach integrierten Wasserzeichen durchforsten. "Über unsere Erkennungssoftware Picscout können wir tracken, ob Bilder von Getty Images unautorisiert verwendet wurden", sagt Wähner-Schmidt. Kein Zweifel: Die Agenturen und Urheber haben der illegalen Verwendung von Bildern endgültig den Kampf angesagt.

Was verbieten Stockphoto-Agenturen, wenn es um Bildrechte geht, was ist erlaubt? Fünf kostenlose und kostenpflichtige Bilddatenbanken im Vergleich.




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