GAFA 15.06.2016, 08:05 Uhr

Google, Amazon und Co: Die Kraft der Big Four

Google, Apple, Facebook und Amazon - die vier US-Konzerne haben sich im Internet eine Stellung erarbeitet, an der kaum noch jemand vorbeikommt.
(Quelle: Shutterstock.com/Lana Stem )
Finanzermittler der Polizei und zwei Dutzend Informatikexperten verschafften sich vor wenigen Tagen Zutritt zur Google-Zentrale in Paris. Die Razzia sollte zeigen, ob die Google Ireland Ltd. ­eine feste Niederlassung in Frankreich hat und dementsprechend Steuern abführen muss oder ob bei den Steuererklärungen möglicherweise getrickst wurde. Es wird noch eine Weile dauern, bis Ergebnisse vorliegen, doch Google beteuerte schon einmal seine Unschuld. "Wir halten uns an die Steuergesetzgebung in Frankreich ­genauso wie in allen anderen Ländern, in denen wir tätig sind", ließ der Konzern ­eilends verlauten.
Genau das wollen aber viele Behörden und Politiker nicht glauben. In einigen ­europäischen Ländern, darunter Deutschland, ist die Steuerpraxis der großen US-Internet-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon - neuerdings gern auch GAFA genannt - umstritten. Zunehmend werden von EU-Vertretern die international verlaufenden Geldströme kritisch ­betrachtet. Diskutiert wird die Frage, wo möglicherweise illegal gearbeitet wird, wo rechtliche Grauzonen bestehen und an welcher Stelle man die Schuld bei sich selbst suchen muss.

EU-Initiativen sollen mehr Spielraum schaffen

Die Frage der steuerlichen Gleichberechtigung ist derzeit allerdings nur eine Front, an der die EU gegen die   Übermacht der großen US-Internet-Konzerne vorgeht. Die EU-Kommission untersucht auch, ob Google seine marktbeherrschende Stellung beim Smart­phone-System Android ausnutzt und die Handyhersteller zwingt, den Chrome-Browser und die Google-Suche als Standardeinstellung vorzuinstallieren. Außerdem hat sie gerade einen Entwurf für eine neue Richtlinie über audiovisu­elle Mediendienste vorgelegt, der den europäischen Film fördern soll. Videoplattformen wie Netflix sollen künftig Abgaben zahlen, mit denen dann europäische Produktionen gefördert werden.
Neben der "Netflix-Steuer" kümmert sich die EU auch intensiv um den E-Commerce. Um den Online-Handel innerhalb Europas zu fördern, tüftelt sie an Maß­nahmen, die den Versand von Paketen ­innerhalb der EU günstiger machen und E-Commerce-Vorschriften vereinheitlichen. Das Geoblocking soll EU-weit fallen, damit Verbraucher Waren in ­einem anderen Land ­erwerben können, ohne durch unterschiedliche Preise oder Vorschriften gegängelt zu werden.
All diese Initiativen zielen darauf ab, das Korsett für europäische Medien- und Handelsunternehmen zu lockern und sie im Wettbewerb mit den großen US-Playern Google, Facebook, Amazon und Apple zu unterstützen. Für viele Branchenexperten ist es für solche Maßnahmen höchste Zeit. "Von einem fairen Konkurrenzkampf kann man wahrlich nicht sprechen", betont Christoph Keese, Executive Vice President der Axel Springer SE. "Wir spielen nicht auf einem ebenen Feld, sondern auf einem steilen Abhang." Die rechtliche Wirklichkeit sei traurig. Gesetzgeber und Gerichte hätten zugelassen, dass traditionelle Branchen in Fußfesseln bergauf spielten, während die Internet-Konzerne alle Freiheit der Welt genießen könnten. Keese: "Die heutige Rechtslage gleicht einem Programm zur Erzeugung globaler Netzmonopole bei gleichzeitiger Ausmerzung von Vielfalt."

Vormachtstellung der GFA

Man muss die Einschätzung des Springer-Lobbyisten in dieser Schärfe nicht teilen - die Vormachtstellung der GAFA ist allerdings eine Tatsache, die je nach Blickwinkel mal riesig und mal gigantisch aussieht. Gemessen an ihrer Marktkapitalisierung liefern sich Apple und Google ­(Alphabet) regelmäßig ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Kampf um den Rang des wertvollsten Konzerns der Welt. Unter den Top Ten befinden sich auch Microsoft, Facebook und Amazon, was einer Zäsur gleichkommt: Die GAFA haben die Jahrzehnte währende Vormachtstellung von Indus­trie-, Öl- und Finanz-Multis wie Exxon Mobil gebrochen: Im Zuge der digitalen Globalisierung haben verhältnismäßig junge Unternehmen - Facebook wurde erst 2004 gegründet - das Ruder übernommen und die USA geben weltweit die Richtung vor: Von dem vielfach vorhergesagten Verfall einer Weltmacht ist nichts zu spüren.

Die Big Four sind so kapitalstark wie Kanada

Die Agentur Zenith hat soeben ein Ranking veröffentlicht, das verdeutlichen soll, welche Unternehmen für das Marketing weltweit am wichtigsten sind. Berücksichtigt wurden deshalb nur die Umsätze, die aus Geschäftsfeldern stammen, die Werbung unterstützen. Auch hier beherrschen die Digital Companies das Bild. Auf Platz eins befindet sich Alphabet (Google), auf Rang fünf rangiert Facebook mit Zug nach oben: Das Netzwerk weist die bei Weitem größten Zuwachsraten auf.
Scott Galloway, Professor für Marketing and Brand Strategy in New York, hielt ­Anfang des Jahres auf der DLD Con­ference in München einen viel beachteten Vortrag. Seine Analyse rückte die Vormachtstellung von Google, Amazon, Facebook und Apple noch einmal in ein ganz neues Licht. Hochgerechnet, so Professor Galloway, habe der Börsenwert der vier Konzerne im vergangenen Jahr dem Bruttoinlandsprodukt (BPI) von Spanien entsprochen. Inzwischen sei er bei 1,7 Billionen US-Dollar angekommen und damit auf der Höhe des BPI von ­Kanada.
Es sind solche Zahlen, die letzte Zweifel an der Monopolstellung verstummen lassen. "Die Big Four beherrschen de facto das Internet im B2C-Bereich und bauen den Einfluss aktuell eher aus, als dass man einen Rückgang beobachten könnte", sagt Achim Himmelreich, Vizepräsident des Digital-Verbands BVDW. Aufgrund der Kapitalkraft und Reichweite der GAFA sei kaum jemand in der Lage, eine adäquate Konkurrenz aufzubauen. Himmelreich: "Man wird de facto gezwungen, mit den Unternehmen zu kooperieren, da sie Marktstandards setzen."



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