WhatsApp-Newsletter - sinnvoll oder Spielerei?

Ohne Opt-in kein WhatsApp-Newsletter

Rechtlich gilt zu beachten, dass es sich bei den WhatsApp-Nachrichten um elektronische Post handelt. Die europäische Gesetzgebung ist hier eindeutig: "… jede über ein öffentliches Kommunikationsnetz verschickte Text-, Sprach-, Ton- oder Bildnachricht, die im Netz oder im Endgerät des Empfängers gespeichert werden kann, bis sie von diesem abgerufen wird". Die Marketer müssen also dieselben Voraussetzungen berücksichtigen wie beim E-Mail-Versand. Ein ausdrückliches und bestätigtes Opt-in ist somit Pflicht. Zugleich ist ein Vorabhinweis auf den jederzeitigen Widerruf auch beim WhatsApp-Newsletter unerlässlich.

Meist lassen sich Newsletter mit WhatsApp in etwa so abonnieren:
  1. Die eigene Mobilfunknummer wird in ein Formular eingeben
  2. Anschließend wird die WhatsApp-Telefonnummer des Marketers angezeigt
  3. Diese Marketer-Nummer wird vom Nutzer zu seinen Telefonkontakten hinzufügt
  4. Eine beliebige Nachricht oder ein bestimmtes Wort zum Opt-In wird zur Aktivierung an den Marketer gesendet
  5. Anschließend tritt das Unternehmen per WhatsApp in Kontakt mit dem Nutzer
  6. Die Abmeldung vom WhatsApp-Newsletter erfolgt durch eine bestimmte Nutzer-Nachricht (z. B. durch "Stopp")

Einige Pros, mehrere Contras

So vielversprechend die mobilen Nutzerraten bei den meisten Zielgruppen sind und so hoch die Response auf den ersten Blick auch erscheint, so offen ist dennoch das Potenzial von WhatsApp-Newslettern. Es handelt sich zwar um ein "schnelles" und mobiles Medium, aber der Marketer bewegt sich auch in einem Bereich, der vorrangig immer noch zur Privatsphäre der Nutzer gehört. Aus Kanal-Perspektive stellt sich zudem die Frage, wie viele Abonnements die WhatsApp-Nutzer sich in der Masse "aufhalsen" möchten.
Die Unternehmen stehen ihrerseits vor der Herausforderung die richtige Versandfrequenz zu finden - und im Vergleich zum gewohnten Newsletter dauerhaft einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Gut geeignet sind Info-Häppchen sowie News aus Blogs, Rabatte und Aktionen im Online-Shop. Potenzial ist nicht zuletzt bei Deal- und Schnäppchen-Anbietern beim Abverkauf gegeben. Neben kurzen Texten und Links können auch Bilder oder Videos versendet werden. Die aktuellen Opt-in-Verfahren sind allerdings noch aufwändig und gewöhnungsbedürftig. Zudem dürfte der Umfang der Broadcast-Listen bei den meisten Unternehmen aktuell überschaubar sein. Auch hat WhatsApp bei vielen Nutzern mit Datenschutz-Vorbehalten zu kämpfen. Für Personalisierungen durch sensible individuelle Daten ist aufgrund dieser Vorbehalte wenig Spielraum. Allerdings könnte durch das zu bestätigende Opt-in-Wort bereits eine Basis-Personalisierung sichergestellt gestellt werden (zum Beispiel durch "Frau" oder "Mann" in der Fashion-Branche). Last but not least, stellt sich auch die Frage, ob viele Unternehmen aus Ressourcenerwägungen bereit sind, einen weiteren Kanal regelmäßig zu bearbeiten.
Fazit: Ob WhatsApp-Newsletter richtig Fahrt aufnehmen, muss sich erst noch zeigen. Es ergibt aber durchaus Sinn, sich in Richtung mobiler Zielgruppe zu bewegen. Strategie und Themen müssten dann aber auch in Einklang mit dieser Zielgruppe gebracht werden. Im Vergleich zu den Möglichkeiten im E-Mail-Marketing sind die bisherigen WhatsApp-Implementierungen noch sehr bescheiden und umständlich. Viel wird aber auch davon abhängen, wie Facebook künftig WhatsApp integrieren und monetarisieren wird.



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