Zenguard 03.08.2016, 11:00 Uhr

Axel Springer investiert in Tool mit Adblocker

Kein Medienhaus kämpft so wacker gegen Adblocker wie Axel Springer. Doch ausgerechnet die Berliner haben in ein Tool investiert, das Online-Werbung aussperrt. Dabei ist die, wie die Halbjahresbilanz zeigt, überlebenswichtig.
(Quelle: Fotolia.com/martialred)
Kein deutscher Verlag ist so engagiert und konsequent im Kampf gegen Adblocker wie Axel Springer. Sei es das Verklagen von Anbietern eines Werbeblock-Tools oder das Durchziehen der "Was-ihr-könnt-können-wir-schon-lange-Attitüde", indem man Adblock-Usern den Zugang zu Bild.de verwehrt.  
Da erscheint es schon höchst verwunderlich, was Golem.de jetzt berichtet. Denn der Axel-Springer-Verlag ist einer der Investoren von Zenguard, einem Berliner Start-up, das sich mit Security Software beschäftigt. Allerdings hat das Steckenpferd der Kreuzberger, das Tool Zenmate, eine integrierte Firewall für den Chrome-Browser, die Werbung blockiert.
Mit Zenmate kann man Verbindungen mittels VPN aufbauen. Die Firewall schützt vor Tracking und Schadsoftware. Und da so gut wie alle Werbeanzeigen Tracker enthalten und Malvertising immer verbreiteter wird, werden auch Ads blockiert. Ziel ist es wohl, nur die "schädliche" Werbung zu blockieren. Aktuell sei die Firewall nur ein "Prototyp", so Zenguard auf Golem-Anfrage. Derzeit entwickle man Technologien, die Malvertising von regulärer Online-Werbung unterscheiden können, um dann gezielt zu blocken. Im Moment funktioniert Zenmates Firewall aber wie jeder andere Adblocker auch. Und zeigt so auch keine Werbung auf Bild.de an.

Axel Springer doppelt an Zenguard beteiligt

Laut Handelsregisterauszug ist der Axel Springer Plug and Play Accelerator mit 4,27 Prozent an Zenguard beteiligt. Aber das ist noch nicht alles. Florian Heinemanns VC Project A Ventures, an dem sich Axel Springer vor knapp drei Jahren mit 30 Millionen Euro beteiligt hat, hält 18,75 Prozent der Anteile am Berliner Start-up.
Auf Anfrage von Golem.de sagte Springer-Verlagssprecher Manuel Adolphsen, dass sich die Software noch in der Beta-Phase befindet und vor allem vor "Phishing, Malware und infizierten Ads" schützen soll. "Anders als bei Werbeblockern geht es hier also um den Schutz vor Schadprogrammen." Außerdem wolle man gemeinsam mit dem Start-up an "eventuell missverständlichen Produktbeschreibungen" arbeiten.

Digitalgeschäft weitgehend für Konzernumsatz verantwortlich

Der Kampf gegen Adblocker ist für das Bestehen des Springer-Geschäfts mitentscheidend. Seit Jahren sind die digitalen Geschäftsmodelle der wichtigste Treiber. Auch in diesem ersten Halbjahr trugen die Online-Aktivitäten mit 67 Prozent zum Gesamtumsatz bei, wie der Medienkonzern nun vermeldete. Die Werbeerlöse stammen sogar zu 85 Prozent aus den Online-Modellen - eine steigende Adblocker-Rate käme da nicht gelegen.

Umsatzprognose gesenkt

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag der Gewinn in der ersten Jahreshälfte bei 272,9 Millionen Euro - vor allem dank des Digital-Geschäftes. Wegen ungünstiger Währungskurse mussten die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2016 allerdings heruntergeschraubt werden.
Denn Springer rechnet damit, dass die steigenden Werbeerlöse die sinkenden Vertriebseinnahmen, durch den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften, nicht mehr übertreffen werden. Der Medienkonzern hatte ursprünglich mit einem Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Bereich gerechnet, nun erwartet er einen Umsatz auf Vorjahresniveau.



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