Publisher versus Werbeunterdrücker 03.11.2015, 15:00 Uhr

Adblocker: Streit ums Werbegeld

Publisher im Internet stemmen sich mit aller Macht gegen Adblocker, die sie um die Früchte ihrer Arbeit bringen: mit juristischen Schritten - und technischen Barrieren.
(Quelle: shutterstock.com/BoBaa22 )
Schluss mit lustig: Seit Anfang Oktober heißt es auf Bild.de für Adblocker-Nutzer: "Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen." Statt der täglichen Dosis Boulevard erhalten Besucher, auf deren Browser ein Programm wie Adblock plus von Eyeo erkannt wird, einen Sperrbildschirm, der ihnen genau drei Alternativen bietet: die Werbeblockade deaktivieren, ein kostenpflichtiges Abo abschließen - oder eben auf Bild.de verzichten.
Und Bild, die größte Medienmarke des Springer-Konzerns, ist nicht der einzige Anbieter, der im Adblocker-Kampf andere Saiten aufzieht. Auch das Video-Downloadportal des Privatsenders RTL erkennt seit Kurzem installierte Adblocker und verweigert ihren Nutzern den Zugang.
Nicht nur die Methoden gegen Adblocker werden härter, auch der Tonfall der Betroffenen. "Wir lassen uns unseren Journalismus nicht von Schutzgelderpressern kaputtschießen", sagt Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt in einem Interview des Medienportals "Meedia" - und liefert mit diesem Ausspruch eine Steilvorlage für Spott und Häme in den Leserkommentaren: Die Worte "Journalismus" und "Bild" passen für viele Kritiker eben nicht so recht zusammen. Die Satireplattform "Schlecky Silberstein" präsentierte gar den "Axel Springer Blocker", ein Programm "um nie wieder versehentlich ein Axel-Springer-Angebot aufzurufen".

Droht ein neues Wettrüsten?

Adblock-Plus-Anbieter Eyeo meldete sich umgehend zu Wort. Die Spendensumme der Nutzer habe sich nach Bekanntwerden der Bild-Sperre verfünffacht, erklärte das Kölner Unternehmen, allerdings ohne abso­lute Zahlen zum Volumen zu nennen. Auch will Eyeo angeblich einen Weg ­gefunden haben, die Bild.de-Blockade zu umgehen. Droht ein neues Wettrüsten?
Jörg Schneider von Undertone
Jörg Schneider, Country Manager DACH von Undertone: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch mal sagen würde: 'Gut gemacht, Bild.de'"
Quelle: www.undertone.de
Vertreter der Content-Branche haben sich bereits eindeutig positioniert: "Aus meiner Sicht sind Adblocker für das Internet ähnlich gefährlich wie Content-Piraterie. Sie entziehen den Content-Herstellern ihre Existenzgrundlage", sagt Jörg Schneider, Deutschlandchef der Digital-Agentur Undertone. Dabei sei guter Content wie jedes andere erbrachte Gut eine Bezahlung wert. Und Werbung sei nun einmal die Währung für qualitativ hochwertigen Content im Netz: "Das muss der User endlich verstehen."
Olaf Brandt, Geschäftsführer des Webanalyse-Spezialisten Etracker, zeigt ebenfalls Verständnis für das Vorgehen von Bild.de: "Ich kann nicht Bezahlmodelle für Inhalte und Dienste im Web ablehnen und gleichzeitig den Anbietern die Refinanzierung über Werbung unmöglich ­machen."

"Das grenzt an Schutzgelderpressung" 

Dieses Statement erstaunt ­zunächst, wenn man erfährt, was der Etracker-Mitbegründer und heutige Gesellschafter Christian Bennefeld nebenher so treibt: Seine neue Firma Eblocker arbeitet an einem Gerät, das im Netzwerk des ­Anwenders jegliche Inhalte ausfiltern kann, die Profiling ermöglichen - das trifft, ganz nebenbei, auf so ziemlich jedes Werbemittel zu, das von einem Werbe­netzwerk ausgespielt wird. Doch für das Geschäfts­modell von Eyeo findet auch Bennefeld harte Worte: "Das grenzt an Schutzgelderpressung."  
Was die Branche aufregt, das sind die sogenannten "Acceptable Ads", mit denen Adblock-Anbieter Eyeo sein Geld verdient: Advertiser, deren Werbung bestimmte Kriterien erfüllt, werden vom Adblocker nicht ausgefiltert. Das wichtigste Krite­rium indes: Große Advertiser zahlen Geld an Eyeo, um nicht an der Ausübung ihres Geschäfts gehindert zu werden.



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