"Bei YouTube geht es schon lange nicht mehr nur um virale Hits"

Eine nachhaltige ­Beziehung zur Community

Können Sie uns einen Rat geben? Wie ­können Unternehmen eine nachhaltige ­Beziehung zur Community aufbauen und pflegen?
Allocca:
Mein Tipp für Unternehmen: Schaffen Sie es, dass sich die Community aufrichtig für Ihre Marke interessiert und sie ernst nimmt. Bieten Sie einen Mehrwert. Im ersten Schritt bedeutet das für Unternehmen: Lernen Sie Ihre Zielgruppe auf YouTube kennen. Abonnieren Sie 20 bei Ihrer Zielgruppe beliebte YouTube-­Kanäle und schauen Sie sich diese aufmerksam an. So lernen Sie, die Denkweise der Zielgruppe zu verstehen, und machen sich mit den relevanten Themen vertraut. Im zweiten Schritt kommt es darauf an, Inhalte zu erstellen, die ehrlich sind und ansprechen. Zum Beispiel eignen sich "How to"-Inhalte und Tutorials wunderbar, um eine nachhaltige Beziehung zu ­den Zuschauern aufzubauen. Authentizität ist wesentlich. Bespielen Sie die Plattform regelmäßig und konsistent. Denn es ist viel effektiver, sich stetig mit den Zuschauern auszutauschen. Dadurch ergeben sich auch Möglichkeiten, Ihre Zielgruppe zu vergrößern. 
Ist YouTube für jedes Unternehmen und ­jede Firma geeignet oder gibt es Grenzen?
Allocca:
YouTube bringt jedem Unternehmen etwas. Die Plattform ist darauf ausgelegt, Menschen über die verschiedensten Themen miteinander zu verknüpfen - und genau das kann auch auf Werbung umgelegt werden und auf das Erstellen von hilfreichen oder unterhaltenden Inhalten. Die vielfältigen Zielgruppen, die große Menge an hochwertigen Inhalten, die verschiedenen Werbeformate und die enorme Reichweite bieten Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten - je nachdem, was sie erreichen wollen. 
Wir hatten Snapchat und jetzt haben wir TikTok: Wie wirken sich diese Neueinsteiger auf YouTube aus?
Allocca:
Es ist eine spannende Zeit für die Branche. Die Mainstream-Kultur ist mittlerweile zur digitalen Kultur geworden. Wir sehen, dass sich neue Trends über viele verschiedene Social-Media-Plattformen hinweg abspielen. Früher hätte ich mir das nie vorstellen können. Das mitzuerleben, ist wahnsinnig spannend. 
YouTube Premium ist ein Hinweis darauf, wie sich YouTube verändert. Welche Innovationen können wir sonst noch erwarten?
Allocca:
Ich kann leider keine Aussage über zukünftige Produkteinführungen machen. Ich persönlich bin sehr gespannt darauf, wie talentierte Kreative mit innovativen Technologien umgehen werden. VR-, 360-Grad-Videos sowie Live- und Stories-Formate sind Neuerungen, die sich gerade erst etablieren und noch keinen Konventionen unterliegen. Außerdem wächst die Relevanz von Daten und maschinellem Lernen für Kreative. Dadurch entstehen in der Werbebranche zahlreiche neue Möglichkeiten. Ich frage mich, wie sich diese neuen Technologien und Formate auf das Storytelling auswirken werden.
Sie sind Leiter von Culture und Trends. Könnten Sie uns einen typischen ­Arbeitstag beschreiben?
Allocca:
Eines der besten Dinge an einem Job, bei dem es um digitale Trends und moderne Unterhaltung geht: Kein Tag ist typisch. Jeden Tag bin ich aufs Neue überrascht, was mein Team und ich entdecken. Wir wollen herausfinden und verstehen, was auf YouTube beliebt ist. Deshalb verbringe ich viel Zeit damit, an Produkt­features mitzuarbeiten, Phänomene zu untersuchen oder Vorträge zu halten. Gleichzeitig muss ich den Zeitgeist im ­Auge behalten. Denn jeder Trend, den wir im Team identifizieren, hat Bezug zu ­unserer Gesellschaft und Kultur. Aber auch ich habe ganz klassische ­Dinge zu erledigen: Ich muss ein Team von Mitarbeitern weltweit leiten, Meetings ­abhalten, Tabellen ausfüllen und all die ­anderen Dinge eines modernen Bürolebens verwalten - aber wenn ich damit fertig bin, schaue ich YouTube-Videos.
>> Kevin Allocca ist am Mittwoch, 8. Mai, einer der Speaker auf den OMR in Hamburg.



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