Serie, Teil 1 30.04.2018, 08:07 Uhr

Frühjahrsputz: Performance- und Traffic-Analyse für Websites

Vor dem Großreinemachen sollte eine eingehende Analyse der eigenen Webstatistiken stehen, um daraus Ableitungen für Online-Werbung und -Kommunikation zu treffen.
(Quelle: shutterstock.com/Comaniciu Dan)
Von Severin Lucks, Geschäftsführer der SEO- und Online-Marketing-Beratung Delucks GmbH
Es gibt verschiedene Gründe, warum die eigene Internet-Präsenz regelmäßig aufgeräumt werden sollte. Die Prüfung von Traffic-Quellen bringt Erkenntnisse für Kommunikations- und Werbestrategien. Diese sind wichtig, um Planungssicherheit für die nächste Saison oder das neue Jahr zu gewinnen.
Auch hilft die Überprüfung, veraltete, ungenügende oder gar falsche Informationen ausfindig zu machen und zu korrigieren. Dies hinterlässt einen positiven Eindruck hinsichtlich der Kompetenz und schafft Rechtssicherheit für den eigenen Internet-Auftritt - und somit auch für die Lead-Generierung.
Nicht zuletzt lassen sich Fehler erkennen und "Best Practises" ableiten, wodurch für die Zukunft gelernt werden kann. Das hilft außerdem bei der Optimierung des sogenannten Crawl-Budgets. Dieses beschreibt die Frequenz, in der Suchmaschinen die eigene Website analysieren oder der Google-Bot crawlt. Je weniger Fehler eine Webseite aufweist, desto einfacher wird das Crawling für Google und Co. Die Häufigkeit des Crawlings steigt, wodurch die eigenen Inhalte regelmäßig indexiert und besser bewertet werden. Dies wiederum führt zu schnelleren SEO-Erfolgen.

Funktionierende Statistik und Technik als Grundlage

Grundlage für den Frühjahrsputz ist eine funktionierende Webseiten-Statistik und der Zugriff auf die Google Search Console. Da die Analyse mit Google Analytics wohl die populärste ist, dient diese Webstatistik der Veranschaulichung. Folgendes sollten Sie aus gegebenem Anlass beachten:
Tracking sollte immer unter Berücksichtigung des Datenschutzes erfolgen. Am 25. Mai 2018 tritt die DSGVO in Kraft und damit neue rechtliche Rahmenbedingungen zum Schutz personenbezogener Daten. "Die wichtigste Neuerung hierbei ist, dass für sämtliche Daten (Statistiken, Cookies etc.) eine neue, im Vergleich zum bisherigen Datenschutzrecht erweiterte Webseiten-Datenschutzerklärung erteilt werden muss", mahnt Rechtsanwältin Julia Blind von Avantcore. "Man muss aber auch die Entwicklung bei der gerade in Brüssel noch im Gesetzgebungsverfahren befindlichen E-Privacy-Verordnung im Auge behalten. Diese wird unter Umständen für externe Webseiten-Analysen und Cookies die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer erfordern (engl. "Opt-in")", führt Blind weiter aus.
Der eigentliche Frühjahrsputz einer Webseite oder eines Online Shops beginnt jedoch etwas früher, an anderer Stelle. ­Zunächst sollten Unternehmen und Shop-Betreiber einen objektiven Blick auf die Technik, insbesondere Ladezeit und Mobil-Optimierung, werfen. Anschließend müssen sowohl Werbeaktivitäten als auch Traffic-Quellen genau betrachtet werden.

Technische Optimierung und neue Benutzerfreundlichkeit

Nachdem Google vergangenes Jahr den Mobile-First-Index angekündigt hat, wird dieser nun offiziell eingeführt. Inhaber von Webseiten werden seither benachrichtigt, sobald die Index-Umstellung für ihre ­Domain erfolgt. Spätestens dann sollten Webseitenbetreiber sicherstellen, dass sie sehr leicht bedienbare Seiten mit geringer Ladezeit bereitstellen. Denn der Mobile-First-Index löst die bisherige Desktop-­Indexierung ab und bewertet Seiten aus der Perspektive von mobilen Endgeräten. Diese können nicht immer auf schnelle ­Internet-Verbindungen zugreifen und sind daher auf Seitenoptimierungen angewiesen. Auch wenn der bisherige Index nicht komplett verschwindet, werden ­Erfolgsmessungen zukünftig zuerst über den Mobile-First-Index durchgeführt.
Damit wird das Jahr 2018 zugleich das Jahr der Benutzerfreundlichkeit. Wer noch immer keine Mobile-optimierte Website hat oder sich nicht sicher ist, ob die eigene Seite so wahrgenommen wird, sollte sofort handeln. Ein Blick auf Googles Test und die Optimierung der eigenen Webseite für Mobilgeräte ist schnell getan. Dieser Test ersetzt jedoch nicht das Ausprobieren der eigenen Seiten über Smartphones oder die Überprüfung der Funktionalität in der ­eigenen Statistik.
Wichtig ist vor allem, dass sämtliche Menüpunkte und Links groß genug gestaltet sind, damit Nutzer diese auch mit kräftigeren Fingern einfach klicken können. Am besten reduziert man die Navigation auf eine Ebene, ohne Dropdown-Menüs einzubinden. Untermenüpunkte lassen sich auch in einer separaten Navigation auf der jeweils übergeordneten Seite platzieren. Dies vereinfacht die Übersichtlichkeit und verbessert außerdem die Klickraten - ein Nutzersignal, das Google bei der Indexierung durchaus berücksichtigt. Neben der Klickrate spielen Nutzersignale wie Absprungrate, Verweildauer und wiederkehrende Besuche eine wichtige Rolle. Diese können mithilfe des Chrome Browsers, von Google Analytics und den Suchergebnissen von Google ausgewertet werden. Verschiedene Studien belegen, dass Nutzersignale Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung haben.
Checkliste
Ein weiterer Faktor, der Einfluss auf die Optimierung von Webseiten sowie das Nutzerverhalten hat, ist die Ladezeit von Webpages. Mit jeder Sekunde, die Online Shop, Homepages oder Angebotsseiten zum Laden ihrer Inhalte brauchen, springt ein Teil der Besucher ab. Seitenbetreiber vergraulen damit potenzielle Neukunden. Das Ziel einer modernen Webseite muss es sein, unter Desktop-Bedingungen alle ­Inhalte innerhalb von nur einer Sekunde geladen zu haben. Google bietet dazu "PageSpeed Insights" an.
Mithilfe des Chrome-Browsers nimmt das Programm Messungen vor und stellt auch für große Seiten die durchschnittliche Ladezeit dar. Bei Zugriffen über mobile Endgeräte sind die Bedingungen schlechter. Diese Geräte greifen vorwiegend auf eine 3G-Internet-Verbindung zu. Bis zum vollständigen ­Laden einer Seite vergeht daher deutlich mehr Zeit. Benötigt eine Webseite auf dem Desktop eine Ladezeit von einer Sekunde, lädt sie auf dem Smartphone im besten Fall innerhalb von drei Sekunden.
Bei der technischen Optimierung empfiehlt sich zuletzt ein Test der Secure Socket Layer (SSL) beziehungsweise Transport Layer Security (TLS). Diese Verschlüsselung ist nicht nur aus SEO-Sicht relevant, den Nutzern wird auch ein Gefühl von Sicherheit vermittelt, wenn Formulare und Checkout-Prozesse verschlüsselt sind. Auch Abmahnrisiken werden reduziert.



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