Philipp John, Gründer ReachHero 10.12.2018, 08:06 Uhr

"Influencer sollten alles geben!"

Trotz der Debatten um Kennzeichnungspflicht und Wirksamkeit: Die Ausgaben für Influencer Marketing steigen weiter. Ein Interview mit Philipp John, einem der Gründer der Plattform ReachHero.
Philipp John, der Gründer der Plattform ReachHero
(Quelle: ReachHero)
Ist Influencer Marketing mittlerweile im Mainstream des Marketings angekommen?
Philipp John: Sicherlich ist Influencer Marketing nicht bei allen Unternehmen Mainstream. Es gibt immer noch viele, die gerade ihre ersten Versuche im Influencer Marketing starten. Gleichzeitig ist bei vielen Unternehmen, vor allem im Beauty-Bereich, Influencer Marketing gar nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr wird dort entsprechend Budget eingeplant. Wir sehen aber, dass sich zunehmend Produkte abseits von Fashion und Kosmetik sehr gut über Influencer vermarkten lassen. So hatten wir zum Beispiel Influencer für eine Fertighaus-Kampagne vermittelt. Dem Hersteller hat das eine höhere Aufmerksamkeit gebracht und zu messbaren und relevanten Umsatzsteigerungen geführt.

Grundsätzlich kann man festhalten, dass die Branche weiter stark wächst. Gerade wurde wieder eine Umfrage unter deutschen Marketern durchgeführt. Diese ergab, dass Werber ihre Budgets für Influencer weiter aufstocken wollen, mit einem besonderen Fokus auf Micro-Influencer. 
Ein Trend ist also Micro-Influencer-Marketing. Welche Entwicklungen zeichnen sich sonst noch ab?
John: Bei den Unternehmen, die regelmäßig mit Influencern zusammenarbeiten und die relevante Budgets investieren, macht sich eine zunehmende Technisierung bemerkbar. Das bedeutet, dass mehr und mehr Software für Analyse und Abwicklung der Kampagnen genutzt wird. Das macht Influencer Marketing präziser und zeitlich effizienter. Die damit gewonnenen Ressourcen können dann in die Entwicklung kreativer Konzepte investiert werden. Ein weiterer Trend ist: Es geht weg von punktuellen Kampagnen, hin zu längerfristigen Influencer Relations.
Welche Bereiche müssen verbessert werden?
John: Viele Unternehmen haben ihre Abläufe und ihr Marketing noch nicht auf Influencer eingestellt. Das fängt bei den Briefings an und hört bei den Wünschen für die Umsetzung auf. Häufig ist die Einbindung von Produkten viel zu werblich, was die Kampagne unglaubwürdig macht. Auch müssen Unternehmen verstehen, dass Influencer in manchen Bereichen keine Exklusivität geben können, denn ihr Content lebt davon, unterschiedliche Marken vorzustellen.
  
Wo müssen Influencer dazulernen?
John: Influencer müssen verstehen: Wenn sie eine Kooperation mit Unternehmen eingehen, dann sollten sie für eine Kampagne auch alles geben. Leider gibt es immer noch Influencer, die eine zu unprofessionelle Herangehensweise an Kampagnen haben. Kunden merken das und buchen bei der nächsten Kampagne dann lieber andere Influencer.
  
Inwiefern beschäftigt die Branche das Thema "Werbekennzeichnung"?
John: Influencern beleibt aktuell keine andere Möglichkeit, auf Instagram so gut wie alles als Werbung zu kennzeichnen, sobald eine Verlinkung zu anderen Accounts stattfindet. Hier wäre sicherlich eine differenzierte Auslegung der Gerichte wünschenswert. Eine Meinung, die - soweit ich weiß - auch die Landesmedienanstalten vertreten.

Ist Influencer Marketing auch im Bereich B2B ein sinnvolles Instrument?
John: Auf jeden Fall. Zum Beispiel bei Podcasts. Diese Werbung hat allerdings eher den Charakter von klassischer Unterbrecher-Werbung. Trotzdem können solche Einbindungen sehr effektiv ein. Zum Beispiel hat Squarespace, ein Startup in den USA mit einem relevanten B2B Kunden-Anteil, mit Podcasts sehr gute Erfahrungen gemacht.



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